Canadi beurlaubt, Djuricin Chef

09.04.2017 • 19:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Für Rapid-Sportchef Fredy Bickel ist das Duo Djuricin/Bernhard auch für die kommende Saison eine Option.

Wien. Zweite Trainer-Ablöse in dieser Saison beim SK Rapid. Der Fußball-Rekordmeister zog die Konsequenzen aus der Talfahrt der vergangenen Monate und beurlaubte Damir Canadi mit sofortiger Wirkung. Die Nachfolge übernehmen dessen bisherige Assistenten Goran Djuricin und Martin Bernhard bis Saisonende. Die Chefrolle nimmt dabei der 43-jährige Djuricin ein, der u. a. im Nachwuchs für Rapid spielte.

Die Hütteldorfer liegen nach dem 0:3 in Ried, wo die Mannschaft von Lassaad Chabbi um eine Klasse besser war, nur noch fünf Punkte vor dem Schlusslicht aus dem Innviertel. Daher entschied sich Sport-Geschäftsführer Fredy Bickel, Canadi von seinen Aufgaben zu entbinden. „Wir sind bedauerlicherweise endgültig im Abstiegskampf angekommen, dieser bitteren Tatsache müssen wir ins Auge sehen und handeln. Ich bin sehr nah an der Mannschaft und beim Trainerteam, nun ist leider, denn ich bin kein Freund von Trainerwechseln während einer laufenden Saison, der Zeitpunkt gekommen, zu dem man handeln muss“, so der Schweizer. Das Präsidium um den derzeit im Ausland weilenden Präsidenten Michael Krammer habe sich mit der Geschäftsführung auf diesen Schritt verständigt, so Bickel.

Schwere Differenzen

Canadi hatte im vergangenen November Mike Büskens, unter dem Rapid damals nach 14 Runden fünf Punkte hinter einem Europacup-Platz und elf Zähler vor dem Abstiegsrang an der fünften Stelle lag, abgelöst. Derzeit ist Rapid Siebenter – in den 14 Liga-Partien unter Canadi schauten nur elf Punkte heraus, was laut Sky-Informationen den schlechtesten Punkteschnitt eines Rapid-Trainer in der Geschichte bedeutet. Nur Ried war in diesem Zeitraum um zwei Zähler schlechter.

Canadis Pflichtspielbilanz steht bei drei Siegen, sechs Remis und acht Niederlagen. Negativer Höhepunkt war der jüngste Auftritt in Ried, wo sich Rapid wie ein Absteiger präsentierte und von einem Aufwärtstrend nach dem Cup nichts zu sehen war. In der Liga ist Rapid seit neun Runden sieglos, womit der Negativrekord aus den Saisonen 1987/88 und 2012/13 eingestellt wurde. Derzeit halten die Grün-Weißen bei 31 Punkten – so wenige hatte man nach 28 Runden noch nie auf dem Konto.

Canadi übernahm im November einen auf Ballbesitz und auf ein 4-2-3-1-System ausgerichteten Kader, stellte aber relativ schnell auf eine Dreierkette und schnelles Spiel in die Spitze um. Der erhoffte Erfolg blieb aus, zudem machten Gerüchte über schwere Differenzen zwischen dem Coach und der Mannschaft die Runde.

Fans hatten Schnauze voll

Gekommen war Canadi als Erfolgscoach von Altach. Unter dem 46-Jährigen Wiener war der SCR Altach Tabellenzweiter, ehe Rapid den Trainer um eine kolportierte sechsstellige Summe von den Vorarlbergern loseiste. Im Gegensatz zu Altach griff Canadis Philosophie bei Rapid nicht. Nach dem 0:3 in Ried wirkte er vollends ratlos und sah seinen Rauswurf bereits kommen. „Egal, wie es mit Rapid ausgeht – für mich ist das ein riesiger Lernprozess“, sagte der Coach.

Davor hatte sich Canadi noch gemeinsam mit den Spielern von den nach Ried mitgereisten Fans verabschiedet. Dabei ließen Trainer und Kicker minutenlang die Unmutsäußerungen der Anhänger über sich ergehen. Sprechchöre gegen Canadi gab es jedoch bis zum Schluss keine, dafür skandierten die Fans „Wir haben die Schnauze voll“.

Damir Canadi beim Abklatschen nach dem Spielende. Foto: gepa
Damir Canadi beim Abklatschen nach dem Spielende. Foto: gepa