Aufstieg hängt am seidenen Faden

07.04.2017 • 19:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Um die theoretische Chance zu wahren, müssen Julian Knowle (r.) und Alex Peya das Doppel gewinnen. GEPA
Um die theoretische Chance zu wahren, müssen Julian Knowle (r.) und Alex Peya das Doppel gewinnen. GEPA

0:2-Rückstand für Österreichs Tennisteam im Davis-Cup-Duell in Weißrussland.

Minsk. Der angestrebte Aufstieg ins Weltgruppen-Play-off im Herbst ist für Österreichs Davis-Cup-Team schon am ersten Tag in Minsk in weite Ferne gerückt. Die Brüder Gerald und Jürgen Melzer, die erstmals beide im Einzel im Team stehen, mussten sich den weißrussischen Außenseitern Egor Gerasimow bzw. Ilja Iwaschka geschlagen geben.

Mit dem Rücken zur Wand

Österreichs Quartett muss damit alle drei verbleibenden Partien gewinnen, was vor allem in Anbetracht der starken Leistungen der Weißrussen äußerst schwierig wird. Gerald Melzer (ATP-109.) hatte sich zunächst dem durch einen Challenger-Sieg mit viel Selbstvertrauen ausgestatteten Gerasimow nach nur 82 Minuten klar mit 3:6, 3:6, 3:6 beugen müssen. Gerasimow ist aktuell Nummer 263 im Ranking, doch auch im Davis Cup wächst er offenbar über sich hinaus. Im Einzel stellte der 24-Jährige schon auf 14:3-Siege in dem Mannschaftsbewerb, der zwei Jahre ältere Gerald Melzer hält nun bei 1:4-Niederlagen. „Völlige Chancenlosigkeit, der andere hat keine Fehler gemacht. Ich habe den Rhythmus überhaupt nie gefunden“, gestand ein enttäuschter Gerald Melzer. „Ich hatte nie die Chance, ihm wehzutun.“

Sofern das ÖTV-Doppel am Samstag den ersten Punkt holt, könnte sein Match am Sonntag schon entscheiden. „Prinzipiell fühle ich mich wohl auf diesem langsamen Platz. Ich weiß, dass das die entscheidende Partie sein kann. Deswegen werde ich mich am Samstag noch einmal voll konzentriert vorbereiten“, versprach der jüngere der beiden Melzer-Brüder.

Auch in der zweiten Partie des Tages sah es nach einem umkämpften ersten Satz nach einer Drei-Satz-Niederlage für Österreich aus. Doch Jürgen Melzer bäumte sich auf und hatte zumindest die Chance auf einen fünften Satz. Letzten Endes setzte sich Iwaschka, ATP-Nr. 172., nach 2:59 Stunden mit 7:6(8), 6:3, 4:6, 7:6(1) durch und brachte die Gastgeber mit 2:0 in Front. „Ich war überrascht, wie gut er gespielt hat – von Anfang bis Ende. Er hat nie Schwächen gezeigt, unglaublich serviert und die Punkte zu Ende gespielt“, konstatierte der ÖTV-Routinier. „Ich habe auch nicht schlecht gespielt, es waren ein paar Games, die entschieden haben, vor allem, wenn ich Break vor war und immer gleich das Rebreak kassiert habe“, blickte der 35-jährige zurück. „Jetzt muss uns das Doppel am Leben halten, das wird schwer genug. Gehen wir mit 1:2 in den Schlusstag, wird es für Gerald ganz schwer. Iwaschka hat gegen mich wirklich eine Kampfansage gemacht.“

Daher steht die Truppe von Kapitän Stefan Koubek heute mit dem Rücken zur Wand. Die Doppel-Spezialisten Julian Knowle (erstmals seit dreieinhalb Jahren im Team) und Alex Peya müssen den Anschlusspunkt schaffen, damit Gerald Melzer gegen Iwaschka bzw. Jürgen Melzer gegen Gerasimow überhaupt noch eine Chance haben.

Im Falle einer Niederlage trifft Österreich vom 15. bis 17. September im ersten von zwei möglichen Play-off-Spielen der Europa-Afrika-Zone I gegen den Abstieg zu Hause auf Rumänien.

Jetzt muss uns das Doppel am Leben halten.

Jürgen Melzer