Mit Paris-Roubaix wartet auf Brändle ein echter Höllenritt

07.04.2017 • 16:18 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Für den Härtetest in der „Hölle des Nordens“ hat Brändle breitere 28er-Reifen montiert, um die Dämpfung zu erhöhen. Außerdem benutzt er zwei Lenkerbänder gegen die Schläge des Kopfsteinpflasters. Foto: AFP
Für den Härtetest in der „Hölle des Nordens“ hat Brändle breitere 28er-Reifen montiert, um die Dämpfung zu erhöhen. Außerdem benutzt er zwei Lenkerbänder gegen die Schläge des Kopfsteinpflasters. Foto: AFP

Hohenemser Radprofi startet am Sonntag beim härtesten Eintagesrennen.

roubaix. 257 Kilometer, davon fast 55 auf den berüchtigten 29 Kopfsteinpflaster-passagen, erwarten Radprofi Matthias Brändle am Sonntag (ab 11 Uhr live auf Eurosport) bei der 115. Austragung von Paris-Roubaix. Das Rennen in Nordfrankreich wird auch als „Die Königin der Klassiker“ bezeichnet und wird in 180 Ländern live übertragen.

Die groben Pavés und denkmalgeschützten Feldwege, die aus dem 19. Jahrhundert stammen, arten besonders bei Regen zu einer Tortur für Mensch und Maschine aus. Staub und Schmutz der Straße verwandeln sich in eine zähe Paste. In Verbindung mit den ständigen Erschütterungen des Oberkörpers durch das Kopfsteinpflaster schmerzen am Ende nicht nur die Beine, sondern auch die Arme bzw. der ganze Körper. Passend ist daher auch der Name „Hölle des Nordens“ für den Härtetest.

Brändle hat mit seinem Team Trek-Segafredo die letzten 100 Kilometer der Strecke besichtigt. „Die Kopfsteinpflasterpassagen sind sehr speziell. Der Wald von Arenberg wird als der ‚Wald des Schreckens‘ bezeichnet“, erläutert der 27-jährige Hohenemser. „Das ist eine der Schlüsselstellen im Rennen. Das ganze Fahrerfeld rauscht mit 70 km/h von der breiten Straße auf eine einspurige Kopfsteinpflasterpassage zu. Die Position ist hier superwichtig, es ist nicht für jeden vorne Platz. Danach sind meist schon ein paar Fahrer weniger im Kampf um den Sieg dabei“, beschreibt er.

Im Einsatz für Degenkolb

Brändle ist für seinen Trek-Teamkollegen John Degenkolb im Einsatz, der das Traditionsrennen 2015 gewann. Der Deutsche liebt die Strecke. „Es ist mein absolutes Lieblingsrennen. Nach dem Ritt dauert es vier bis fünf Tage, bis ich mich wieder wie ein normaler Mensch fühle – bis ich wieder ohne Schmerzen spazierengehen kann“, gibt Degenkolb Einblick in die Härte des Wettkampfs. Zwei Mal stand Brändle bei Paris-Roubaix am Start. „Bei meinem Debüt 2015 musste ich meine Laufräder für einen Teamkollegen opfern. Bei meinem zweiten Start im Vorjahr kam ich um eine Minute zu spät ins Ziel und war daher nicht in der Wertung“, blickt er zurück.

Alle haben dasselbe Ziel

„Es wird ein taktisches und hartes Rennen. Voraussichtlich darf ich versuchen, in die Spitzengruppe zu gehen. Das ist kein leichtes Unterfangen, da wir mit Degenkolb einen ehemaligen Sieger im Team haben. Jede Mannschaft mit Ambitionen auf den Sieg versucht, einen Helfer für das Finale nach vorne zu schicken“ erläutert der Ex-Stundenweltrekordhalter die Hintergründe. Brändles Aufgabe wird es sein, seinem Leader so lange wie möglich Windschatten zu spenden, damit dieser seine Kräfte für das Finale sparen kann.

Letzter Start von Boonen

Zu den Favoriten um den prestigeträchtigen Sieg zählen neben Degenkolb der zweifache Weltmeister Peter Sagan aus der Slowakei, Olympiasieger Greg Van Avermaet (Bel) und auch
Tom Boonen. Der 36 Jahre alte Belgier tritt nach dem Rennen von der Sportbühne ab und beendet seine Karriere.

Der Wald von Arenberg wird als der Wald des Schreckens bezeichnet. Es ist eine Schlüsselstelle.

matthias brändle

Besonderheiten

» Es ist wichtig, bei der Besichtigung das richtige Setup zu finden. Wir legen aufgrund der Erfahrungen die Reifenwahl fest und ermitteln, mit welchem Gang man auf welchem Pavéabschnitt am besten fährt.

» Die Rennmaschinen sind speziell gedämpft. Wir verwenden 28er-Reifen und zwei Lenkerbänder statt nur einem, weil die Schläge auf dem Kopfsteinpflaster auf Dauer extrem sind.

» Die Position vor den Kopfsteinpflasterpassagen spielt eine große Rolle. Wenn der Faden bei Position 30 reißt und du 50. bist, kannst du noch so stark sein. Wenn sie vorne Tempo machen, hast du keine Chance mehr.