Kult-Coach Gerhard Kießling ist tot

12.04.2017 • 19:48 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Verstarb im Alter von 94 Jahren: Gerhard Kießling. Foto: vn
Verstarb im Alter von 94 Jahren: Gerhard Kießling. Foto: vn

Der deutsche Eishockeytrainer führte den EHC Lustenau in der Bundesliga zu Platz drei.

Schwarzach. (VN-ko) Der Eishockeysport trauert um Gerhard Kießling. Der ehemalige DDR-Auswahlspieler und -Trainer verstarb am vergangenen Freitag im Alter von 94 Jahren.

Kießling hinterließ auch in Vorarlberg Spuren. Am
9. April 1984 wurde er vom EHC Lustenau als Trainer vorgestellt. Nach der Saison verließ er die Sticker in Richtung Innsbruck, um im Jänner 1986 für eine weitere Saison zurückzukehren.

Viele Episoden begleiten die Tätigkeit von Kießling in Lustenau. „Er hat seinerzeit selbst bei uns angerufen und sich als Trainer angetragen“, erinnert sich Geschäftsführer Werner Alfare. „Wir hatten damals auch mit Bill Gilligan, der in Chur arbeitete, verhandelt, haben uns dann für Kießling entschieden.“ Erste Amtshandlung war die Reise einer vierköpfigen EHC-Delegation nach Kanada, um neue Legionäre zu verpflichten. Mit Mike Shea, Jim Bissett und Steven Stockman wurden noch vor Ort die Verträge abgeschlossen.

Neuer Schwung

Geschäftstüchtig war Kießling ebenfalls. Weil dem Deutschen die Klubjacke zu dünn ausgefallen war, organisierte er beim damaligen Sponsor Head eigenhändig 22 warme Daunenjacken. Die mussten dann von den Spielern bei ihm zu Hause abgeholt werden – dabei rief er noch bei jedem Schützling die Saisonerwartungen ab. Stars waren nur Schall und Rauch, fielen ebenfalls in Kießlings Lieblings-Kategorie „Ochsen.“ Vor zwei Jahren war Kießling beim EHC-Jubiläum eingeladen, sagte aber aus gesundheitlichen Gründen ab. „Ich habe ab und zu mit Sohn Udo Kontakt“, erzählt Präsident Herbert Oberscheider, neben Franz Kullich oder Rocky Hofer einer der heimischen Akteure, die unter dem Kult-Coach spielten. „Er hat neuen Schwung in den Klub gebracht“, weiß Oberscheider. So wurde der spätere Meister KAC in der Rheinhalle zweistellig abgefertigt. „Wir wurden damals in der Bundesliga Dritter, sind bis heute der beste Aufsteiger.“