Altach eiskalter Austria-Schreck

Sport / 26.02.2017 • 20:18 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Mit nunmehr neun Saisontreffern ist Nikola Dovedan aktuell der torgefährlichste Altach-Spieler. Fotos: gepa
Mit nunmehr neun Saisontreffern ist Nikola Dovedan aktuell der torgefährlichste Altach-Spieler. Fotos: gepa

Martin Scherbs erster Sieg als Bundesliga-trainer lässt den SCRA weiterträumen.

Wien. Den ersten Sieg unter Trainer Martin Scherb eingefahren, Platz zwei gefestigt und den Vorsprung auf die Austria auf fünf Punkte ausgebaut. Altach hat im Frühjahr nach dem Sensationsherbst das erste große Ausrufezeichen gesetzt. „Sie stehen verdient auf Platz 2“, musste auch Austria-Trainer Thorsten Fink nach dem Spiel neidlos anerkennen. Ließ man gegen die Admira und St. Pölten als spielstärkeres Team noch Federn, so drehte man diesmal den Spieß um. Der 3:1-Auswärtssieg war ein Sieg der Effizienz. Lediglich 32 Prozent Ballbesitz genügten – vor allem dank eines hocheffizienten Angriffduos Ngamaleu und Dovedan, das eiskalt zuschlug.

Ngamaleu, Dovedan eiskalt

Schon in Minute 4 erwischte man die Austria mit einem Konter am falschen Fuß. Schreiners Zuspiel verlängerte Dovedan in den Lauf von Ngamaleu. Rotpuller half mit, indem er beim Versuch, den Ball zu klären, ein Luftloch schlug und der Kameruner überhob Hadzikic. Der Austria-Goalie wiederum machte beim 2:0 für Altach eine unglückliche Figur. Ngamaleus Flachschuss ließ er Dovedan vor die Füße prallen. Der bedankte sich mit Saisontor acht (24.) und machte in der zweiten Halbzeit mit Saisontor neun (58.) den Deckel drauf. Von Mohammed im Strafraum gelegt, verwandelte er den fälligen Elfer sicher und schickte Hadzikic in die falsche Ecke. Das Tor der Austria per Holzhauser-Strafstoß (89.) – Altach-Verteidiger Galvao hatte Pires gelegt – war für die Veilchen nur noch Ergebniskosmetik.

Altach, der Austria-Schreck

Die Bilanz der Altacher gegen die Austria ist jetzt überragend – aus Sicht der Wiener hingegend verheerend. Fünf der letzten vier Partien gingen an die Vorarlberger. Gesamt­score der letzten zwei Spiele 8:2! Mit einem Sieg hätte die Austria Altach vom zweiten Platz verdrängt. Die Wiener mussten beim erstmaligen Einsatz der blutjungen Borkovic (17) und Mohammed (20) in der Innenverteidigung Lehrgeld bezahlen. So stehen bei den Rheindörflern (nach dem verpatzten Start wollte so mancher Außenstehende schon von einer Minikrise sprechen) weiterhin alle Zeichen auf Europacup. In der Tabelle nur drei Zähler hinter Salzburg bleibt die Scherb-Elf auch der einzige ernstzunehmende Red-Bull-Verfolger.

Nicht ganz so deutlich

Trainer Martin Scherb fiel bei seinem ersten Sieg als Bundesliga-Trainer sichtlich ein großer Stein vom Herzen: „Ich bin sehr erleichtert über diesen Erfolg und sehr zufrieden mit der Leistung der Mannschaft. Wir haben im Vorfeld intensiv gearbeitet und vieles, das wir uns vorgenommen haben, umgesetzt. Die Austria war über 90 Minuten ein sehr harter und schwieriger Gegner. Selbst nach dem 1:3 habe ich versucht weiterzucoachen, weil ich das Gefühl hatte, es könnte noch etwas passieren.“ Tatsächlich schien die Austria das Heft in der zweiten Hälfte schon an sich zu reißen. Doch genau in der stärksten Phase der Veilchen, versetzte Altach dem Gegner mit dem 0:3 den Todesstoß. Nicht nur Scherb hatte nach Abpfiff den Eindruck, dass das Spiel deutlich enger war als das Endergebnis. Austrias Alex Grünwald kritisierte sogar die Spielweise der Altacher als destruktiv. Man könnte freilich auch von sehr effizientem Umschalt­spiel sprechen. Zudem präsentierte sich die von Abwehrchef Philipp Netzer dirigierte Verteidigung wieder einmal als bombenfest, während bei den Favoritnern ein Fehler nach dem anderen passierte.

Winterkrone nun im Archiv

Für Scherb konnte man sich mit dem ersten Dreipunkter auch endlich von der Last der hohen Erwartungshaltung nach dem Sensationsherbst befreien: „Wir haben es geschafft, den Druck, dass wir Winterkönig waren und auf einem Europacup-Startplatz stehen, abzulegen. Der Winterkrone-Titel war zwar schön. Die Winterkrone ist aber wie ein Damokles-Schwert über uns geschwebt. Noch letzte Woche ist ein Winterkönig-Plakat in unserer Autobahnabfahrt gehangen. Mittlerweile ist es aber weg.“ Und vielleicht hängt ja an selber Stelle heuer noch ein neues Plakat.

Ngamaleu läuft schon seit drei Spielen so viel, es ist unfassbar. Und er macht jedes Spiel ein Tor.

Martin Scherb
Drei Spiele, drei Treffer: Nicolas Brice Moumi Ngamaleu (22) ist nicht nur Altachs Dauerläufer, sondern auch Torschütze vom Dienst.
Drei Spiele, drei Treffer: Nicolas Brice Moumi Ngamaleu (22) ist nicht nur Altachs Dauerläufer, sondern auch Torschütze vom Dienst.

Fußball

Die Zahlen zum Spiel

FK Austria Wien Cashpoint SCR Altach

17 Schüsse gesamt 8

 3 Schüsse auf das Tor 5

68 % Ballbesitz 32 %

 8 Ecken 0

21 Flanken aus dem Spiel 9

53 % Zweikampfquote 47 %

 1 Abseits 1

82 % Passquote 68 %

11 Fouls 20

Stimmen

Ich denke, es war ein verdienter Sieg, weil wir speziell in der ersten Hälfte sehr effektiv waren. Die Austria war uns spielerisch sicher überlegen. Wir haben aber die Tore gemacht und das ist, was am Ende zählt. Unser Matchplan ist voll aufgegangen. Dieses Ergebnis war aber nicht zu erwarten.

Philipp Netzer

Kapitän Cashpoint SCR Altach

Ich glaube, wir haben zurecht gewonnen, weil die Austria nicht wirklich großartige Chancen hatte. Unsere Konter hätten wir vielleicht noch etwas besser fertigspielen können. Bei meinem Abstauber zum 2:0 habe ich spekuliert, dass der Tormann den Ball nicht richtig fängt.

Nikola Dovedan

Spieler Cashpoint SCR Altach

Altach hatte zwei Aktionen und schon stand es 2:0. Wir haben die entscheidenden Zweikämpfe verloren, das hatten sie uns voraus. Wir wollten vor das Tor kommen, aber gegen so eine destruktive Mannschaft ist es schwer. Ich glaube, wir waren trotz der Niederlage die bessere Mannschaft.

Alexander Grünwald

Kapitän FK Austria Wien

Das Match war sehr eng, obwohl es im Endergebnis klarer ausgesehen hat. Endlich ist uns ein Sieg gelungen. Mein erster Sieg in der Bundesliga.

Martin Scherb

Trainer Cashpoint SCR Altach

Man hat gesehen, dass Altach zurecht auf Platz 2 steht und den Abstand zu uns vergrößert hat. Sie haben überragende Leute in der Offensive und die reifere Leistung gezeigt. Bei uns war es aber heute die jüngste Mannschaft, die wir je auf das Feld geschickt haben.

Thorsten Fink

Trainer FK Austria Wien

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