Schockstarre nach Explosionen

11.04.2017 • 21:01 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Hektisches Treiben herrschte rund um den Dortmunder Mannschaftsbus, während die BVB-Spieler noch miteinander diskutierten. Im Stadion selbst blieb alles ruhig und die Fans verließen geordnet die Arena. Fotos: ap/3, gepa
Hektisches Treiben herrschte rund um den Dortmunder Mannschaftsbus, während die BVB-Spieler noch miteinander diskutierten. Im Stadion selbst blieb alles ruhig und die Fans verließen geordnet die Arena. Fotos: ap/3, gepa

Spielabsage statt Fußballfest. Drei Sprengsätze explodierten am Mannschaftsbus von Borussia Dortmund.

Dortmund. Es ist eine gespenstische Szenerie. Als um viertel vor neun Uhr eigentlich die Champions-League-Hymne im Dortmunder Fußball-Tempel erklingen soll, stehen die BVB-Profis sichtlich geschockt neun Kilometer entfernt vor ihrem Teambus. Immer wieder greifen die Spieler am Mannschaftshotel L‘Arrivée im Dortmunder Süden zum Handy, diskutieren miteinander.

Splitter liegen auf der Straße am Heck des Busses, zwei Scheiben sind eingedrückt – augenscheinlich von der Wucht einer Explosion. Was als großer Champions-League-Abend mit dem Viertelfinal-Hinspiel gegen den AS Monaco geplant war, endet für Spieler, Team und Fans in Entsetzen und Fassungslosigkeit.

Kurz nach 19 Uhr gibt es nach Polizeiangaben drei Explosionen von Sprengsätzen am Mannschaftsbus von Borussia Dortmund, knapp anderthalb Stunden später wird die Partie abgesagt. Kurz danach steht die Clubführung auf dem Rasen des Signal-Iduna-Parks, Präsident Reinhard Rauball und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sprechen über das Stadionmikrofon zu den Zuschauern. Die Mannschaft befinde sich in „gewisser Schockstarre“, sagt Watzke mit ernster Miene. Die Spieler von AS Monaco versuchen, die Erlebnisse mit einem Training zu bewältigen. Noch um halb zehn spielen sie sich Pässe unter Flutlicht auf dem Platz zu, auch hier ist die Atmosphäre vor inzwischen leeren Rängen gespenstisch.

Ernstzunehmender Angriff

Die Polizei geht nach den Explosionen am Mannschaftsbus von „einem Angriff mit ernstzunehmenden Sprengsätzen aus“. Das teilte die Behörde mit: „Die Sprengsätze könnten in einer Hecke in der Nähe eines Parkplatzes versteckt gewesen sein.“ Über Hintergründe der Tat war zunächst nichts bekannt. „Das waren keine Silvesterböller, was die Sache für uns nicht einfacher macht“, sagte Gunnar Wortmann von der Polizei Nordrhein-Westfalen.

Auch beim Teamhotel hat die Polizei einen verdächtigen Gegenstand entdeckt. Was genau gefunden wurde und ob der Fund mit den Explosionen in Verbindung steht, wurde nicht mitgeteilt. Die Polizei hatte die Umgebung des Teamhotels der Dortmunder zur Spurensicherung mit einer Drohne abgesucht. Die Ermittlungen der Polizei gehen in Richtung eines gezielten Anschlags. Bisher gibt es jedoch keine Hinweise, dass es sich um einen Terroranschlag handeln könnte.

Heute soll gespielt werden

22 Stunden nach dem eigentlich vorgesehenen Anstoß soll die Partie nun heute um 18.45 Uhr beginnen. Das Geschäft muss weitergehen, der Terminkalender ist eng, am Samstag soll in Dortmund bereits das BL-Duell mit Frankfurt stattfinden. „Ich bin der Auffassung, dass die Spieler das wegstecken können und in der Lage sind, morgen ihre Leistung abzurufen“, sagt Rauball. Zunächst geht es für die Spieler zu ihren Familien nach Hause – wer sich einzeln auf den Weg macht, wird von der Polizei begleitet.

Die ganze Mannschaft ist in einer Schockstarre. Solche Bilder bekommst du nicht aus dem Kopf. In so einer Krisensitua-tion rücken alle Borussen zusammen. 
               Hans-Joachim Watzke,  BVB-Geschäftsführer

Die ganze Mannschaft ist in einer Schockstarre. Solche Bilder bekommst du nicht aus dem Kopf. In so einer Krisensitua-tion rücken alle Borussen zusammen.

Hans-Joachim Watzke,
BVB-Geschäftsführer

Der Bus bog auf die Hauptstraße ein, als es einen Riesenknall gab – eine regelrechte Explosion. Wer konnte, hat sich im Bus geduckt und sich auf den Boden gelegt. Wir wussten ja nicht, ob noch mehr passiert. 
               Roman Bürki, BVB-Torhüter

Der Bus bog auf die Hauptstraße ein, als es einen Riesenknall gab – eine regelrechte Explosion. Wer konnte, hat sich im Bus geduckt und sich auf den Boden gelegt. Wir wussten ja nicht, ob noch mehr passiert.

Roman Bürki, BVB-Torhüter

Die Spieler werden das wegstecken. Es wäre das Schlimmste, wenn diejenigen, die den Anschlag verübt haben, jetzt noch damit etwas erreichen. 
               Reinhard Rauball,  BVB-Präsident

Die Spieler werden das wegstecken. Es wäre das Schlimmste, wenn diejenigen, die den Anschlag verübt haben, jetzt noch damit etwas erreichen.

Reinhard Rauball,
BVB-Präsident

Wenn es einen direkten Angriff auf den Bus gab, dann ist das nicht weg. Das ist mental und psychisch nicht zu verkraften. Das hat ganz schöne Ausmaße.  
               Steffen Freund,  Ex-BVB-Spieler

Wenn es einen direkten Angriff auf den Bus gab, dann ist das nicht weg. Das ist mental und psychisch nicht zu verkraften. Das hat ganz schöne Ausmaße.

Steffen Freund,
Ex-BVB-Spieler

Schockierende Nachricht. Unsere Gedanken sind beim BVB. You’ll never walk alone! 
               Heiko Maas, Deutschlands Bundesjustizminister

Schockierende Nachricht. Unsere Gedanken sind beim BVB. You’ll never walk alone!

Heiko Maas, Deutschlands
Bundesjustizminister