Für Frauenlaufsport auf die Barrikaden

14.04.2017 • 15:31 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Nach zwei Meilen versuchte Renndirektor Jock Semple Kathrine Switzer die Startnummer abzureißen. Allerdings wurde der Übeltäter von Switzer´s Freund, dem ehemaligen Footballer Tom Miller (Startnummer 390) weggecheckt und Switzer kam nach 4:20 Stunden ins Ziel.  Fotos: Hagen Hopkins
Nach zwei Meilen versuchte Renndirektor Jock Semple Kathrine Switzer die Startnummer abzureißen. Allerdings wurde der Übeltäter von Switzer´s Freund, dem ehemaligen Footballer Tom Miller (Startnummer 390) weggecheckt und Switzer kam nach 4:20 Stunden ins Ziel. Fotos: Hagen Hopkins

Kathrine Switzer sorgte beim Boston-Marathon 1967 für Schlagzeilen. Heuer startet sie beim Bodensee-Frauenlauf.

Bregenz. (VN-mm) Kathrine Switzer: Ihr Name ist untrennbar mit dem Boston-Marathon verbunden. Am 19. April 1967 probte die in Amberg als Tochter eines Majors der United States Army in Deutschland zur Welt Gekommene mit gerade einmal 20 Jahren den Aufstand gegen einen damals noch männerdominierten Laufsport. Mit der offiziellen Startnummer 261 mischte sich Switzer unter die Marathon-Elite und ließ sich nicht einmal von einem äußerst rabiaten Rennleiter von der Strecke drängen. Mit ihrem unbändigen Willen, allen zu zeigen, dass auch Frauen im Ausdauersport bestehen können, setzte sie im wahrsten Sinne des Wortes einen Meilenstein. „Die Läufer haben gratuliert, fanden es klasse. Einige Journalisten waren wütend, weil sie fürchteten, dass Frauen in eine Männerdomäne einbrechen. Andere Journalisten hingegen schrieben wunderbare Geschichten über mich.

Interessant waren die Zuschauer: Die Hälfte liebte mich, die andere Hälfte hasste mich, neutral war keiner“, schildert Switzer einige Jahre später ihre Eindrücke im Ziel.

Fünfzig Jahre später ist Kathrine Switzer immer noch aktiv. Und immer noch ist die Startnummer 261 ihr Markenzeichen. Die wird sie auch beim 8. Bodensee-Frauenlauf am 27. Mai in Bregenz tragen. „Das ist unser Geschenk an sie“, verraten Patricia Zupan und Verena Eugster, die Organisatorinnen des mittlerweile zweitgrößten Frauenlaufs in Österreich.

Entwicklung beobachtet

Schon vor einigen Jahren haben die engagierten Organisatoren des Bodensee-Frauenlaufs bei Switzer um einen Besuch angefragt. „Damals hat es leider nicht geklappt“, erzählt Eugster. Doch Switzer hat die Entwicklung des Bodensee-Frauenlaufs offenbar sehr genau mitverfolgt. Denn diesmal war es ihr Management, das auf Patricia Zupan und Verena Eugster zugekommen ist und das Angebot eines Gastspiels gemacht hat. Eine Zusage brauchten sich die beiden nicht lange zu überlegen. „Es ist wirklich toll, dass es endlich funktioniert“, sagt Eugster. Die Teilnahme der Bostoner Marathon-Legende sieht sie aber auch als Zeichen der Anerkennung für die Veranstaltung sowie die Tausenden von Frauen, die alle Jahre wieder mit wachsender Begeisterung die Laufschuhe schnüren. Die seit 1987 mit dem neuseeländischen Literaturprofessor und Läufer Roger Robinson verheiratete und in New York und Wellington lebende Switzer reist extra nur für den Frauenlauf an den Bodensee. Sie zeigt sich gespannt: „Ich freue mich sehr, erstmals beim Bodensee-Frauenlauf dabei zu sein und diese besondere Stimmung mit so vielen Frauen teilen zu können.“ Switzer wird auf eigenen Wunsch die klassische Frauenlauf-Distanz über fünf Kilometer absolvieren. Und mit Sicherheit werden dabei Erinnerungen an ihren legendären Auftritt in Boston vor 50 Jahren wach. Zu gut sind bei vielen die Bilder noch im Kopf, die zeigen, wie ein wutentbrannter Rennleiter versuchte, die junge Frau von der Straße zu zerren. Doch die US-Amerikanerin ließ sich nicht beirren und beendete ihren Lauf. „Sie setzte damit ein wichtiges Zeichen der Gleichberechtigung“, meint Verena Eugster.

Soziale Revolution

Kathrine Switzer selbst sah in ihrer Aktion eine Art der sozialen Revolution: „Was vor 50 Jahren ein dramatischer Vorfall war, wurde letztendlich zu einem richtungsweisenden Moment für mich und für Läuferinnen auf der ganzen Welt.“ Mit der Teilnahme von Switzer gewinnt der Slogan „Ohne Frauen läuft nichts“ noch mehr an Bedeutung. „Es ist wichtig, dass wir Frauen Mut beweisen und ein starkes Signal setzen“, bekräftigen Zupan und Eugster. Aus genau diesem Grund sei beim Bodensee-Frauenlauf jede Frau eine Siegerin. Denn: „Egal ob Hobbyläuferin, Genusswalkerin oder Laufanfängerin: Wir laufen gemeinsam mit viel Spaß und Begeisterung.“ Übrigens: Erst 1972 wurden beim Boston-Marathon auch Frauen zugelassen und 1984 liefen Frauen in Los Angeles zum ersten Mal einen olympischen Marathon.

Kathrine Virginia „Kathy“ Switzer und ihre legendäre Startnummer.
Kathrine Virginia „Kathy“ Switzer und ihre legendäre Startnummer.

Auf der Website
http://kathrineswitzer.com
sind alle Infos zu finden.