Berg-und-Tal-Fahrt endet in Ried mit herber Enttäuschung

19.03.2017 • 19:39 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Altachs Valentino Müller (im Bild links gegen Orhan Ademi), erst im Jänner 18 Jahre alt geworden, feierte in Ried sein Startelf-Debüt. Fotos: APA/2, GEPA/2
Altachs Valentino Müller (im Bild links gegen Orhan Ademi), erst im Jänner 18 Jahre alt geworden, feierte in Ried sein Startelf-Debüt. Fotos: APA/2, GEPA/2

Altach-Sportchef Georg Zellhofer fordert nach 0:2 in Ried mehr Kontinuität.

Ried. Unverständnis bei Spielern und Verantwortlichen auf der einen, Jubel über den ersten Sieg unter Trainer Lassaad Chabbi auf der anderen Seite. Das Spiel in Ried fügte sich nahtlos in die Berg-und- Tal-Fahrt des Cashpoint SCR Altach seit dem Frühjahrsstart ein. Bedingt auch durch Ausfälle von vier Leistungsträgern fehlt es an Konstanz. Beim 0:2 in Ried aber bekrittelte der Trainer die Lethargie und Passivität seiner Mannschaft „vor allem vor der Pause“. Just vor dem anvisierten Doppeltausch und der Hand in Hand gehenden taktischen Veränderung kassierte man den zweiten Gegentreffer. Ausgangspunkt war, bezeichnenderweise für den nasskalten Abend im Innviertel, erneut ein Eigenfehler. „Wenn wir glauben, dass wir alles fußballerisch lösen können, haben wir schon verloren. Wir müssen uns über den Kampf, die Einstellung und die Leidenschaft definieren. Diese Attribute haben mir in der ersten Halbzeit gefehlt“, sagte Trainer Martin Scherb.

Spieler sehr selbstkritisch

Georg Zellhofer ging sogar einen Schritt weiter, nachdem sich der Blick des Geschäftsführers Sport mit Fortdauer der Partie mehr und mehr verfinstert hatte. Nicht zum ersten Mal im Frühjahr störte er sich am Auftritt der Mannschaft. „So aufzutreten, gegen den Letzten und davor im Heimspiel gegen St. Pölten gegen den Vorletzten, das tut weh. Ich bin wirklich enttäuscht. Wenn du im Match gefühlt acht von zehn Zweikämpfen verlierst, dann läuft es in die falsche Richtung.“ Der 56-Jährige wollte dabei gar nicht ergebnisorientiert denken, vielmehr war es in Ried erneut die Körpersprache, die ihn ärgerte: „Jeder muss sich jetzt selbst bei der Nase nehmen.“

Mehr Konstanz lautet seine Forderung. „Das muss unser Bestreben sein. Niemand im Klub fordert Platz zwei. Wir wissen, was die Spieler zu leisten imstande sind. Die Kunst im Fußball ist es, die Leistungen Woche für Woche zu bestätigen.“ Nicht zu tolerieren sei aber, wenn, wie in Ried, in den Zweikämpfen die Aggressivität fehle. Zumal die Mannschaft, von der Zellhofer eine hohe Meinung hat, genau diese Eigenschaft im Verlauf der Meisterschaft nicht nur einmal unter Beweis gestellt habe. „Wir sind zurecht Winterkönig geworden“, lässt er keine Zweifel aufkommen, aber: „Von all dem aber können wir uns nun nichts mehr kaufen. Jetzt sind wir gefordert, auch einmal einen dreckigen Sieg einzufahren.“

Gestützt werden seine Worte von Kapitän Philipp Netzer (31), der in einer ersten Reaktion nach dem Spiel ein kollektives Versagen ortete. „Wir waren einfach zu nachlässig. Ried wollte mehr, das hat man in jeder Aktion gesehen. So etwas darf uns nicht passieren.“ Vielleicht, so mutmaßte er, komme deshalb die Länderspielpause gerade zum richtigen Zeitpunkt. Auch Verteidiger Jan Zwischenbrugger (26) versuchte sich erst gar nicht in Ausflüchten. „Es war von hinten bis vorne eine schlechte Leistung von uns. Das müssen wir analysieren und abhaken.“

Nicht zufriedenstellend

Ried war für Altach im Frühjahr das vierte Auswärtsspiel. Das machte es für die Heimmacht nicht leichter, auch die Verletzungen spielen eine Rolle. Spieler wie Ngwat-Mahop, Prokopic, Lienhart oder Galvão sind für ein Team wie Altach über einen längeren Zeitraum nicht zu ersetzen. Zudem müsse auch bedacht werden, dass etwa Zwischenbrugger und Aigner ein halbes Jahr an Spielpraxis fehle. Dennoch ist für Zellhofer rein sportlich die Ausbeute von sieben Zählern „nicht zufriedenstellend“.

Verständlich, denn Ried war zwar im Spiel die bessere und aggressivere Mannschaft, wirklich glänzen mussten die Innviertler deshalb nicht. Umso mehr glänzten nach dem Schlusspfiff die Gesichter des Trainerduos Chabbi/Dieter Alge, wenngleich Ersterer seinen ersten Sieg in der Bundesliga nicht überbewertet wissen wollte. „Die Euphorie ist deswegen nicht groß. Wir wissen schon, dass Altach wichtige Spieler gefehlt haben. Wir müssen am Boden bleiben. Wir haben ein Spiel gewonnen, mehr nicht. Und wir sind noch immer Tabellenschlusslicht.“

Rein tabellarisch hat die Niederlage keine Auswirkungen. Salzburg marschiert Richtung Titel und Altachs Verfolger Austria und Sturm verloren. Allerdings wurde eine Chance verpasst. Weil man Ried zu viel Raum im Mittelfeld gönnte, so keinen Zugriff auf den Gegner bekam und im eigenen Spielaufbau einfach zu viele Fehler fabrizierte. Zu guter Letzt wurde auch ein klarer Elfer, Schupfer von Ademi gegen Netzer, nicht gepfiffen (72.).

Jeder muss sich jetzt selbst bei der Nase nehmen.

Georg Zellhofer

Fußball

Die Zahlen zum Spiel

SV Ried Cashpoint SCR Altach

11 Schüsse gesamt 8

 3 Schüsse auf das Tor 1

45 % Ballbesitz 55 %

 2 Ecken 3

10 Flanken aus dem Spiel 9

49 % Zweikampfquote 51 %

 1 Abseits 1

73 % Passquote 76 %

12 Fouls 18