Ich trainiere viel im Simulator

Sport / 09.02.2017 • 22:14 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
DTM-Werksfahrer René Rast fühlt sich in Bregenz pudelwohl. Foto: noger
DTM-Werksfahrer René Rast fühlt sich in Bregenz pudelwohl. Foto: noger

René Rast bereitet sich in Bregenz auf die neue DTM-Saison im Audi-Cockpit vor.

Bregenz. (VN-dg) Mit dem Hohenemser Christian Klien, den beiden Wahl-Lochauern Timo Scheider und Marco Holzer sowie dem in Höchst lebenden Franzosen Kévin Estre beheimatet Vorarlberg bereits etliche Profi-Automobilrennfahrer. Mit René Rast, der seit einigen Monaten seine Zelte in Bregenz aufgeschlagen hat, ist nun ein Fünfter dazugekommen. Der 30-jährige Deutsche bestreitet heuer als Audi-Werkspilot die komplette DTM-Meisterschaft, nachdem er im Vorjahr als Ersatzfahrer bei zwei Einsätzen brillieren konnte.

Seit wann wohnen Sie in Bregenz, und was waren die Beweggründe, nach Vorarlberg zu übersiedeln?

René Rast: Eigentlich bin ich schon seit dem 1. Jänner 2016 in Bregenz gemeldet. Aber durch die viele Reiserei zu den Rennen erfolgte die Übersiedlung erst etwas später. Ich kenne Vorarlberg schon aus meiner Kindheit. Wir sind praktisch jährlich nach Damüls zum Skifahren hergekommen. Deshalb kannte ich die Gegend schon recht gut. Die Berge, der See, das entspanntere Leben hier, waren dann die ausschlaggebenden Punkte, hierherzuziehen. Dass ich in Österreich weniger Steuern bezahlen muss, ist freilich ein netter Begleitaspekt. Ich gehe nach Sulzberg zum Skilanglaufen, an den Hochhäderich zum Skifahren. Durch meine Freundin, die mir erst kürzlich einen Jungen schenkte, hat sich durch Bekanntschaften bei den Schwangerschaftskursen auch bereits ein netter Freundeskreis gebildet. Ich fühle mich hier extrem wohl, habe jetzt deutlich mehr Lebensqualität als vorher im Raum Frankfurt.

Den Österreich-Bezug haben Sie in den Jahren 2010 bis 2012 hergestellt, als Sie für das Salzburger Lechner-Racing-Team drei Mal en suite den Porsche-Supercup gewonnen haben. Tolle Zeit mit den Lechners?

Rast: Absolut! Das ist ein Super-Team und es war eine megaspannende Zeit. Walter Lechner Senior und seine beiden Söhne haben viel Erfahrung. Es herrschte stets eine schöne Atmosphäre, und wir hatten es immer
sehr lustig.

Sie waren in der Vorsaison DTM-Ersatzfahrer bei Audi und haben bei zwei Aushilfs-einsätzen eine gute Figur gemacht. Was glauben Sie, war ausschlaggebend, dass Sie Audi für heuer als Stammfahrer verpflichtet hat, obwohl der Fahrerkader von acht auf sechs Piloten reduziert werden musste?

Rast: Dass ich beim Sprint­rennen beim Finale in Hockenheim als Achter in die Punkte gefahren bin, war sicherlich hilfreich. Es hat ja aber schon etliche Vorgeschichten mit Audi gegeben (Anm. Rast wurde 2014 auf einem Audi R8 ADAC-GT-Masters-Champion und bestritt 2015 im dritten Audi-LMP1-Prototypen die 24 h von Le Mans), weshalb man mich und meine Arbeitsweise schon länger kannte. Ich denke, dass die Kombination aus den Einsätzen der Vergangenheit und der gute Eindruck zuletzt in Hockenheim letztendlich entscheidend waren.

Sie werden bei Audi im Team von Keke Rosberg fahren. Teamkollege ist Jamie Green. Ist der Brite eine harte Nuss?

Rast: Definitiv! Jamie hat viel Erfahrung, ist auf einem sehr hohen Niveau, was das Technische angeht. Ich denke, dass ich viel von ihm lernen kann. Deshalb ist er eigentlich für mich der perfekte Teamkollege, da ich von ihm nur profitieren kann.

Es gibt heuer neue Autos. Erste Testfahrten stehen erst an. Was kann man dennoch schon über Ihr neues Arbeitsgerät sagen?

Rast: Es gibt für heuer einige Veränderungen. Es gibt mehr Motorleistung, weichere Reifen und die Aerodynamik wurde reduziert. Das sind freilich für alle kleine Ungewissheiten, aber ich denke, dass Audi hier sicherlich wieder einen guten Job gemacht hat.

Sie können heuer schon ein Podium vorweisen und wurden Ende Jänner bei den 24 Stunden von Daytona für ein privates LMP2-Team Dritter.

Rast: Daytona ist immer eines der schönsten Rennen des Jahres und stets sehr spannend. Es war bereits mein sechster Einsatz in Daytona. In der kleineren GT-Klasse konnte ich schon zwei Mal gewinnen. Heuer war unser LMP2-Prototyp nicht ganz ausgereift, weshalb es eigentlich ein kleines Wunder war, noch Dritter zu werden.

Wie bereiten Sie sich bis zum DTM-Saisonstart Anfang Mai vor?

Rast: Das Fitnessprogramm wird jetzt angezogen. Krafttraining findet praktisch täglich statt. Dann schaue ich mir auf YouTube diverse Rennvideos an, studiere Rennszenen. Und ich trainiere viel auf meinem eigenen Simulator, den ich mir in Bregenz in der Wohnung aufgebaut habe. Die Programme sind mittlerweile so gut, dass ich mir noch unbekannte Strecken wie den Moskau-Raceway gut einstudieren kann. Außerdem kannst du deine Reflexe und Sinne perfekt trainieren. Vom 20. bis 24. Februar stehen dann auch im portugiesischen Portimao schon die ersten Testfahrten für die neue Saison an.

Zur Person

René Rast

fährt in der DTM für das Audi-Team von Keke Rosberg

Geboren: 26. Oktober 1986

Geburtsort: Minden (GER)

Wohnort: Bregenz

Familienstand: Freundin, ein Sohn (Liam James, 3 Monate alt)

Hobbys: Skifahren

Erfolge und Stationen: ADAC-Polo-Cup-Meister (2005), dreifacher Porsche-Supercup-Meister (2010 bis 2012), deutscher Porsche-Carrera-Cup-Meister 2012, ADAC-GT-Masters-Champion 2014, seit 2016 Audi-DTM-Werkspilot.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.