„Ein angenehmer Rückenwind“

Sport / 22.03.2017 • 19:49 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Vollstes Vertrauen hat ÖFB-Präsident Leo Windtner (links) in Teamchef Marcel Koller. Foto: gepa
Vollstes Vertrauen hat ÖFB-Präsident Leo Windtner (links) in Teamchef Marcel Koller. Foto: gepa

ÖFB-Präsident Windtner ist von erfolgreichem Start ins Länderspieljahr überzeugt.

Lech. Von der Skipiste auf den Spielfeldrand, von Lech nach Wien – Leo Windtner holte sich im Nobelskiort am Arlberg noch Energie für die anstehenden Aufgaben als ÖFB-Chef. Von einem erfolgreichen Start geht der überaus sportliche Oberösterreicher aus, seine Kandidatur für eine dritte Amtszeit als Fußball-Präsident (Anm. d. Red.: die Wahl ist im Juni) sieht er dennoch nicht an den Erfolg am Rasen gekoppelt. Der 66-Jährige spricht diesbezüglich nur von einem „angenehmen Rückenwind“.

Mit dem WM-Quali-Spiel gegen die Republick Moldau wird das neue Länderspieljahr eröffnet. Was macht Sie sicher, dass 2017 ergebnistechnisch besser wird als das EM-Jahr 2016?

Windtner: Zuversichtlich stimmt mich allein schon
die ansprechende Form vieler Teamspieler. Das war im Vorjahr aus verschiedenen Gründen anders – verletzungs- und auch transferbedingt. Wir haben auch die Winterpause für eine wirklich intensive Analyse genutzt, haben auch an gewissen Schrauben gedreht, ohne allerdings alles über Bord zu werfen. So hat es dann doch die eine oder andere Veränderung gegeben. Der Wille, am Freitag die drei Punkte einzufahren, ist jedenfalls bei allen Nationalspielern erkennbar.

Welche Veränderungen wurden denn vorgenommen?

Windtner: Wir haben etwa das Hotel gewechselt. Es sind auch neue Spieler hinzugekommen. Es sind nach außen hin einfach viele kleine Dinge, die schließlich eine neue Perspektive geben.

Der Teamchef spricht von einer möglichen Systemumstellung. Wie sieht der Präsident den sportlichen Werdegang?

Windtner: Diesbezüglich liegt die Verantwortung allein bei der sportlichen Leitung. Aber es ist sicherlich auch das Resultat eines Umdenkprozesses in der Winterpause, wobei die Kompetenz ausschließlich dem Teamchef obliegt. Ich glaube auch, dass er diesbezüglich noch mehr auf die personelle Situation eingeht.

Wie wichtig ist für Sie ein guter Start, was wohl nur ein Sieg sein kann, ins Länderspieljahr?

Windtner: Uns allen ist natürlich bewusst, dass der sportliche Erfolg des Nationalteams über die Stimmung der Fußballnation in Österreich sehr wesentlich entscheidet. Deshalb ist klar: Die drei Punkte am Freitag sind wichtig, um in die Spur zurückzukommen und dann ganz konkret das nicht unrealistische Ziel, die Qualifikation für die WM 2018 in Russland, in Angriff zu nehmen.

Glauben Sie noch an eine Qualifikationschance?

Windtner: Ich glaube voll daran und erinnere an 1997, als auch aus den letzten sechs Spielen sechs Siege gebraucht wurden. Zudem haben wir schon bewiesen, dass wir die Möglichkeit haben, auswärts zu bestehen. Wenn die Schlüsselspieler fit und in Form sind sowie das Kollektiv passt, dann lebt für mich die Chance absolut.

Sie kandidieren im Juni für eine dritte Periode als ÖFB-Präsident. Brauchen Sie deshalb auch den sportlichen Erfolg?

Windtner: Ich glaube nicht, dass der sportliche Erfolg des Nationalteams über mein Wahlschicksal entscheidet, aber es wäre ein sehr angenehmer Rückenwind.

Was sind für Sie als Präsident die wichtigsten Agenden?

Windtner: Wir werden unseren Weg, was die Entwicklungsarbeit betrifft, konsequent weitergehen. Wir wollen auch dem Frauenfußball in der Breite mehr Gewicht verleihen. Wir werden auch das Thema Infrastruktur pushen, weil wir ansonsten im Vergleich mit anderen Ländern weiter zurückfallen. Und so wird das Thema Nationalstadion in der Agenda ganz oben stehen.

Stichwort Nationalstadion. Der Standort scheint klar, vielmehr ist die Frage offen: Um- oder Neubau des Happelstadions? Was ist Sache im Moment?

Windtner: Eine Studie ist zwischenzeitlich von Stadt und Bund in Auftrag gegeben. Diese soll in etwa zwei Monaten vorliegen. Dann werden wir uns mit Sportminister Hans Peter Doskozil, der aus meiner Sicht durchaus als Anwalt des Sports bezeichnet werden darf, und mit der Stadt Wien zusammensetzen. Dabei werden wir die Sache ergebnisoffen diskutieren, wobei es kein Geheimnis ist, dass wir
seitens des ÖFB einer Neubaulösung den Vorzug
geben. Allein schon, weil
wir viele internationale Beispiele haben, dass eine Immer-wieder-Renovierung keine langfristige Lösung darstellt.

Von welcher Zuschauerkapazität gehen Sie aus?

Windtner: Ich habe immer gesagt 50.000 plus, sodass wir internationale Ereignisse wieder nach Österreich bringen können. Für mich ist es eigentlich absurd, dass die Stadt Wien europaweit als einer der beliebtesten Austragungsorte im internationalen Fußball gilt, und wir die Voraussetzungen dafür nicht bieten können. Wir müssen ja nur zu unseren Nachbarn nach Ungarn schauen, wo in der Zwischenzeit gewaltig aufgerüstet wurde.

Sie haben den Sportminister angesprochen. Welche Erwartungen haben Sie in seine Sportpolitik?

Windtner: Diesbezüglich kann ich mich nur wiederholen. Minister Doskozil ist ein Anwalt des Sports. Ich hoffe, dass das neue Bundessportförderungsgesetz jetzt über die Bühne gehen wird und dass der Sportminister seine aktive Rolle für den Sport und insbesondere beim Thema Infrastruktur so weiterführen kann. Hier sehe ich enormen Aufholbedarf, nicht nur im Fußball. Infrastrukturell ist Österreich weit zurückgefallen.

Ein anderes Thema ist die Ligarefom, die ab der Spielzeit 2018/19 in Kraft tritt. Da spielt der ÖFB eine aktive Rolle, was die Schnittstelle Erste Liga und Regionalliga angeht. Wie ist Ihre Sicht?

Windtner: Grundsätzlich begrüßen wir als ÖFB die Ligareform, denn es wäre wahrscheinlich mit der jetzigen Konstellation nicht mehr weitergegangen. Ich glaube, dass in der Bundesliga gerade das Play-off-System eine interessante, für die Fans spannende Konstellation ist. Wie nachhaltig die zweite Ebene mit der Mischliga (Anm. d. Red.: Amateur- bzw. Profiklubs möglich) ist, müssen wir abwarten. Nicht zu vergessen, dass auch die Ligen darunter massiv betroffen sind. Nicht nur in den Regionalligen, auch in den Landesligen sind durchaus Einschnitte zu erwarten. Daher sollten wir einmal losstarten, dann aber auch rechtzeitig eine Bestandsaufnahme machen, wo dann eventuell Nachjustierungen erkennbar werden. Das will ich nicht nur nicht ausschließen, das wird meines Erachtens auch so kommen.

Gibt es diesbezüglich, was die heikle Schnittstelle zwischen Amateur- und Profiklubs betrifft, schon konkrete Gedanken?

Windtner: Wir machen uns Gedanken, auch gemeinsam mit der Liga. Als ÖFB haben wir auch einen Blick auf die zweite Ebene. Letztendlich werden wir nicht umhin kommen, Erfahrungswerte zu sammeln, bevor wieder etwas adaptiert wird.

Beim Treffen mit VN-Sportchef Christian Adam (r.) warf Leo Windtner gerne auch einen Blick in die aktuellen VN-Sportseiten. Foto: adam
Beim Treffen mit VN-Sportchef Christian Adam (r.) warf Leo Windtner gerne auch einen Blick in die aktuellen VN-Sportseiten. Foto: adam