„Warum nicht Champions League?“

14.04.2017 • 15:48 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Die Erfolgsgaranten: Ysaura Viso Garrido, Trainer Bernhard Summer, Torfrau Nathalie Bachmeier, Sarah Schneider, Obmann Reinhard Niederländer und Yaribeth Ulacio. Fotos: Sams
Die Erfolgsgaranten: Ysaura Viso Garrido, Trainer Bernhard Summer, Torfrau Nathalie Bachmeier, Sarah Schneider, Obmann Reinhard Niederländer und Yaribeth Ulacio. Fotos: Sams

Als reiner Frauenfussballklub will der FFC Vorderland noch hoch hinaus.

Röthis. Nach Austria Lusten­au (2011, 0:2 gegen Ried) hat der FFC fairvesta Vorderland als zweite Vorarlberger Fußballmannschaft die große Chance, sich ein Ticket für das Endspiel im Rahmen des ÖFB Ladies-Cups 2016/2017 zu sichern. Nur noch einen Sieg sind die Vorderländer-Kickerinnen von der Pokalfinalteilnahme entfernt. Zum fünfjährigen Bestehen des noch jungen rein Vorarlberger Frauenfußballklubs tanzt man in dieser Saison noch auf drei Hochzeiten und hat u. a. den Aufstieg in die 1. Frauen-Bundesliga im Visier. Neben der Etablierung in der höchsten Frauenspielklasse Österreichs strebt FFC Vorderland die Teilnahme an der Frauen-Champions-League an. Die VN sprachen vor dem Pokalhit am Ostermontag um 11 Uhr in Röthis mit FFC-Vorderland-Obmann Reinhard Niederländer (46) über die Gründung, die Probleme, die Ausgangslage vor dem Cup-Halbfinale und das Duell um den BL-Aufstieg.

Wie kam es zur Gründung eines reinen Frauenvereins?

NIEDERLÄNDER: Die Initialzündung hat ein Schweizer Trainer bei einem Testspiel gegen das Frauenteam aus Sulz gemacht. Ein bestehendes OK-Team beim FC Sulz, welches sich um den Frauenfußball kümmerte, hat ein eigenes sportliches Konzept erstellt und ist auf das große Risiko eingegangen. Bei der Neugründung des FFC Vorderland hat sich sofort Fairvesta mit Geschäftsfüher Otmar Knoll bereit erklärt, als mehrjähriger Hauptsponsor zu agieren und so konnten wir auf gesunder finanzieller Basis voll durchstarten. Ein eigener Vorarlberger Frauenfußballverein war immer schon unser Wunschtraum. Wir konnten alle Spielerinnen vom FC Sulz übernehmen, das war natürlich schon eine gute Ausgangsbasis für den Start. FC Sulz hat uns keine Steine in den Weg gelegt.

Wer war alles dabei und was waren die Ziele, die ausgegeben wurden?

NIEDERLÄNDER: Der damalige Sulz-Frauentrainer Walter Weiss, Funktionär Ewald Bachmann und ich haben in den Anfangsstadien Unglaubliches erledigt und ich denke, wir sind auf einem guten Weg. Wir wollten, dass jede Frau im Raum Vorderland Fußball spielen kann, wenn sie es auch will. Wir als Verein bieten Breiten- und Spitzensport an. Unser erstes Ziel, Aufstieg in die 2. Frauen Bundesliga Mitte/West haben wir schon erreicht. Doch wir denken schon weiter und haben neue Ziele, neue Träume: Etablierung in der 1. Frauen-Bundesliga und die Teilnahme an der Frauen Champions League. Die erste Mannschaft soll so stark werden, dass auch der ÖFB unsere Spiele beobachtet und wir Teamspielerinnen hervorbringen. Natürlich ist mir bewusst, dass uns anfangs viele nur belächelt haben. All das aber hat uns zusätzlich angespornt.

Wie sind Sie mit der Entwicklung zufrieden, wie groß ist der Zuspruch?

NIEDERLÄNDER: Es ist einfach eine fantastische Entwicklung im Verein spürbar. Jedes Jahr feiern wir mit zumindest einer der drei Mannschaften einen Meistertitel. Die Vereinsphilosophie kommt zum Tragen und die Weiterentwicklung der jungen Eigenbauspielerinnen zeigt steil bergauf. Viele junge Spielerinnen wollen zu uns. Wir spüren einen regelrechten Boom. Derzeit sind es 70 Aktive. Die Qualität in der ersten Kampfmannschaft ist groß und doch wissen wir, dass wir noch Luft nach oben haben.

Jetzt wartet das erste Highlight, ÖFB-Frauen-Cuphalbfinale. Was ist Ihre Erwartung?

NIEDERLÄNDER: Wir sind große Außenseiter. Trotzdem hoffen wir auf eine Riesenüberraschung an Ostern. In diesem Spiel kann unsere Mannschaft viel Erfahrung sammeln. Nach dem Spiel werden wir wissen, wo der Hebel anzusetzen ist. Der Pokal schreibt jedoch eigene Gesetze. Und zum Jubiläum wäre eine Sensation ein willkommenes Geburtstagsgeschenk (schmunzelt). Wir haben mit der Meisterschaft und dem VFV Cup noch zwei weitere Möglichkeiten auf Titel. Vor allem der erstmalige heimische Pokalsieg wäre eine Genugtuung.

In der Meisterschaft gibt es ein Vorarlberger Duell um den Aufstieg – Rankweil oder Vorderland, wer schafft es?

NIEDERLÄNDER: Natürlich hoffe ich, dass wir es schaffen und die zwei Relegationsspiele bestreiten können. Die bessere Ausgangsbasis hat aber Gegner Rankweil. Wir dürfen uns keinen Umfaller mehr leisten, sind stark unter Zugzwang. Doch ich habe großes Vertrauen in den Trainerstab und die Mannschaft, dass wir im Entscheidungssspiel am Muttertag gegen Rot-Weiß die Nase vorne haben werden.

Bei einem Aufstieg in die 1. Bundesliga? Gibt es schon Planungen? Finanziell, personell?

NIEDERLÄNDER: Nach dem Gewinn des Herbstmeistertitels hatten wir schon mehrere Gespräche im Vorstand und auch mit der Mannschaft. Sollte uns der Husarenritt gelingen, würden wir mit einem Großteil der jetzigen Mannschaft das Unternehmen 1. Bundesliga in Angriff nehmen. Unser Wunsch wäre es dann aber auch, dass Spielerinnen wie Veronika Vonbrül neu zu uns stoßen. Aber natürlich wollen wir auch unseren Nachwuchs miteinbeziehen. Bestes Beispiel ist Sarah Schneider, die nun im Frühjahr fix der Einser-Startelf auf der linken Mittelfeldposition angehört. Ihr gelang der Sprung vom 1b in die Bundesliga-Truppe. Die Spanierin Sheila Sanchez Pose ist in Vorarlberg inzwischen berufstätig und wird bei uns bleiben. Die beiden Nationalspielerinnen aus Venezuela, Ysaura Viso Garrido und Yaribeth Ulacio, waren für uns ein reiner Glücksgriff. Die beiden Legionärinnen sind auf Au pair in Röthis. Ob sie auch nächste Saison bei uns bleiben, steht deshalb noch in den Sternen.

Was sind die Wünsche und Ziele für den Jubilar FFC Vorderland?

NIEDERLÄNDER: Bis 2022 hat Hauptsponsor Fairvesta den Vertrag verlängert, das gibt uns die Möglichkeit, weiter an unseren Zielen zu arbeiten. Die jetzige Kampfmannschaft ist meines Erachtens schon bundesligareif. Der Wunsch nach einem eigenen Klubraum und einer noch besseren Trainingsstätte ist allgegenwärtig. Ich möchte aber auch betonen, dass wir uns in Röthis wohlfühlen, auch wenn die Trainingsmöglichkeiten besser sein könnten. Der Fußballklub und die Gemeinde haben uns das Spielfeld an der Mittelschule Sulz-Röthis zur Verfügung gestellt. Allerdings entspricht dieses nicht den Richtlinien für ein genehmigtes Spielfeld. Vielleicht können wir zusammen mit dem SC Röthis bald einen weiteren Trainingsplatz realisieren.

Zur Person

Reinhard Niederländer

Seit der Gründung von FFC fairvesta Vorderland vor fünf Jahren ist der Röthner Obmann des Frauenfußballvereins

Beruf: kaufmännischer Angestellter in Liechtenstein

Alter: 46

Familie: verheiratet mit Edith, Töchter Johanna (22), Emma (16)