„Mit Reformen tut man sich schwer“

Sport / 02.03.2017 • 21:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Der wiedergewählte ÖOC-Präsident Karl Stoss möchte die Ziele im Sport hinterfragen.

Wien. Stoss ist als Präsident des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC) in eine dritte Amtszeit gewählt worden. Im Interview mit der Austria Presse Agentur sprach der gebürtige Dornbirner über die kommenden Herausforderungen, die Spitzensportförderung und eine Olympiabewerbung von Innsbruck.

Welchen Herausforderungen sieht sich das ÖOC in den kommenden Monaten gegenüber?

Stoss: Wir müssen in den kommenden 15 Monaten drei Großereignisse beschicken: die Europäischen Jugendspiele im Juli in Györ, die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang 2018 und schließlich die Youth Olympic Games in Buenos Aires im Oktober 2018. Das sind mit Ausnahme von Györ alles sehr weite Reiseziele, da müssen wir Sponsoren suchen. Die Beschickung von Pyeongchang kostet 3 bis 3,5 Millionen Euro. Aus dem Budget haben wir zwei, den Rest müssen wir mit privaten Sponsoren abdecken. Und wir müssen das Österreich-Haus organisieren und auch hier Sponsoren suchen.

Ist zu wenig Geld für die Spitzensportförderung vorhanden?

Stoss: Wenn ich mir unsere Nachbarländer anschaue: Österreich hat nicht zu wenige Mittel. Die Frage ist, ob das Geld landet, wo es landen sollte. Geht da nicht durch eine hypertrophe Struktur schon ein Teil drauf? Wir haben halt eine Mehrgliedrigkeit im heimischen Sport, man tut sich schwer, Reformen anzugehen. Das gilt aber für die gesamte Gesellschaft. Es wäre besser, bei der Stunde null zu beginnen, sich zu fragen, was wir für Ziele im Sport haben. Auch beim Plan A (von Bundeskanzler Christian Kern) hat man gesehen – und ich unterstelle da keine Böswilligkeit –, kommt das Wort Sport gar nicht vor. Das sieht man ja auch immer bei der Ressortverteilung. Aber das kann es eigentlich nicht sein.

Die Sommerspiele von Rio sind erneut höchst bescheiden ausgefallen. ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel hat danach angesichts „vieler Top-Ten-Platzierungen“ gemeint: „Das macht mich für die Zukunft hoffnungsvoll.“ Dagegen heißt es im vom Olympiazentrum Wien erstellten „Kurzbericht zur Leistungsbilanz Österreichs“, die Ergebnisse der Spiele in London und Rio ließen „einen beginnenden Abwärtstrend befürchten“. Ein Widerspruch?

Stoss: Das würde ich nicht 1:1 unterschreiben. Wir werden medial zwar verantwortlich gemacht, aber das Problem ist, dass das ÖOC nicht die Verantwortlichkeit für den österreichischen Spitzensport hat. Wir bekommen die Sportlerinnen und Sportler vor Olympia und geben sie danach zurück. Und das ist der Unterschied zu Deutschland, Dänemark, der Schweiz, Neuseeland, um nur vier durchaus erfolgreiche Länder zu nennen. Die haben die volle Verantwortlichkeit über die gesamte Periode. Umso mehr kämpfe ich, damit sich da etwas ändert, um das herbeizuführen.

Inwiefern entspricht ein Winterolympia-Kandidat Innsbruck den erarbeiteten Empfehlungen der IOC-Arbeitsgruppe?

Stoss: Es geht um das ganze Bundesland Tirol. Weil entsprechende Sportstätten schon vorhanden sind. Nehmen Sie Hochfilzen, nehmen Sie St. Anton. Die müssen meiner Meinung nach beide dabei sein. Wahrscheinlich haben wir aber zu wenig Hallen. Die zu bauen macht keinen Sinn. Das ÖOC will keine Belastung des Steuerzahlers. Dann muss man zum Beispiel mit Inzell bezüglich der Eisschnelllauf- und mit Salzburg wegen der Eishockey-Bewerbe etc. reden. Auch wenn die bisher vorgeschriebenen 10.000 Plätze nicht vorhanden sind, dann sagt man jetzt eben: Ich biete keine 10.000, kommt nicht in Frage.