„Situation so einfach so annehmen, wie sie ist“

09.04.2017 • 19:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Martin Bernhard (Mitte) mit Sport-Geschäftsführer Fredy Bickel (rechts) und Neo-Coach Goran Djuricin. APA
Martin Bernhard (Mitte) mit Sport-Geschäftsführer Fredy Bickel (rechts) und Neo-Coach Goran Djuricin. APA

Der Feldkircher Martin Bernhard über turbulente Stunden bei Rapid und die Zukunft.

Wien. Gut viereinhalb Jahre hat er als Co unter Damir Canadi gearbeitet. Der ehemalige Altach-Coach war es, der den gebürtigen Feldkircher aus Wien zurückholte und dann mit zu Rapid nahm. Zusammen mit Goran Djuricin soll er nun für den Klassenverbleib sorgen. Im VN-Gespräch erzählt er von den turbulenten Stunden nach der Entlassung seines Chefs.

Wie haben Sie die Stunden nach der Niederlage miterlebt?

Bernhard: Wir sind erst sehr spät von Ried nach Wien zurückgekommen. Danach hat Damir (Anm. d. Red.: Canadi) noch mit dem Präsidium gesprochen, während wir in der Kabine gewartet haben. Dann haben wir von seiner Beurlaubung erfahren. Der Verein ist in weiterer Folge an uns herangetreten, ob wir die Verantwortung übernehmen. Am Sonntag, als es offiziell wurde, war der Rummel sehr groß, vor und nach dem Training. Wir müssen jetzt die Situation so annehmen, wie sie ist und uns vor allem professionell verhalten.

Sehen Sie diese Situation persönlich als Chance?

Bernhard: Daran denke ich nicht. Das Wichtigste ist, dass wir wieder in die Spur kommen und Spiele gewinnen, um in der Tabelle hinten rauszukommen. Es geht hier nicht um mich, es geht hier einzig und allein um den Verein.

Gibt es schon eine Überlegung, woran Damir Canadi gescheitert sein könnte?

Bernhard: Für mich ist das erste Frühjahrsspiel gegen Austria Wien noch immer so ein Knackpunkt. Wir haben da in der 94. Minute den Ausgleich erhalten. Bei einem Sieg hätte alles anders laufen können. In weiterer Folge ist es uns nie gelungen, unsere Qualität auf dem Platz zu bestätigen. So ist das dann im Fußball, das ganze hat Fahrt aufgenommen. Der Lauf hätte auch in eine ganz andere, positive Richtung gehen können.

Zuletzt wurde auch die Außendarstellung von Damir Canadi von vielen Medien kritisiert?

Bernhard: Damit habe ich mich als Kotrainer nie beschäftigt. Jeder Mensch und damit jeder Trainer hat eine andere Art, mit gewissen Dingen oder Situationen umzugehen.

Sie haben mehr als drei Jahre in Altach gearbeitet. Nur wartet im nächsten Spiel ausgerechnet der SCRA auf Rapid?

Bernhard (schmunzelt): Unglaublich, welche Geschichten der Fußball schreibt. So ist es eben im Leben. Wir werden uns der Situation stellen.

Wie groß ist der Druck, der auf Rapid lastet?

Bernhard: Den spürt jeder, jetzt nach dem Ried-Spiel ist er enorm. Man merkt, mit wie viel Herzblut alle an dem Verein hängen.

Was wird die wichtigste Aufgabe in den nächsten Tagen sein?

Bernhard: Die Spieler müssen den Kopf frei bekommen. Rapid hat eine sehr charakterstarke Mannschaft, die jetzt einfach ein Erfolgserlebnis braucht. Ein Sieg kann vieles lösen.

Braucht es dafür vor allem Gespräche?

Bernhard: Das ist unterschiedlich. Ein Spieler braucht das Gespräch, ein anderer will einfach Gas geben im Training.

Aber es geht gegen den Abstieg?

Bernhard: Wir haben es klar vermittelt: Rapdi steckt im Abstiegskampf. Jetzt hilft nur noch kratzen, beißen, laufen.