Auf die Gießkanne folgt eine GmbH

04.04.2017 • 21:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der seit Jänner 2016 amtierende Sportminister Hans Peter Doskozil hat das Bundes-Sportförderungsgesetz reformiert.  Foto: APA
Der seit Jänner 2016 amtierende Sportminister Hans Peter Doskozil hat das Bundes-Sportförderungsgesetz reformiert. Foto: APA

Zentraler und einfacher: Endspurt für neues Bundes-Sportförderungsgesetz.

Wien. Die Neuordnung des Sportförderwesens schreitet voran. Sportminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) und Rudolf Hundstorfer, Präsident der Bundessportorganisation (BSO), sind optimistisch, dass das Gesetz noch vor dem Sommer verabschiedet und mit 1. Jänner 2018 gültig werden kann. Wichtige Punkte sind Zentralisierung, Vereinfachung und Planungssicherheit für Sportler und Verbände.

Vier Jahre, nachdem das Bundes-Sportförderungsgesetz unter Norbert Darabos das Licht der Welt erblickt hat, probiert es die Politik erneut. War es damals das Abgehen von der „Gießkanne“, ist es nun die Zentralisierung der Förderstellen, die für weitere Verbesserung sorgen soll. Diese Stellen werden in Zukunft in der sogenannten „Bundes Sport GmbH“ zusammengefasst – ab sofort soll nur noch eine Stelle für die Vergabe aller Sportfördermittel des Bundes in der Höhe von 120 Millionen Euro pro Jahr zuständig sein. Die Hälfte der Gesamtsumme fließt in den Spitzensport, der Breitensport wird mit 45 Prozent gefördert, und der Rest ist für zentrale Fördernehmer vorgesehen.

„Tochter des Bundes“

Das Team Rot-Weiß-Rot, das Projekt Rio oder der Bundessportförderungsfonds (BSFF) werden dann der Vergangenheit angehören. Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) soll zudem eine Koordinationsrolle bei der Sportinfrastruktur
der Bundessporteinrichtungen und die sportmedizinische und sportwissenschaftliche Betreuung ausüben.

Der jüngste Entwurf steht am Ende eines bis zuletzt geführten Diskussionsprozesses zwischen dem organisierten Sport und dem Ministerium. Der Sportfachrat der BSO, das Gremium der drei Dach- und 60 Fachverbände, segnete den Entwurf laut Hundstorfer mit einer 98-prozentigen Zustimmung ab. Hermann Krist, ASKÖ-Präsident, Sportsprecher der SPÖ und beim Medientermin im Haus des Sports ebenfalls am Podium, betonte die verbesserte Alltagstauglichkeit für die Förderwerber: „Es braucht jetzt keine Finanzkunststücke mehr“, erklärte er. Dem Wunsch vieler Verbände entsprechend soll in Zukunft in Wettbewerbszyklen gefördert werden. Die Ausweitung der Förderzeiträume auf vier Jahre gibt Planungssicherheit, die quartalsweise Auszahlung soll Finanzierungsengpässe vermeiden. Doskozil betonte, dass das Leistungsprinzip für olympische wie auch nicht­olympische Sportarten freilich nach wie vor gelte, schlüssige Konzepte weiterhin der Schlüssel seien. Zudem werde es stichprobenartige Kontrollen der Fördermittelabrechnung geben. Aber „die Projektitis gehört der Vergangenheit an“, wie Hundstorfer anmerkte.

Für den BSO-Chef ist auch die Wahrung der Sportautonomie ein wichtiger Punkt. Denn die GmbH ist zwar eine 100-Prozent-Tochter des Ministeriums, ohne Zustimmung der jeweiligen Kommissionen für Breitensport bzw. Leistungs- und Spitzensport geht aber nichts. Und in beiden sitzen je vier BSO- und zwei Ministeriumsvertreter. Auch im Aufsichtsrat der GmbH sind neben je einem Vertreter des Sport- und Finanzministeriums zwei BSO-Leute vorgesehen. Zwei noch zu ernennende Geschäftsführer werden die beiden GmbH-Bereiche Wirtschaft und Sport führen.

Ich bin zuversichtlich, dass das Gesetz schnell verabschiedet wird und ab 1. Jänner Gültigkeit hat.

Hans Peter Doskozil