Lahti als Wundertüte

Sport / 21.02.2017 • 22:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Lahti als Wundertüte

Der Schauplatz der Nordischen WM kann teilweise sehr unwirtlich werden.

Lahti. Wenn ab heute 700 Athleten aus 60 Ländern in Lahti bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft um die Medaillen laufen, springen oder beides kombinieren, dann geschieht dies an einem Schauplatz-Klassiker des nordischen Sports. Nicht nur, weil Lahti zum siebenten Mal WM-Austragungsort ist. Lahti ist die finnische „Sporthauptstadt“ und hat einen ähnlichen Stellenwert wie Oslo.

Wie auf einem Schiffsmast

Gerade rechtzeitig zum 100-Jahr-Jubiläum Finnlands kehren die Nordischen wieder zu Titelkämpfen an den Vesijärvi-See (übersetzt: „Wasser-See“) zurück. Finnland hatte sich am 6. Dezember 1917 nach der Oktober-Revolution Russlands für unabhängig erklärt. Davor war man als Großfürstentum Teil des russischen Zarenreichs gewesen.

Und einige Male in der Sport-Geschichte erinnerte der Schauplatz Lahti auch an das tiefste Sibirien. Nicht nur im Weltcup, in dem es immer wieder zu Verschiebungen der Skisprungbewerbe kam, sondern auch bei den bisher sechs Weltmeisterschaften. Etwa 2001, als die Temperaturen zwischen +7 und –25 Grad Celsius (!) variierten.

Da der damals vorgeschriebene Mindestwert von – 20 Grad unterschritten war, musste mit den 30 km der Frauen erstmals in der WM-Geschichte ein Langlauf-Bewerb wegen zu großer Kälte abgesagt werden. Auch der österreichische Langläufer Achim Walcher erlitt in der Staffel bei – 16 Grad und starkem Wind u. a. Frostbeulen an drei Fingern. Schwierig können die Bedingungen an den Salpausselkä-Schanzen werden. Die drei nebeneinander gebauten Schanzen zählen zu den Wahrzeichen der 120.000-Einwohner-Stadt. „Du stehst da oben wie auf einem 100 m hohen Schiffsmast, und der Wind bläst dir um die Ohren“, hatte der Olympiasieger und frühere ÖSV-Cheftrainer Toni Innauer die Bedingungen auf diesem Bakken einmal beschrieben.

Weltberühmte Sportler

Der bisherige Winter hat sich in Lahti hingegen als einer der mildesten und auch schnee-ärmsten der vergangenen Jahrzehnte präsentiert. 100.000 Kubikmeter Kunstschnee wurden erzeugt, auch wenn zuletzt Naturschnee dazukam. Glaubt man diversen Vorhersagen, so wird es an einigen Tagen aber sehr wohl wieder zweistellige Minusgrade geben. Die Fans wird das nicht abhalten, so ist der Samstag bereits ausverkauft. Bisher wurden rund 150.000 Tickets abgesetzt.

Lahti, das deutsche Wort dafür lautet Bucht, liegt im Süden des 338.000 km2 großen Landes. Berühmteste Sportsöhne der Stadt sind Janne Ahonen und Toni Nieminen aus dem Skispringerkreis, aber vor allem auch Fußball-Star Jari Litmanen. Er ist Rekordtorschütze des finnischen Nationalteams (137 Länderspiele), war in den Niederlanden viermal Meister mit Ajax Amsterdam und hat u. a. bei FC Barcelona und FC Liverpool gespielt.

Kombinierer Mario Seidl schaut ins Schanzenzentrum hinab. Foto: gepa
Kombinierer Mario Seidl schaut ins Schanzenzentrum hinab. Foto: gepa

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