Entwicklungshilfe für Chinesen

Sport / 14.02.2017 • 20:16 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Neo-Nationaltrainer Manfred Heinzelmaier (2. v. l.) mit seinen chinesischen Schützlingen bei der ersten Trainingseinheit in Oberhof. Foto: Verband
Neo-Nationaltrainer Manfred Heinzelmaier (2. v. l.) mit seinen chinesischen Schützlingen bei der ersten Trainingseinheit in Oberhof. Foto: Verband

Rodelbahn Hinterplärsch wird Chinas Trainingsstützpunkt in Europa. Manfred Heinzelmaier als Trainer.

bludenz. (VN-akp) Das Nachwuchsteam der chinesischen Kunstbahnrodler verlegt ab der kommenden Saison seinen Europa-Hauptrainingsstützpunkt nach Bludenz. Spätestens ab Jänner 2018 soll die neue Rodelbahn in Hinterplärsch fertig gestellt sein und bietet damit ideale Trainingsmöglichkeiten für in- und ausländische Teams. Im Hinblick auf die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking scheut das Gastgeberland keine finanziellen und organisatorischen Mühen, um ihre Athleten fit für den Heim-Großevent zu machen.

Elf von 10.000 Kandidaten

Der 55-jährige Bludenzer Manfred Heinzelmaier, Sportkoordinator der Kunstbahnrodler in Vorarlberg und ausgebildeter Trainer, soll den jungen chinesischen Athleten die für sie bis dato unbekannte Sportart das Rodel-ABC beibringen. „Aus über 10.000 Sportschülern aus ganz China wurden die Talentiertesten ausgesucht und auf die verschiedenen olympischen Disziplinen aufgeteilt. Elf davon sind nun bei mir gelandet. Sie sind zwischen 14 und 16 Jahre alt und haben noch nie zuvor eine Kunsteisbahn gesehen“, erklärt Heinzelmaier die Herausforderung.

Der zwischen 1984 bis 1989 im österreichischen Nationalteam und anschließend bis 2007 für Belgien startende Heinzelmaier soll den Asiaten in den nächsten fünf Jahren die Grundlagen des Rodelsports vermitteln. „Es ist für mich ein unglaublich spannendes Projekt. Die Athleten sind enorm wiss­be­gie­rig, nehmen jedes noch so kleine Detail auf, und so wurden bei den ersten Trainingsfahrten schnell Fortschritte erzielt“, so Heinzelmaier.

„Angenehmener Nebeneffekt an der Zusammenarbeit ist, dass der Rodelclub Bludenz und die Region auch aus wirtschaftlicher Sicht von diesem Projekt profitieren. Die Chinesen werden nicht nur für die Trainingsläufe auf der Bahn Hinterplärsch bezahlen, sie werden auch während ihrer Zeit in Bludenz in der Region leben.“

Motivierte Athleten

Der Kontakt entstand durch den Liechtensteiner Wolfgang Schädler, zuvor Cheftrainer der USA und Russland und nun bei den Chinesen engagiert. „Die nächsten fünf Wochen trainieren wir mit dem zukünftigen chinesischen Nationalteam auf den Rodelbahnen in Königssee, Oberhof und Innsbruck. Die Athleten sind sehr bemüht. Der Trainer wird als Autorität anerkannt. Was er sagt, wird auch gemacht“, erläutert Heinzelmaier die chinesische Mentalität. Zur Verfügung stehen aus China zudem ein Physiotherapeut, ein Arzt und eine Dolmetscherin.

Die ersten Tage stand ihm Tochter Katrin zur Seite. Die 21-Jährige hat vor Kurzem aus gesundheitlichen Gründen nach einem Bandscheibenvorfall ihre aktive Karriere beendet. Seit Anfang Monat ist die staatlich geprüfte Trainerin nun im Bundesleistungszentrum Innsbruck-Igls für den Österreichischen Rodelverband tätig.

Bevor ich die chinesischen Rodler getroffen habe, haben sie noch nie eine Kunsteisbahn gesehen.

manfred heinzelmaier

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