„Die Marschrichtung stimmt“

Sport / 20.03.2017 • 22:09 Uhr / 6 Minuten Lesezeit

Ski-Verbandspräsident Patrick Ortlieb ist mit dem Vorarlberger Weltcupteam zufrieden.

Schwarzach. 607 Weltcupzähler sammelten Christine Scheyer, Christian Hirschbühl und Co. für Vorarlberg. In der Weltcupsaison 2014/15 stand noch eine Null – nicht zuletzt darum ist VSV-Präsident Patrick Ortlieb mit dem Erreichten glücklich. „Ich bin insoferne zufrieden, als wir mit meiner Vorgabe nahezu im Plan sind. Ich wollte zehn Fahrer im Weltcup haben, neun sind es geworden, sieben haben gepunktet. Die Marschrichtung stimmt nach wie vor. Und ich halte an der Vorgabe fest, dass wir nächstes Jahr bei den Olympischen Winterspielen eine Medaille holen. Das war meine Ansage, als ich das Präsidentenamt übernommen habe, daran messe ich mich.“

Ein vorbildlicher Weg

Im Weltcup erwartet sich Ortlieb das nächste Mal eine vierstellige Punktezahl. In dieser Saison lieferte Christine Scheyer mit ihrem Sieg in der Abfahrt von Zauchensee das Topergebnis. Die 22-jährige Götznerin fuhr sozusagen von null auf hundert – und konnte daneben weitere zwölf Mal in die Punkteränge brausen. Mit 343 Zählern ist sie die viertbeste ÖSV-Läuferin im Weltcup. „Der Sieg hat zum einen überrascht, zum anderen sind die Platzierungen absolut ihr Leistungsniveau“, glaubt Ortlieb. „Was die Christl erreicht hat, sollte ein großer Ansporn für die anderen sein.“

Elisabeth Kappaurer legte einen starken Start ins Jahr 2017 hin. Die Bezauerin fuhr in allen vier Weltcuprennen (zweimal Kombination, je einmal Slalom und Riesentorlauf) zu Punkten, nachdem sie es vorher in zehn Versuchen nie in einen zweiten Lauf geschafft hatte. Den Europacup schloss Kappaurer mit einem Riesentorlauf-Sieg in Innichen und einem fixen Weltcupticket ab, konnte sich auch mit den schnellen Disziplinen anfreunden. „Sie hat eine gewisse Stabilität und Reife bekommen, ihre Startnummer genützt“, findet Ortlieb. „Das sollte ein gutes ,Doping‘ für ihr weiteres Training und den Sommer sein.“ Katharina Liensberger konnte im Weltcup zweimal Slalompunkte verbuchen. Die Göfnerin beeindruckte aber vor allem im Europacup mit Konstanz. In 19 Rennen gab es zwölf Top-Ten-Plätze, in Innichen stand sie als Zweite neben Kappaurer erstmals auf dem Stockerl. Und bei der Junioren-WM in Aare verbuchte sie an einem Tag Silber im Riesentorlauf und im Teambewerb. „Sie hat die Saison geschickt angelegt, schade, dass es nicht für einen Fixplatz im Weltcup gereicht hat. Aber Katharina geht konsequent und vorbildlich ihren Weg.“

Bei den Herren gelang Frederic Berthold mit Platz drei in der Wengen-Kombination der einzige Weltcup-Podestplatz bei den Herren. In den Abfahrts-Einsätzen schauten mit Platz 19 in Kvitfjell nur einmal Punkte heraus, fünf Mal punktete der 25-Jährige im Europacup. „Ein Podium muss man erst einmal herausfahren“, schätzt Ortlieb die Leistung des Montafoners stark ein. Und merkt an: „Er fährt einzelne Passagen sehr gut, aber gesamt nicht das, was er kann.“ Der Olympiasieger nimmt da aber auch den ÖSV in die Verantwortung: „In den Speeddisziplinen gilt es grundsätzlich einiges zu hinterfragen, da ist nicht alles eitel Wonne.“

Schritt nach vorne

Christian Hirschbühl verpasste mit Rang vier im Torlauf von Wengen das Weltcup-Podium nur knapp. „Diese Leistung ist hoch anzurechnen, es waren extrem schwierige Bedingungen.“ Der Lauteracher fuhr weitere fünf Mal zu WC-Zählern und klassierte sich in 15 Europacup-Einsätzen elf Mal in den Top Ten. Ortlieb: „Er hat sich bei den Startnummern hochgearbeitet, da könnte nächstes Jahr der Schritt ganz nach vorne gelingen.“

Mit den ersten Weltcupzählern belohnte sich Daniel Meier im Riesentorlauf. Die Spätform unterstrich der Läufer vom WSV Nofels durch die Plätze zwei und drei im Europacup in Kranjska Gora. „Wenn er gesund ist und ins Fahren kommt, ist er pfeilschnell“, kennt Ortlieb die Vorzüge von Meier. „Man darf aber nicht vergessen, dass mit der neuen Taillierung die Karten in der nächsten Saison neu gemischt werden. Was ebenso für Marcel Mathis gilt, der in Kranjska Gora nach fast drei Jahren mit Rang 28 wieder im Weltcup angeschrieben hat. Ortlieb: „Von den Ergebnissen her läuft es nicht so, vom Können her gehört er dazu. Aus, fertig.“

Tochter Nina, die nach ihrer Schulterverletzung noch nicht fit ist, aber schon ein Europacuprennen gewann, greift in der nächsten Saison wieder voll an. Kerstin Nicolussi werde, so Ortlieb, den „Reset-Knopf drücken und neu durchstarten. Sie wurde massiv unter Wert geschlagen, die Trainer sind überzeugt von ihr.“ Ähnliches gilt für Ariane Rädler, die sich selbst mehr erwartet habe.

„An guta Bua“ sei Johannes Strolz, der „einzelne Topläufe abliefere“ und bei dem, wie bei Magnus Walch, gemäß Ortliebs Einschätzung mehr möglich sei. Auf dem richtigen Weg befinden sich Mathias Graf und Patrick Feurstein. „Bei den Burschen wird hart gekämpft. Viele Komponenten spielen mit, die gilt es, geschickt umzusetzen.“

Was Christl erreicht hat, soll ein großer Ansporn für die anderen sein.

PAtrick ortlieb
Christine Scheyer ist Vorarlbergs neue „Vorfahrerin“. Foto: gepa
Christine Scheyer ist Vorarlbergs neue „Vorfahrerin“. Foto: gepa
Platz vier im Wengen-Slalom: Christian Hirschbühl. Foto: gepa
Platz vier im Wengen-Slalom: Christian Hirschbühl. Foto: gepa

Ski alpin

Die Vorarlberger Punktesammler im Ski-Weltcup

Damen

Christine Scheyer 343

Elisabeth Kappaurer 77

Katharina Liensberger 15

Herren

Christian Hirschbühl 84

Frederic Berthold 72

Daniel Meier 13

Marcel Mathis 3