Der etwas andere Schlussmann

Sport / 21.02.2017 • 21:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In der 82. Minute biss Suttons Ersatzkeeper Wayne Shaw genüsslich in einen Hamburger. Foto: reuters
In der 82. Minute biss Suttons Ersatzkeeper Wayne Shaw genüsslich in einen Hamburger. Foto: reuters

„Big Wayne Shaw“ stahl erst Arsenal die Show und ist dann zurückgetreten.

sutton. Am Morgen nach der 0:2-Heimniederlage gegen Arsenal London in der fünften Runde des FA-Cups saß der Held der Nacht plötzlich live im Studio des britischen Frühstücks-Fernsehens. Im zu engen, hellblauen Sweatshirt plauderte Wayne Shaw in „Good Morning Britain“ mit den Moderatoren über Gott, die Fußball-Welt – und über ein Fleischsandwich. Zwölf Stunden zuvor hatte der 45-Jährige mit den rötlichen Stoppelhaaren und der Wohlstandsplauze den Stars des FC Arsenal die Show gestohlen. Im Pokal-Achtelfinale der Gunners beim Fünftligisten Sutton United (2:0) biss Ersatz-Torhüter Shaw in der 82. Minute herzhaft in einen Hamburger.

Die Szene, die sich vor der Auswechselbank der Gastgeber abspielte, ging um die Welt. „Das Sandwich war gefüllt mit Fleisch und Kartoffel. Ich habe mir die Sachen in der Halbzeit geholt, schließlich hatte ich den ganzen Tag noch nichts gegessen“, berichtete 150-kg-Koloss Shaw. Das könnte allerdings nur die halbe Wahrheit gewesen sein.

Hunger könnte Folgen haben

Am Dienstag kam heraus, dass ein Wettanbieter eine Quote von 8:1 angeboten hatte, wenn der „Roly Poly“-Goalie (kugelrunder Tormann) während der Partie etwas isst. Shaw stellte aber gleich klar: „Ich selbst habe nicht darauf gesetzt.“ Ein bitterer Nachgeschmack bleibt trotzdem, die Wett-Kommission untersucht den Fall bereits. Doch egal wie: Der „Pie Master“, der für eine Handvoll Pfund auch als Greenkeeper des Klubs fungiert und meist auf einer Couch in einem Vereinsraum übernachtet, war geboren.

Barbesuch in der Halbzeit

Mittlerweile gibt es den Twitter-Account „Big Wayne Shaw“. „Wenn ich zum Einsatz gekommen wäre, hätte es noch wunderbarer werden können. Aber auch so hatte ich meinen Spaß“, sagte Kult-Figur Shaw nach der Partie. Der Gert-Fröbe-Verschnitt lachte dabei lauthals – sein Gesicht war puterrot. Doch sicher nicht vor Scham, denn der einstige Eisverkäufer mit den Riesenpratzen liebt die ungewöhnlichen Aktionen. In der Halbzeit des Pokalspiels gegen die Millionen-Truppe von Arsenal ließ es sich Shaw nicht nehmen, im Klub-Lokal „The Times Square Lounge“ vorbeizuschauen. Als Beweis dienten Selfies, die Fans mit dem breit grinsenden Shaw gemacht hatten. Er selbst übrigens steht hinter der Theke gerne mal am Zapfhahn und nennt die Stätte im Bauch des Stadions „alte Lady“.

Ein Tausendsassa eben: Mehrere Stunden vor dem Anpfiff hatte er noch mit dem Staubsauger bewaffnet dafür gesorgt, dass die Ersatzbänke für den Pokal-Kracher zur krümelfreien Zone wurden. Stilgerecht in Badelatschen.

Mit Ex-Nationalspieler Alan Shearer hat der Keeper einst in der Jugend beim FC Southampton gespielt, den Sprung zum Profi schaffte er nie. „Während ich meinen Traum verfolgt habe, Premier League zu spielen, verfolgte Wayne seinen Traum, dem Burger-Wagen zu folgen“, berichtete Shearer.

Fanliebling Shaw

Sutton-Teammanager Paul Doswell kritisierte seinen Keeper nach der „Fress-Attacke“ allerdings. „Mit dieser Geschichte ist Wayne weltweit wohl ein Star geworden. Ich denke aber nicht, dass es das beste Licht auf uns geworfen hat“, meinte Doswell. Den Fans war das egal. Wie immer feierten sie Shaw mit der Hymne: „He‘s fat, he‘s round, he‘s worth a million pound.“

Am Ende des Tages ist Shaw dann zurückgetreten. Er hatte zugegeben, von der angebotenen Wette gewusst zu haben. „Wir waren der Meinung, dass wir etwas tun müssen. Unser Clubchef hat mit ihm gesprochen und Wayne hat dabei seinen Rücktritt angeboten“, sagte Suttons Manager Paul Doswelll. „Es ist das traurige Ende einer guten Geschichte.“

Das Sandwich war mit Fleisch und Kartoffeln gefüllt.

Wayne Shaw

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