Frankreich holt sich den Teambewerb

Sport / 14.02.2017 • 18:47 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Petra Vlhova (links) und Tessa Worley trafen im Finale aufeinander. Am Ende jubelte die Französin Worley. Foto: AP
Petra Vlhova (links) und Tessa Worley trafen im Finale aufeinander. Am Ende jubelte die Französin Worley. Foto: AP

Silber für die Slowakei, Bronze für Schweden. Österreich in dieser Disziplin erstmals ohne Edelmetall.

St. Moritz. Wer hätte das gedacht. Dass Frankreich gute Chancen hat, war klar. Auch Schweden zählte zu den Geheimfavoriten. Aber nicht Österreich, Deutschland oder die USA spielten im Finale eine Rolle. Die Slowakei matchte sich mit Frankreich im Finale des Teambewerbs der Ski-WM in St. Moritz um Gold. Frankreich siegte, vier Hundertstel brachten die Entscheidung. Im Duell um Rang drei musste sich Gastgeber Schweiz den Schweden geschlagen geben. Und Österreich, immerhin Titelverteidiger? Marcel Hirscher und Co. schieden bereits in der zweiten Runde gegen Schweden aus. Am Ende blieb Rang fünf, zusammen mit drei weiteren Nationen: Norwegen, Kanada und Italien.

Ein Jahr vor der Olympiapremiere in Südkorea warb der Mixed-Teambewerb für sich selbst. Bei Postkartenwetter wurde aber auch klar, dass großgewachsene und schwere Athleten bei diesem K.-o.-Parallelslalom mit Riesentorlaufkipptoren eindeutige Vorteile haben. Marcel Hirscher bekam dies besonders zu spüren. Er musste schon in Runde eins gegen den krassen Außenseiter Belgien eine Niederlage hinnehmen. Hirscher unterlag Dries van den Broecke, Nummer 311 der Slalomstartliste.

Erstmals medaillenlos

Weil Stephanie Brunner, Katharina Truppe und Manuel Feller danach ihre Duelle gewannen, war der Aufstieg ins Viertelfinale aber nie in Gefahr. Gegen Schweden biss sich das ÖSV-Team wie befürchtet die Zähne aus. Während sich Hirscher auch dem 100-Kilo-Mann André Myhrer geschlagen geben musste, holte nur Brunner im Duell mit Maria Pietilä-Holmner einen Punkt. Truppe scheiterte gegen Frida Hansdotter um eine Hundertstelsekunde. „Das war extrem schade“, sagte die WM-Debütantin aus Kärnten. Nach drei Gold- und zwei Silbermedaillen in den bisherigen WM-Teambewerben blieb der ÖSV erstmals ohne Edelmetall.

Schweden scheiterte im Halbfinale nach einem Myhrer-Fehler an Frankreich, besiegte im kleinen Finale Gastgeber Schweiz. Im Finale setzte sich Frankreich mit Tessa Worley, Adeline Baud-Mugnier, Alexis Pinturault und Mathieu Faivre gegen die Slowakei nach einem 2:2 dank besserer Laufzeit durch und holte nach 2011 zum zweiten Mal den Titel in diesem Bewerb. „Das war eine tolle Teamleistung. Wenn einer schlecht gefahren ist, hat ihn ein anderer rausgerissen“, jubelte Pinturault über die erste französische Medaille in St. Moritz. Die erste WM-Medaille für die Slowakei hätte dank Veronika Velez-Zuzulova, Petra Vlhva und Co. beinahe in Gold geglänzt. Am Ende entschieden vier Hundertstel für Frankreich.

Hirscher zu klein

Österreich war nicht als Favorit an den Start gegangen. Kirchgasser und Schörghofer hatten wegen Knieproblemen abgesagt. Hirscher war wenige Tage zuvor noch krank im Bett gelegen und hatte sein Antreten nach Kombisilber erst im letzten Moment bestätigt. Das war für den Salzburger aber keine Ausrede. „Es wird nur immer schwieriger, sich bei diesem Bewerb durchzusetzen. Die Kurssetzung ist sehr speziell, die Flaggen haben hier besonders gut gehalten. Offenbar sind 1,73 Meter zu wenig, um die Stangen oben zu kippen“, erklärte er.

Für diesen Bewerb wird eine extra Taktik benötigt. Die Doppelfaustmethode etwa hatte vor allem Myhrer salonfähig gemacht. „Ich hab’s auch probiert, aber gleiche eine auf’s Maul bekommen“, erzählte Hirscher. „Einer wie Myhrer spürt das wahrscheinlich nicht einmal.“

Den Belgier van den Breocke lobte Hirscher aber ausdrücklich. „Er ist saugut Ski gefahren.“ Insgesamt sei er natürlich enttäuscht. „Wir hätten gerne mehr rausgeholt.“ Als Duell auf höchstem Niveau beschrieb ÖSV-Herrenchef Andreas Puelacher die Niederlage gegen Schweden. „Die Laufzeit von Marcel war nicht so schlecht, die Schweden waren einfach um das Quäntchen schneller als wir.“ Schweden sei für ihn schon vorher der Favorit gewesen.

Mit Frankreich setzte sich die als Nummer vier gesetzte Nation durch, während mit Österreich, Italien und der Schweiz die drei höchsteingestuften Länder ohne Medaillen blieben. Deutschland, 2005 erster Gewinner überhaupt, landete auf Rang neun.

Teambewerb

Frankreich (Adeline Baud-Mugnier, Nastasia Noens, Tessa Worley, Mathieu Faivre, Julien Lizeroux, Alexis Pinturault)

Slowakei (Tereza Jancova, Veronika Velez Zuzulova, Petra Vlhova, Matej Falat, Adam Zampa, Andreas Zampa)

Schweden (Frida Hansdotter, Maria Pietilä-Holmner, Emelie Wikström, Mattias Hargin, Gustav Lundbäck, André Myhrer)

4. Schweiz (Wendy Holdener, Melanie Meillard, Camille Rast, Luca Aerni, Reto Schmidiger, Daniel Yule)

5. Österreich (Stephanie Brunner, Ricarda Haaser, Katharina Truppe, Manuel Feller, Marcel Hirscher, Michael Matt), Norwegen, Kanada und Italien

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