Titelträume und leiser Abschied

Sport / 08.02.2017 • 19:33 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Ehrhart und Oberhauser mit Graz im Cup auf Titeljagd. Karriereende von Chukwuma.

Schwarzach. Seit dem freiwilligen Rückzug der Damen des VC Dornbirn aus der 1. Bundesliga am Ende der Saison 2009/10 ist Vorarlbergs Volleyballsport auf höchster Ebene mit keiner Mannschaft mehr vertreten. Dank Lisa Chukwuma, Ursula Ehrhart und Anna Oberhauser ist das Ländle in der Austrian Volley League Women aber kein weißer Fleck auf der Landkarte. Allerdings wurde das Ländle-Trio nun dezimiert, weil Chukwuma in den letzten Wochen ihre aktive Karriere beendet hat. Die 24-jährige Gaißauerin, seit 2010 bei Serienmeister und Pokalsieger SVS Schwechat unter Vertrag, absolvierte im Grunddurchgang neun der 18 Partien und brachte es auf 58 Skorerpunkte. Geplant war, dass die Gaißauerin mit afrikanischen Wurzeln (ihr Vater kommt aus Nigeria und lebt bereits über 30 Jahren in Vorarlberg) am Wochenende beim Final Four im ÖVV-Cup in Amstetten letztmals das Schwechat-Trikot trägt. „Mitte des letzten Jahres wurde bei mir ein gutartiger Knochentumor am Schienbein festgestellt und operativ entfernt. Leider sind am Ende des Jahres noch einmal die gleichen Symptome aufgetreten und ich musste mich im Jänner abermals einer Operation unterziehen“, erklärt Chukwuma.

Die gesundheitlichen Probleme waren aber nur ein Grund, in Zukunft den Volleyball nur noch hobbymäßig in die Hand zu nehmen. Nach Beendigung des Studium der Rechtswissenschaften in Wien absolviert die 24-Jährige seit Februar ihr dreimonatiges zivilrechtliches Praktikum am Bezirksgericht Gänserndorf. Wo sie das strafrechtliche Praktikum macht, steht noch nicht fest. Ab September plant die Magistra in Kriminologie im Ausland das Masterstudium zu starten, sofern sich nicht eine andere Tätigkeit ergibt. Eine Option wäre als zivile Exekutivbedienstete bei der Polizei, deren Aufnahmeprüfung Chukwuma Ende Februar macht. „Im Moment hängt diesbezüglich viel von meiner körperlichen Fitness ab.“

Aufgrund der Verletzung wird Chukwuma beim Cupfinalturnier als Assistentin von Headcoach Jiří Šiller fungieren: „Nach vier Triumphen in der Bundesliga bzw. fünf im Cup als Aktive muss ich jetzt hoffen, den Jubiläumstitel eben als Kotrainerin zu holen“, betont die stets frohgelaunte Gaißauerin mit einem Lächeln.

Ehrhart mit Bestwerten

Ihrer engeren Landsfrau könnten Ursula Ehrhart und Anna Oberhauser einen Strich durch die Rechnung machen. Die 21-jährige Ehrhart aus Dornbirn und ihre um zwei Jahre jüngere Teamkollegin aus Wolfurt treffen mit dem UVC Graz im Halbfinale (Samstag, 15.30 Uhr) auf Serien-Cupsieger Schwechat. Dass der Rekordmeister nicht unverwundbar ist, bewiesen die Murstädter Ende Oktober mit dem 3:2-Heimsieg. „Dieser Erfolg ist umso höher einzustufen, da in der Liga alle sechs Legionärinnen von Schwechat dabei waren und diese im Cup nicht spielberechtigt sind“, erklärt Ehrhart.

Die seit 2014 beim UVC
als Diagonalangreiferin Agierende hatte mit 230 Punkten (Schnitt 12,7 pro Spiel) maßgeblichen Anteil daran, dass Graz (42 Punkte) hinter Schwechat (49) und Linz-Steg (45) den Grunddurchgang auf Rang drei beendet hat. „Wir sind nicht unzufrieden, haben aber definitiv noch Luft nach oben. Wir sind das einzige Team im Play-off, dass sich ausschließlich aus heimischen Spielerinnen zusammensetzt. Nach zwei Bronzemedaillen in der Liga und der Finalniederlage im Cup letztes Jahr (Anm. nach 2:0-Satzführung gegen Schwechat) wäre es jetzt natürlich perfekt, wenn uns in einem Bewerb der Sprung an die Spitze gelingt und wir mit was Goldenem die Saison krönen würden“, betont die Studentin für
Bauingenieurwissenschaften kämpferisch.

Viel Erfahrung gesammelt

Den Sprung von der zweiten in die höchste Leistungsklasse bezeichnet Anna Oberhauser als absolut gute Entscheidung. Die Wolfurterin absolviert in ihrer ersten Saison im Trikot des UVC Graz Sonderschichten: Neben den acht Einsätzen in der 1. Bundesliga als Libera brachte es die 1,65 Meter große Oberhauser im UVC-Zweierteam in zwölf Partien auf 25 Punkte in der
2. Bundesliga Süd. „Ich konnte in den ersten Monaten enorm viel Erfahrung sammeln und bereue den Schritt in keiner Weise. Der Verein ist wie eine große Familie, ich wurde perfekt integriert und fühle mich absolut wohl“, betont Oberhauser, die nach zwei Semestern als Umweltsytemwissenschaftlerin ab Sommer auf Sportwissenschaft umsattelt und für die Aufnahmeprüfung Ende Februar bereits fleißig Klimmzüge trainiert.

Es wäre schon eine große Freude, wenn wir die Saison mit was Goldenem krönen würden.

Ursula Ehrhart
Lisa Chukwuma hat aus beruflichen und gesundheitlichen Gründen ihre Karriere beendet. GEPA
Lisa Chukwuma hat aus beruflichen und gesundheitlichen Gründen ihre Karriere beendet. GEPA