Die tragischen Bayern-Helden

19.04.2017 • 21:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auch Bayern-Trainer Carlo Ancelotti, im Bild bei der Verabschiedung, fand keine schönen Worte für die Leistung der Unparteiischen. Foto: afp
Auch Bayern-Trainer Carlo Ancelotti, im Bild bei der Verabschiedung, fand keine schönen Worte für die Leistung der Unparteiischen. Foto: afp

Ungeachtet der Wut über die Leistung der Unparteiischen warten auf die Münchner große Herausforderungen.

Madrid. Es war nach dem 2:4 n. V. von Bayern München bei Real Madrid durchaus berechtigt, Schiedsrichter Viktor Kassai hart zu kritisieren. Denn das Niveau des Ungarn hatte am Dienstagabend wenig mit Champions League zu tun. Dass er zwei Abseitstore von Real übersah und Arturo Vidal unberechtigterweise erst in der 84. Minute – und nicht schon viel früher – Gelb-Rot zeigte, hatte massiven Einfluss auf das Spiel. Doch die Bayern vergaßen bei ihren Tiraden gegen den 41-Jährigen, dass auch sie beim 2:1, das erst die Verlängerung brachte, begünstigt worden waren.

Real-Kader ist besser

Wie auch immer: Es war für die Bayern nach einem Spektakel ohne Happy End auf jeden Fall ein Thema, mit dem sich trefflich von den eigentlichen Problemen ablenken ließ. Und sollten sich die Gemüter demnächst einmal beruhigt haben, müssen die Münchner nüchtern feststellen, dass das CL-Aus durchaus verdient war. Der deutsche Rekordmeister hatte sogar Glück, dass Real mit seinen Chancen in der zweiten Halbzeit in München und der ersten in Madrid so fahrlässig umgegangen war – sonst hätte es Diskussionen um den Schiedsrichter nämlich erst gar nicht gegeben. Real und Cristiano Ronaldo waren unter dem Strich dieses Mal einfach cleverer.

Es kommt auch nicht von ungefähr, dass jetzt bereits zum vierten Mal in Serie ein spanisches Spitzenteam spätestens im Halbfinale eine Nummer zu groß war. Diesmal fehlte den Münchnern manchmal der Glaube, teilweise eine bessere Strategie, auch das nötige Glück, dass zum richtigen Zeitpunkt alle Stars fit sind – vor allem aber fehlte Klasse.

Da können die Bayern noch so sehr von ihrem Luxus-Kader schwärmen, königlich wie bei Real ist dieser eben nicht. Das wurde in den beiden Duellen deutlich. Es gibt trotz Robert Lewandowski eben keinen Ronaldo. Es gibt vor allem keinen Ersatz für Lewandowski und auch nicht für die alternden Stars Franck Ribéry und Arjen Robben.

Real musste Gareth Bale ersetzen, aber Isco stach ihn sogar aus. Auch einen Marco Asensio oder Lucas Vázquez haben die Bayern nicht – Douglas Costa oder Kingsley Coman spielen nicht in der Liga. Nun hören noch Philipp Lahm und Xabi Alonso auf. Gut, der Spanier war gegen Real auch nicht auf der Höhe, aber ein tiefer Einschnitt wird das Karriereende der zwei Weltmeister bei den Bayern durchaus. Dass die bereits verpflichteten Niklas Süle und Sebastian Rudy, Joshua Kimmich oder Renato Sanches diese Lücken schließen können, ist fraglich. Der nötige Umbruch erfordert Geduld, die die Münchner eher selten aufbringen.

Schwere Zeiten warten

Für Trainer Carlo Ancelotti wird es eine schwere Aufgabe, die Bayern in die Zukunft zu führen. Seine Aura hat Kratzer abbekommen. Den Ruf, dass seine Teams gerade im Frühjahr glänzen, konnte er in München (noch) nicht bestätigen.

Aber nicht nur Ancelotti ist gefordert. Jetzt können und müssen Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge beweisen, dass sie auch ohne einen Sportdirektor oder Sportvorstand die richtigen Entscheidungen treffen. Definitiv ist: Es warten schwere Wochen auf die Bayern. Das nationale Double, das sie wohl wieder gewinnen werden, ist allenfalls der Trostpreis.