Stattlicher Mann mit Pioniergeist

12.04.2017 • 15:56 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Prüfender Blick: Landessportkommissar Emil Doppelmayr (l.) neben dem Nürnberger Sieger des 1. Dornbirner Achrain-Bergrennens 1930, Vallier, auf einem 500-ccm-Triumph-Rennmotorrad.
Prüfender Blick: Landessportkommissar Emil Doppelmayr (l.) neben dem Nürnberger Sieger des 1. Dornbirner Achrain-Bergrennens 1930, Vallier, auf einem 500-ccm-Triumph-Rennmotorrad.

Der Wolfurter Maschinenfabrikant war auch als Sportfunktionär sehr aktiv.

Schwarzach. Vor exakt 50 Jahren (am 12. April 1967) verstarb, 77-jährig, mit Ingenieur Emil Doppelmayr nicht nur der Erbauer des ersten Schleppliftes 1937 in Zürs, sondern auch ein großer Förderer des aufkommenden Motor- und Segelflugsports in der Zwischenkriegszeit. Emil wurde am 9. November 1889 in Hard als erstes von insgesamt drei Kindern des Gründers des heutigen Seilbahnherstellers Doppelmayr, Konrad Doppelmayr, geboren. Ende 1910 trat Emil in den väterlichen Betrieb (damals noch eine mechanische Werkstätte) in Wolfurt-Rickenbach ein. Am 1. August 1914, am ersten Mobilmachungstag des Ersten Weltkriegs, musste der damals 24-Jährige in Brixen einrücken. Nach zweieinhalb Jahren Dienstleistung an der Front wurde er als Metallarbeiter der Elektra in Bregenz zugeteilt, wo er sich später bis zum Betriebsleiter hocharbeitete. Im Juni 1919 erfolgte die Heimkehr nach Wolfurt und bald gelang es Emil Doppelmayr, die väterliche Firma, die er 1928 übernahm, zu vergrößern und sie vor allem über die schweren Nachkriegsjahre hinüberzuführen. Tochter Elfriede Böhler (93) erinnert sich an ihren Vater: „Papa war schon ob seiner stattlichen Körpergröße von 1,90 Metern eine Respektperson. Er führte ein strenges Regiment, war aber stets loyal zu den Arbeitern und sehr liebevoll zu uns Kindern. Er war am Morgen der Erste, der die Firma aufsperrte und am Abend oft der Letzte, der das Büro verließ.“

Präsident und Sportkommissar

Trotz der vielen Arbeit verschloss sich Doppelmayr nicht den Aufgaben, die die Öffentlichkeit neben seiner beruflichen Tätigkeit an ihn stellte. So bekleidete er vier Jahre lang das Amt des Turnwartes im Turnverein Wolfurt und 1923 gehörte er neben dem Dornbirner Eugen Raab zu den Gründungsmitgliedern des Vorarlberger Automobil-Clubs (VAC). Dort gab es neben den wirtschaftlichen Tätigkeiten sehr rasch auch sportliche Belange zu vertreten. So hatte z. B. anlässlich der „Österreichischen Alpenfahrt 1925“ der Club während der Fahrt des Trosses durch Vorarlberg einige Betätigungen. Doppelmayr arbeitete damals im Organisationskomitee mit. Später widmete er sich besonders der Förderung des aufkommenden Ländle-Motorsports, sodass er 1926 in die Motorsportkommission des VAC berufen wurde. Von diesem Zeitpunkt an gehörte er zu den eifrigsten Ausschussmitgliedern und bekleidete sogar von 1935 bis 1938 das Amt des Clubpräsidenten, welches er von Otto Zumtobel übernahm. Es war seinen Bemühungen zu verdanken, dass der VAC neue Mieträume in der Riedgasse 21 in Dornbirn erhielt, wo der Club 24 Jahre verblieb.

Rennleiter bei Arlberg-Rennen

Unter seiner unermüdlichen Tätigkeit als Präsident wurde der VAC weitgehend ausgebaut. Die beiden großen Arlberg-Bergrennen 1927 und 1928 waren vor allem der Arbeitsfreude Doppelmayrs zu verdanken. 1928 fungierte er sogar als Rennleiter dieser Veranstaltung! Auch bei der Gründung der einzelnen Motorfahrersektionen des Clubs war er federführend und überwachte als Landessportkommissar bei diversen Motorradrennen, wie z. B. den Pfänder- oder Achrain-Bergwertungsfahrten Anfang der 1930er-Jahre, die Einhaltung des Regelwerks. 1938 wurde der VAC nach dem Anschluss an das Deutsche Reich aufgelöst. Unter dem Druck der damaligen Vorkriegsverhältnisse musste der VAC dem Bevollmächtigten in Wien sein ganzes Barvermögen in Höhe von 60.000 Schilling, welches fast zur Hälfte wertsicher in Goldhypothekenpfandscheinen angelegt war, abführen.

Mit Beendigung des Zweiten Weltkriegs wurde auch Doppelmayrs Betrieb sofort geschlossen. Die Franzosen beschlagnahmten sämtliche Maschinen und auch das einzige noch verbliebene Firmenauto. Doch es gelang ihm, rasch wieder einen Musterbetrieb aufzubauen, dessen Qualitätserzeugnisse sich schnell wieder in Europa und Übersee großer Beliebtheit erfreuten. Und als auch der Vorarlberger Automobil-Club seine Tätigkeit wieder aufnahm, war es für den Altpräsidenten selbstverständlich, dass er beim Wiederaufbau des Clubs – nun Vorarlberger-Auto-Touring-Club (VATC) – eifrig mithalf.

Im Jahre 1948 hatte der damalige Sekretär Dr. Helmut Lanzl aus Dornbirn die Broschüre „Das Kraftfahrwesen in Vorarlberg“ herausgegeben, in dem er auf die Leistung Doppelmayrs für den Motorsport wie folgt einging: „Er war ein umsichtiger Wegbereiter des Kraftfahrwesens. Man kann ruhig sagen, dass speziell der motorsportliche Aufschwung in Vorarlberg seinen Bemühungen zuzuschreiben war. Er fehlte bei keinem Anlass, bei dem es galt, die Motorfahrer zu fördern.“ Interessant war auch, dass sich der VAC in der Zwischenkriegszeit unter der Präsidentschaft von Doppelmayr auch des Flugwesens im Land annahm. Als sich der Flugsport zu entwickeln begann, fehlte damals diesem jungen Sport ein Verband, der sich helfend und stützend hinter ihn gestellt hätte. Da nahm sich der VAC auch des Flugsports, speziell der Segelfliegerei, an und unterstützte die aufkommenden Gruppen mit Rat und Tat, womit Doppelmayr auch als Präsident des Aero-Clubs neben den Motor- auch die Belange der Flugsportler vertrat.

Die Begeisterung geerbt

Auch Emil Doppelmayrs einziger Sohn Artur (94), der das Seilbahnunternehmen nach dem Tod seines Vaters weiterführte und zum Weltmarktführer machte, versuchte sich kurz bei regionalen Rennsport-Veranstaltungen. So bestritt er u. a. mit einem Ford-Mercury die „Bödele-Bergwertungsfahrt 1960“, die „Silvretta-Rallye 1964“ oder die „1. Vorarlberg-Rallye 1964“, die damals im Anschluss an die Semperit-Rallye gestartet wurde, von Bregenz nach Schwarzenberg führte und anschließend eine Bergprüfung auf der neuen Straße von Schwarzenberg aufs Bödele beinhaltete.

Arturs Sohn Michael (58), Vorstand und Miteigentümer in vierter Generation, sagt ebenfalls, dass er die Motorsportbegeisterung seines Großvaters Emil vererbt bekommen hat: „Diese Gene habe ich definitiv mitbekommen.“ So bestritt Michael Doppelmayr in seiner eigenen aktiven Sportkarriere knapp 20 Rallyes. Höhepunkt war die Teilnahme an der 1000-Seen-WM-Rallye in Finnland, 1991. Mit Beifahrer Hans-Peter Köhle schaffte das Ländle-Duo mit einem 160 PS-starken Golf GTi 16V (einem Ex-Auto von Raimund Baumschlager) immerhin den 73. Gesamt- und zwölften Klassenrang in der Gruppe A. Heute lagert er noch einige rare Autos und betreibt nebenbei in Hohenems einen Autohandel mit Oldtimern.

Ich habe die Motorsportbegeisterung von meinem Opa definitiv weitervererbt bekommen.

Michael Doppelmayr
Förderer der Flug- und Motorsportler: Emil Doppelmayr.
Förderer der Flug- und Motorsportler: Emil Doppelmayr.
Historisches Bilddokument von 1925 – Linksfahrordnung – anlässlich der österr. Alpenfahrt mit Doppelmayr (r.) beim Kontrollpunkt St. Christoph.
Historisches Bilddokument von 1925 – Linksfahrordnung – anlässlich der österr. Alpenfahrt mit Doppelmayr (r.) beim Kontrollpunkt St. Christoph.