Die inspirierende Botschafterin der Weltwinterspiele

Sport / 15.03.2017 • 18:05 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Johanna Pramstaller ist bei den Weltwinterspielen 2017 in der Steiermark als „Sargent Shriver International Global Messenger“ im Einsatz.  Foto: schwald
Johanna Pramstaller ist bei den Weltwinterspielen 2017 in der Steiermark als „Sargent Shriver International Global Messenger“ im Einsatz. Foto: schwald

Johanna Pramstaller ist Österreichs Abgesandte der Special-Olympics-Bewegung.

Vandans. Schon in jungen Jahren begeisterte sich Johanna Pramstaller für verschiedene Sportarten. Darin fand sie früh ihre Erfüllung, weil sie nicht nur mit einem enormen Ehrgeiz ausgestattet war, sondern auch mit einer gehörigen Portion Fleiß, den sie in regelmäßigen Trainingseinheiten unter Beweis stellte.

Schnell stellten sich auch Erfolge ein, und nach zahlreichen Spitzenplätzen bei heimischen und nationalen Konkurrenzen betrat sie 2006 erstmals die internationale Bühne: Bei den Jugendspielen für Menschen mit inte­lektueller Beeinträchtigung gewann sie in Rom über 100 Meter Gold und im Weitsprung Silber. „Es war ein wunderschönes Erlebnis“, erinnert sie sich noch heute begeistert an diese erste Auslandsreise.

Medaillen als Ansporn

Mit diesen Medaillen im Gepäck kehrte die in Vandans beheimatete Sportlerin noch motivierter nach Hause zurück und fortan gab es in ihrer Karriere alljährlich weitere Höhepunkte. Schon 2007 saß sie erstmals in einem Flugzeug, als die Reise zu den Weltsommerspielen nach Schanghai ging, wo sie im Weitsprung nur um fünf Zentimeter die Bronzemedaille verpasste. 2009 gewann sie bei den Weltwinterspielen in Idaho drei Medaillen (Silber im Slalom und jeweils Bronze im RTL und Super-G), ehe sie 2010 auch noch den Golfsport entdeckte und bei den nationalen Sommerspielen in St. Pölten auf Anhieb beim Unified-Wettkampf über neun Löcher die Goldmedaille holte.

Aber die heute 30-jährige Pramstaller hatte nicht nur den eigenen Erfolg im Fokus, sondern wollte sich verstärkt um ihre SportkollegInnen kümmern. So wurde sie 2011 zur Athletensprecherin des Vorarlberger Sub-Fachverbandes gewählt. Sie widmete sich dieser neuen Aufgabe mit großer Hingabe und besuchte mehrere Lehrgänge, unter anderem einen in Krakau. Dort fasste sie einen zukunftsweisenden Entschluss: „Ich wollte über Vorarlberg hinaus österreichweit aktiv werden und mich für die Interessen der Sportler einsetzen.“

2014 gelang schließlich die Realisierung dieses hochgesteckten Ziels und sie konnte als Sprecherin aller österreichischen Athleten viel dazu beitragen, dass es bessere Rahmenbedingungen gab. Sie fasste Mut und meldete sich – unterstützt vom damaligen österreichischen Special Olympics Präsidenten Hermann Kröll – zur Wahl eines Global Messengers an. „Ende des Jahres erhielt ich einen Anruf aus den USA, bei dem mir mitgeteilt wurde, dass ich gewählt worden war“, erzählt sie von diesem Erlebnis, das ihr Leben fortan stark verändern sollte. Die damals 29-Jährige war nun tatsächlich ab 2015 für eine Periode von vier Jahren eine von weltweit insgesamt zwölf Global Messengers.

Ambitionen verlagert

Angesichts dieser neuen aufwendigen Tätigkeit im Dienste der Special Olympics musste Pramstaller ihre eigenen sportlichen Ambitionen zu ihrem Bedauern etwas hintanstellen. Sie widmete sich der neuen Aufgabe aber mit der gleichen Hingabe, mit der sie schon als Sportlerin zu Erfolgen gekommen war. Nun hieß es, zusammen mit ihrer auch für Eurasien zuständigen niederländischen Kollegin neue Ideen zu entwickeln, auf Wünsche von Sportlern zu hören, sich für mehr Mitsprache einzusetzen. Das erforderte nicht nur eine große Sensibilität im Umgang mit anderen, sondern stellte sie auch vor völlig neue Herausforderungen. Sie war regelmäßig bei Empfängen dabei, musste offizielle Reden halten, stand in Interviews Rede und Antwort – und das auch immer öfter in Englisch.

Diese Aufgaben wurden noch intensiver, als Pramstaller, in den Jahren 2007, 2009, 2011 und 2013 als Aktive bei Weltspielen dabei, in die unmittelbaren Vorbereitungen auf die an Schladming vergebenen Weltwinterspiele 2017 eingebunden wurde. So gern sie in der Steiermark selbst an den Start gegangen wäre, sie musste diese Pläne frühzeitig ad acta legen. „Ein Antreten von mir hätte andere den Startplatz gekostet“, meint sie uneigennützig.

Pramstaller ist bei dieser Veranstaltung vor allem als Repräsentantin ihres Sports im Einsatz. Sie wird an Sitzungen teilnehmen, muss Termine wahrnehmen mit Sponsoren, vor allem für den Special-Olympics-Partner Coca Cola, für den sie schon im Vorfeld unter anderem in einem Werbespot im Einsatz war. Dazu kommen erneut mehrere Reden, eine bei der Eröffnungsfeier, eine anlässlich einer Feier zu Ehren der Gründerin der Special Olympics, Eunice Kennedy-Shriver. Mit deren Sohn Timothy P. Shriver, dem aktuellen Präsidenten, verbindet sie schon eine lange Freundschaft.

Dass ihr großer Förderer, der Ende 2016 verstorbene Hermann Kröll, die Spiele nicht mehr miterleben darf, ist für Pramstaller besonders bitter. „Ich möchte einiges machen, dass man sich in Schladming an ihn erinnern wird“, ist sie auch in dieser Angelegenheit äußerst engagiert. Auf die Abschlussfeier freut sie sich ebenfalls schon sehr, werden dabei doch Erinnerungen wach an 2015, als sie anlässlich der Weltsommerspiele in Los Angeles erstmals als Global Messenger vor Tausenden Menschen sprechen durfte.

Wenn ihre Funktionsperiode 2019 ausläuft, will sie wieder aktiv in den Wettkampfsport eingreifen. „Die Teilnahme an den Weltwinterspielen 2021 ist schon jetzt mein ganz großes Ziel. Da will ich wieder durchstarten“, zeigt sich die Vandanserin voller Tatendrang.

Ich versuche, mit derselben Intensität wie im Sport meine Aufgabe als Botschafterin zu erfüllen.

Johanna Pramstaller

Zur Person

Johanna Pramstaller

Die 30-jährige Vandanserin ist seit 2015 und bis 2019 eine von zwölf Global Messenger (Botschafter) von Special Olympics International.

Geboren: 15. Juni 1986

Wohnort: Vandans

Beruf: Pflegehelferin im Haus St. Fidelis ind St. Gallenkirch

Sportliche Erfolge: 2006: SO-Weltjugendspiele in Rom (Gold 100-m-Lauf, Silber Weitsprung); 2007: SO-Weltsommerspiele in Shanghai (4. Weitsprung, 5. 100 m); 2008: SO-Pre-Weltwinterspiele in Boise, Idaho (Gold RTL und Super-G); 2009: SO-Weltwinterspiele in Boise, Idaho (Silber Slalom, Bronze RTL und Super-G); 2011: SO-Weltsommerspiele in Athen (Silber im Golf-Unified mit Edwine Schittl); 2013: SO-Weltsommerspiele in Pyeongchang (Silber Floorball)

Funktionsärlaufbahn: seit 2011 Athletensprecherin Ikades Vorarlberg; seit 2014 Athletensprecherin Special Olympics Österreich; seit 2015 bis 2019: Global Messenger