„Lewis machte den besten Job“

09.04.2017 • 20:40 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ziemlich beste Freunde – Sebastian Vettel gratulierte Lewis Hamilton herzlich zum Sieg in Schanghai. Foto: gepa
Ziemlich beste Freunde – Sebastian Vettel gratulierte Lewis Hamilton herzlich zum Sieg in Schanghai. Foto: gepa

Vettel streut Schanghai-Sieger Hamilton Rosen, in der WM-Wertung sind die beiden gleichauf.

Schanghai. Nach dem imposanten Konter von Lewis Hamilton im noch jungen WM-Duell klopfte Sebastian Vettel seinem Formel-1-Rivalen immer wieder anerkennend auf die Brust. Mit seinem ungefährdeten Start-Ziel-Sieg in China vor dem Ferrari-Star schürte der Mercedes-Pilot weitere Hoffnung auf einen hochspannenden Zweikampf. „Das wird einer der engsten Fights, die ich je erlebt habe. Es ist großartig, wie wir uns antreiben“, meinte Hamilton nach seiner fehlerlosen Leistung und naschte genüsslich Schokolade.

Das Tempo kontrolliert

Nach zwei Safety-Car-Phasen, mehreren Drehern und Rad-an-Rad-Duellen der Konkurrenz verwies der dreimalige Weltmeister den viermaligen Champion auf den zweiten Rang und baute seine Schanghai-Bilanz auf fünf Erfolge aus. „Lewis hat den besten Job gemacht. Er hat von Beginn an das Tempo kontrolliert“, räumte Vettel neidlos ein. „Jedes Mal, wenn ich aufschließen wollte, hatte er eine Antwort.“ Vor der Weiterreise zum dritten Saisonrennen nach Bahrain liegen Hamilton und Vettel im WM-Klassement nun mit jeweils 43 Punkten gleichauf.

„Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Eine perfekte Strategie von Mercedes“, sagte Teamaufsichtsratschef Niki Lauda erleichtert, nachdem beim Auftakt in Australien Hamilton noch das Nachsehen gegen Vettel gehabt hatte. Nun durfte der Brite für seinen 54. Sieg auch Glückwunsche vom amtierenden Weltmeister entgegennehmen. „Zurück an der Spitze. Gratulation an Lewis/Merc! Sehr verdient“, schrieb Nico Rosberg via Twitter.

Ein Ausrufezeichen setzte Max Verstappen. Das Red-Bull-Talent startete von Rang 16, überholte in der ersten Runde gleich mal neun Wagen und raste zur Krönung seiner furiosen Aufholjagd noch auf das Podium. „Das hat sich für mich ein bisschen wie in einem Videospiel angefühlt“, beschrieb der 19-Jährige seine Sturmfahrt.

Zum Chaos geriet die Anfangsphase des Rennens. Schon vor dem Start war an den Kommandoständen über die Reifenwahl gegrübelt worden. Auf der abtrocknenden Strecke wählten die meisten Piloten die für feuchte Bedingungen vorgesehenen Mischwetter-Reifen. So auch Pole-Mann Hamilton. „An solchen schwierigen Tagen willst du niemanden anders im Auto haben als Lewis“, meinte Mercedes-Teamchef Toto Wolff über seinen Star-Piloten, der bestens wegkam und das Tempo vorgab.

Nach einem Crash von Williams-Youngster Lance Stroll kam jedoch schon in Runde zwei das virtuelle Safety Car zum Einsatz. Vettel ließ sofort Trockenreifen aufziehen, das Timing passte diesmal aber nicht perfekt. Denn schon zwei Umläufe später schoss Pascal Wehrleins Sauber-Ersatzmann Antonio Giovinazzi wie schon im Training in die Streckenbegrenzung – das reale Safety Car musste raus, das Feld zog sich wieder zusammen.

„Ein bisschen wütend“

„So konnte ich das Momentum, den Vorteil nicht nutzen und habe viele Positionen verloren“, klagte Vettel und fiel zunächst auf Rang sechs zurück. Mit zwei starken Überholmanövern gegen Räikkönen in der 20. Runde und zwei Durchgänge später gegen Ricciardo schob sich Vettel auf Rang drei vor. Als sich in der 29. Runde Verstappen verbremste, fuhr er auch an dem Supertalent ohne Mühe vorbei. „Sie haben einen tollen Job abgeliefert“, zollte Hamilton seinen Verfolgern Respekt.

Vettel aber wollte an den Briten noch herankommen. „Mein Ziel war es, Lewis noch zu kriegen, zwischendurch steckte ich aber im Verkehr und wurde ein bisschen wütend“, sagte Vettel. Wenig später holte er sich noch einmal neue Reifen und reihte sich hinter Teamkollege Räikkönen auf Rang drei ein. Auch Hamilton reagierte und kam zum Pneuwechsel, verteidigte aber seine Führung. Räikkönen musste ebenfalls an die Box, so dass Vettel wieder zum ersten Verfolger wurde. Gefährden konnte er Hamilton nicht mehr.

Das war eine perfekte Strategie der Mercedes-Mannschaft.

Niki Lauda