„Du musst die Gier wieder wecken“

Sport / 13.02.2017 • 18:57 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Altach-Trainer Martin Scherb blickt schon voller Spannung dem Heimdebüt entgegen. Foto: gepa
Altach-Trainer Martin Scherb blickt schon voller Spannung dem Heimdebüt entgegen. Foto: gepa

Der neue Coach erklärt, warum Altach wie ein Sportauto und der richtige am Steuer ist.

Altach. „Never change a winning team!“, heißt es. Nachdem bei Altach mit Damir Canadi und Dimitri Oberlin zwei wichtige Erfolgsbausteine im Vergleich zum Sensationsherbst verloren gingen, hieß die Devise von Neo-Coach Martin Scherb „Never change a winning system“. Der 47-jährige Niederösterreicher nach seinem Debüt als Bundesliga-Trainer im VN-Interview:

Herr Scherb, besser als im Herbst kann ein Klub wie Altach kaum auftreten. Provokante Frage: Kann man in dieser Situation als neuer Trainer nur verlieren?

Scherb: Nein. Wenn ich ein tolles Sportauto fahren darf, steige ich natürlich ein und denke nicht an die Unfallstatistik. Es ist eine spannende Sache. Ich hätte schon vor ein, zwei Jahren bei anderen Vereinen zum Bundesliga-Trainer werden können. Das hat aber nicht so gepasst. Für mich passt es jetzt im Moment perfekt. Und ich glaube, für Altach auch.

Warum?

Scherb: Durch die Art und Weise, wie ich bin. Sie wollten keinen, der alles verändert. Der glaubt, er weiß alles, er ist so g’scheit, er ist so ein super Trainer. Sondern einen, der behutsam mit der Situation umgeht. Und ich glaube, das ist uns bis jetzt gut gelungen.

Im System konnte man gegen die Admira keinen radikalen Einschnitt sehen.

Scherb: Wozu auch? Es ist wichtig, die Mannschaft weiter so spielen zu lassen, wie sie das am besten kann. Mit einer kompakten Defensive und Umschaltspiel nach vorne. Wir arbeiten an kleinen Rädchen. Im Offensivspiel haben wir viele Muster eintrainiert. Wir haben gegen die Admira 18 Flanken geschlagen. Nur waren die leider zu ungenau. Da müssen wir sicher an der Präzision arbeiten.

Wo haben Sie als Trainer angesetzt?

Scherb: Nach so vielen Wochen ohne Spiel musst du natürlich wieder diese Gier wecken. Du musst diese Winterkrone-Geschichte einmal aus den Köpfen kriegen. Es ist ja nicht so, dass die Spieler überheblich wurden. Nehmen wir die Vorbereitung als Beispiel: Gegen Grasshoppers haben wir unglaublich gespielt, aber man hat auch gesehen: Wenn wir nur fünf Prozent nachlassen, reicht es nicht. Wir müssen voll marschieren, damit wir erfolgreich sind.

Goalgetter Dimitri Oberlin, der von Salzburg zurückgeholt wurde, fehlt Ihnen sicher.

Scherb: Keine Frage. Aber Ngamaleu kann in seine Fußstapfen treten. Ganz sicher sogar! Er ist ein Spieler mit großen Anlagen. Er arbeitet viel und ist unheimlich schnell.

Und hinten hat man ja Philipp Netzer als Top-Abwehrchef.

Scherb: Dazu Zech und Galvão. Das sind sicher Topspieler in dieser Liga. Nicht umsonst sind sie in den Notizblöcken größerer Vereine – auch aus dem Ausland. Aber damit müssen wir uns frühestens im Sommer auseinandersetzen.

Nach vorne hat es gegen die Admira aber an Durchschlagskraft gefehlt.

Scherb: Weil wir zu viele Bälle, die wir erobert haben, zu schnell wieder verloren haben. Wir wissen deshalb nur zu gut, woran wir bis zum Heimspiel gegen St. Pölten arbeiten müssen.

Das Match gegen St. Pölten wird wohl ein ganz besonderes, immerhin waren Sie dort sechs Jahre Trainer.

Scherb: Naja. Für mich ist es eher deshalb besonders, weil es mein erstes Heimspiel in Altach ist. Es kicken bei St. Pölten ja kaum mehr Spieler, die ich kenne. Die wechseln dort jedes halbe Jahr die halbe Mannschaft aus. Da ist nicht mehr viel übrig. Thürauer, Ambichl kenne ich noch. Das war es dann schon.

Da hatten Sie viel mehr Bezug zum letzten Gegner Admira.

Scherb: Ja. Ich habe die Hälfte von Burics aktueller Admira-Mannschaft in der U14-Auswahl betreut. Der Monschein hat bei mir noch Verteidiger gespielt (lacht). Ebner, Lackner, die waren alle bei mir in der Landesauswahl Niederösterreich.

Wie sieht es personell für das St. Pölten-Match aus? Da sollte es mit der Durschlagskraft in der Mitte besser werden.

Scherb: Ja, Boris Prokopic ist nach seiner Sperre zurück. Das ist natürlich ein immens wichtiger Spieler. Einer unserer Leistungsträger. Das hat man im Herbst deutlich gesehen. Dafür ist leider Lukas Jäger mit der fünften Gelben gesperrt. Auch mit Louis Mahop ist wieder zu rechnen. Wenn er das Training voll mitmachen kann, ist er sicher wieder im Kader. Das hilft uns sicher, die Qualität zu heben.

Und Nikola Dovedan sollte nach der abgeschlossenen Grundausbildung auch wieder besser reinkommen.

Scherb: Ja, seit letzter Woche ist er wieder im regulären Trainingsbetrieb.