Nicht nur Meter, Sekunden und Medaillen im Mittelpunkt

Sport / 13.03.2017 • 21:52 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Heute beginnen die elften Special Olympics Weltwinterspiele in der Steiermark.

Schwarzach. 24 Jahre nach der Premiere 1993 werden von heute bis zum 25. März in Graz, Schladming-Rohrmoos und Ramsau die elften Special Olympics Weltwinterspiele der Geschichte und zweiten in Österreich ausgetragen. Unter dem Motto „Herzschlag für die Welt“ werden sich rund 2700 Athletinnen und Athleten aus 107 Nationen im sportlichen Wettstreit im Kampf um Meter und Sekunden messen. Mindestens gleich viel Bedeutung hat aber bei diesem Treffen der Grundgedanke, Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung in alle Bereiche in der Gesellschaft zu integrieren.

100.000 Events in 170 Ländern

Der Einsatz für Menschen mit mentaler Behinderung ist seit 55 Jahren das Anliegen der Special Olympics. Jährlich werden von der Special-Olympics-Bewegung in 170 Ländern über 100.000 Veranstaltungen, deren Anfänge auf eine Initiative des Kennedy-Clans im Jahr 1962 zurückgehen durchgeführt. Eunice Kennedy Shriver, die Schwester von US-Präsident John F. Kennedy und der intellektuell beeinträchtigten Rosemary, veranstaltete im Jahr 1962 erstmals Sommercamps (Camp Shriver). Körperliche Aktivitäten sollen diesen Menschen helfen, sich neue Fähigkeiten anzueignen, den Alltag besser zu bewältigen, Ängste und Stress abzubauen, das Ich-Bewusstsein und Selbstvertrauen zu verbessern, den Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen fördern und so die Integration in die Gesellschaft unterstützen.

Von 1000 auf 7000 Aktive

Bei den ersten Special Olympics Weltsommerspielen 1968 in Chicago nahmen rund 1000 Sportler aus den USA und Kanada teil, vier Jahre später waren es schon doppelt so viele, und bei den letzten Sommerspielen 2015 in Los Angeles waren 7000 Aktive im Einsatz.

Ähnlich die Entwicklung im Winter, wo es bei der Premiere 1977 in Steamboat Springs 500 Sportler waren. 1993 in Schladming nahmen bereits 1600 teil, und vor vier Jahren in Pyeongchang wurde erstmals die 3000er-Marke übertroffen.

Schwarzenegger Schirmherr

Die zunächst skeptisch aufgefasste Idee der Spiele fand rasch Anklang, seit 1988 sind die Special Olympics auch vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) offiziell anerkannt. Mittlerweile nehmen weltweit rund 4,2 Millionen Athleten in 170 Ländern an Wettkämpfen der Organisation teil. Präsident der Special Olympics ist Tim Shriver, Sohn der Gründerin. Einer der bekanntesten und tatkräftigsten Unterstützer ist Hollywood-Legende Arnold Schwarzenegger, ehemaliger Mann an der Seite von Shrivers Schwester Maria. Der ehemalige Gouverneur von Kalifornien ist auch Ehrenpräsident der Special Olympics Österreich und hat die Schirmherrschaft für die Weltwinterspiele in seiner Heimat übernommen.

Weitere Botschafter in spezieller Mission sind Marcel Hirscher, Felix Gottwald, Renate Götschl, Franz Klammer, Trixi Schuba, Benni und Marlies Raich oder Anna Veith, um nur einige zu nennen. Dank ihrer Unterstützung ist es gelungen, öffentliche Stellen und die Politik für das Thema zu sensibilisieren.

20.000 Aktive in Österreich

Die elften Weltwinterspiele der Geschichte in der Steiermark sind die zweiten World Winter Games (Anm.: offizielle Bezeichnung) in Österreich nach 1993 in Salzburg und Schladming. Unmittelbar davor wurde der Verein Special Olympics Österreich gegründet. Der Verein betreut aktuell rund 20.000 Sportler über Behindertenorganisationen, Schulen, Familien und Sportvereine. In 30 Sportarten von Boccia bis Ski alpin werden das ganze Jahr über Trainings und Wettkämpfe angeboten. Zur Teilnahme an nationalen Wettkämpfen müssen Aktive mindestens acht Jahre alt sein und ein amtliches oder ärztliches Attest vorweisen, das eine mentale Behinderung oder kognitive Entwicklungsstörung bestätigt.

Kröll war der Impulsgeber

Präsident des Vereins ist der Bürgermeister von Schladming, Jürgen Winter, der das Amt von dem im Vorjahr verstorbenen Hermann Kröll übernommen hat. Der 77-jährige ehemalige und langjährige Bürgermeister war dem SOÖ-Verein seit der Gründung vor 23 Jahren vorgestanden. Dem Einsatz von Kröll ist es auch zu verdanken, dass die Weltwinterspiele erneut auf rot-weiß-rotem Boden stattfinden. Der Verein ist nicht gewinnorientiert und auf Förderungen und Spenden angewiesen.

Der Nenzinger Thomas Praxmarer ist Vorarlbergs Dauerbrenner bei Special Olympics. 1999, 2003 und 2011 war er bei Sommer- sowie 2001, 2005, 2009 und 2013 bei Winterspielen dabei und bejubelte bislang sieben Silberne und zwei Bronzene.  Fotos: VN/Lerch, Gepa, Verband
Der Nenzinger Thomas Praxmarer ist Vorarlbergs Dauerbrenner bei Special Olympics. 1999, 2003 und 2011 war er bei Sommer- sowie 2001, 2005, 2009 und 2013 bei Winterspielen dabei und bejubelte bislang sieben Silberne und zwei Bronzene. Fotos: VN/Lerch, Gepa, Verband