Hirscher stellte alles in den Schatten

19.03.2017 • 21:51 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Österreichs Skiherren zeigten im Weltcup Muskeln. Der sechsfache Weltcup-Gesamtsieger Marcel Hirscher (vorne), der beim Finale in Aspen den Riesentorlauf gewann, führte das ÖSV-Team zum 25. Nationencup.  Foto: apa
Österreichs Skiherren zeigten im Weltcup Muskeln. Der sechsfache Weltcup-Gesamtsieger Marcel Hirscher (vorne), der beim Finale in Aspen den Riesentorlauf gewann, führte das ÖSV-Team zum 25. Nationencup. Foto: apa

Österreichs Skiherren präsentieren sich besser, die Damen schwächelten.

aspen. Österreichs Ski-Herren sind erfolgreicher durch den Weltcupwinter gekommen als zuletzt. Der Abstand in der Nationenwertung zu den Verfolgern Frankreich und Norwegen wurde deutlich vergrößert, elf Siege, 13 zweite und vier dritte Plätze stehen zu Buche, in der Vorsaison waren es bei acht Einzelrennen mehr 8/13/8. Überragender Athlet war Marcel Hirscher.

Die Richtung stimmt

Über die „größere Kluft“ zu den Mitbewerbern freute sich Herren-Rennsportleiter Andreas Puelacher. „Das Gesamtbild zeigt, dass wir uns in eine gute Richtung entwickeln“, sagte der Tiroler im Gespräch mit der Austria Presse Agentur. Generell wünscht er sich aber mehr Konstanz, sowohl was jene in den Läufen betrifft – nur starke Teilzeiten in den Speedrennen seien zu wenig – als auch bei den Technikern jene über den gesamten Winter. Die Herren-Wertung im Nationencup wurde zum 25. Mal in Folge gewonnen.

In der Abfahrt steuerten Routinier Hannes Reichelt und als Premierensieger Max Franz, der auch bei der WM Bronze eroberte, erste Plätze bei, im Super-G schlugen Matthias Mayer und Reichelt zu. „Die Mannschaft fährt schnell Ski, aber wir sind zu unkonstant, zu fehleranfällig, das ist ein Kritikpunkt, das müssen wir in den Griff bekommen“, weiß Puelacher, wo es anzusetzen gilt.

In den technischen Bewerben überragte der nunmehr sechsfache Gesamtweltcupsieger Hirscher als Gewinner der Riesentorlauf- und Slalomkugel alles, mit Michael Matt gibt es im Torlauf aber auch ein neues Siegergesicht. Bei der WM jubelten jeweils hinter Hirscher im Riesentorlauf Roland Leitinger und im Slalom Manuel Feller über die Silbermedaillen.

„Im Riesentorlauf hat sich Leitinger entwickelt. Bei Feller ist es ein Auf und Ab, schön langsam stabilisiert er sich. Der Abstand zu den Franzosen hat sich verringert, wir gehören zu den Top­nationen“, sagte Puelacher. Im Slalom sei es das gleiche Spiel, da liegt das ÖSV-Team im Nationencup nach Disziplin wie in den zwei Speedbewerben aber an erster Stelle. „Noch etwas mehr Konstanz in die Mannschaft zu bekommen, ist das Ziel. Dann bin ich überzeugt, sind wir überall voll dabei.“ Der Herren-Chef kann sich vorstellen, dass wieder mehr Athleten aus dem Speedbereich in den Riesentorlauf zurückkehren, er denkt im eigenen Lager an Mayer, Vincent Kriechmayr und Hannes Reichelt, so es dessen Rücken zulässt.

Ziele revidiert

Gemessen an Podiumsplätzen haben die ÖSV-Skidamen den schwächsten Weltcupwinter seit mehr als zwanzig Jahren absolviert. Nur sieben Mal fand sich eine Österreicherin auf dem Stockerl wieder, ein Sieg, zwei zweite und vier dritte Plätze stehen in der Bilanz. Die verletzungsbedingten Ausfälle von Leistungsträgerinnen konnten nicht kompensiert werden.

Der Reihe nach fielen die regierende Riesentorlauf-Disziplinsiegerin Eva-Maria Brem (doppelter Unterschenkelbruch im linken Bein), Slalom-Ass Carmen Thalmann (Riss des Kreuzbandes im linken Knie) und Speed-Spezialistin Cornelia Hütter (Riss des Kreuzbandes sowie Riss des Innen- und Außenmeniskus im rechten Knie) aus. Anna Veith gab erst Ende Dezember ihr Comeback, musste die Saison aber im Februar beenden und sich einer weiteren Knie-Operation (Patellarsehne) unterziehen.

„Unterm Strich zählen die Stockerlplätze und Siege und da waren wir natürlich nicht so gut aufgestellt“, sagte Rennsportleiter Jürgen Kriechbaum. „Die Ziele waren natürlich wesentlich höher gesteckt, aber die haben sich mit den Verletzungen sehr stark geändert. Man musste sie revidieren.“

Bei Zielsetzungen gehe es zum einen um die Entwicklung der Mannschaft, zum anderen, und das sei nach außen hin der wichtigste Teil, um die Topplatzierungen. „Es ist schon gut, wenn man Läuferinnen hat, die ganz vorne sind, dann kann man so manche Schwächen der Mannschaft kompensieren.“

Viel Entwicklungspotenzial

Die Entwicklung der Mannschaft sah er im Speedbereich gut, Läuferinnen wie Christine Scheyer (Weltcupsieg in der Abfahrt von Zauchensee), Nicole Schmidhofer (Super-G-WM-Gold) und Stephanie Venier (Abfahrts-WM-Silber) und ein paar andere hätten aufgezeigt, da sehe er noch viel Entwicklungspotenzial. Im Riesentorlauf merkte Kriechbaum positiv an, dass Stephanie Brunner das
Fehlen von Brem und Veith „ein bisserl kompensieren konnte“, auch wenn der große Erfolg noch ausgeblieben sei.

Im Slalom verzeichnete Kombi-WM-Bronzemedaillengewinnerin Michaela Kirchgasser viele Ausfälle, Bernadette Schild schaffte jedoch den Sprung in die Topgruppe und Katharina Truppe unter die besten 15. Neben den Teilerfolgen fiel auf, dass im Slalom insgesamt elf Damen gepunktet haben, womit viel Potenzial da sei.

In der Kombination sei man mit einigen Läuferinnen im Mittelfeld drinnen. Die Damen-Nationencupwertung ging aber erstmals nach 18 Erfolgen en suite verloren, in keiner Disziplin wurde man Erste.

Die Ziele haben sich mit den Verletzungen stark geändert.

Jürgen Kriechbaum
Der einzige Weltcup-Saisonsieg bei den Damen ging auf das Konto der Götznerin Christine Scheyer. Foto: apa
Der einzige Weltcup-Saisonsieg bei den Damen ging auf das Konto der Götznerin Christine Scheyer. Foto: apa

Ski alpin

So lief es im Gesamtweltcup der Herren seit 2012

2012: 1. Marcel Hirscher (AUT) 1355, 2. Beat Feuz (SUI) 1330 Differenz: 25

2013: 1. Marcel Hirscher (AUT) 1535, 2. Aksel Lund Svindal (NOR) 1226 Differenz: 309

2014: 1. Marcel Hirscher (AUT) 1222, 2. Aksel Lund Svindal (NOR) 1091 Differenz: 131

2015: 1. Marcel Hirscher (AUT) 1448, 2. Kjetil Jansrud (NOR) 1288 Differenz: 160

2016: 1. Marcel Hirscher (AUT) 1795, 2. Henrik Kristoffersen (NOR) 1298 Differenz: 497

2017: 1. Marcel Hirscher (AUT) 1599, 2. Kjetil Jansrud (NOR) 924 Differenz: 675