Protestbrief an den Sportminister

20.04.2017 • 18:52 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Bernadette Mennel und Michael Zangerl im Gespräch mit den VN über Fußball, Rodeln und eine Traglufthalle für den Schwimmverband.  Foto: VN/Paulitsch
Bernadette Mennel und Michael Zangerl im Gespräch mit den VN über Fußball, Rodeln und eine Traglufthalle für den Schwimmverband. Foto: VN/Paulitsch

Sportlandesrätin Mennel hat mit fünf Kollegen an Hans Peter Doskozil geschrieben.

Bregenz. Das geplante Sportförderungsgesetz ist nicht jener große Wurf, den sich Sportlandesrätin Bernadette Mennel erhofft hat, erklärt sie im VN-Interview. Sie und der Leiter des Sportreferats, Michael Zangerl, sprechen zudem über das Olympiazentrum, Infrastrukturwünsche der Verbände und schildern, wie es mit dem Sportgymnasium weitergeht.

Haben Sie aus der Sportstrategie 2020 schon etwas umgesetzt?

Mennel: Die Sportstrategie enthält 38 Projekte. Elf haben wir innerhalb eines Jahres umgesetzt. Das ist beachtlich, finde ich.

In der Strategie ist von Kernsportarten die Rede. Welche sind das?

Zangerl: Wir haben 52 Fachverbände. Sieben sind als Leistungszentrum definiert, das sind die Kernsportarten: Fußball, Judo, Karate, Schießen, Skiverband, Tennis und Turnen. Dann gibt es 13 Verbände mit Leistungsmodellen, der Rest sind Basisverbände. Da wollen wir die Förderungen so einfach wie möglich halten.

Was sind Kernsportarten?

Zangerl: Sie sind im Olympiazentrum angesiedelt. Da befinden wir uns im Spitzensport und die Verbände müssen Kriterien erfüllen. Etwa, wie der Verband aufgestellt ist, ob gute Leistungen zu erwarten sind und ob die Sportart zu uns passt.

Mit der Sportstrategie hat die Politik also die Möglichkeit, in den Sport einzugreifen.

Zangerl: Mit den Leistungszentren haben wir in diesem Jahr erstmals Fördervereinbarungen geschlossen, die darin gesteckten Ziele werden jährlich besprochen. Nächstes Jahr wollen wir das auch mit den Leistungsmodellen tun.

Woran erkennt man den Unterschied zwischen dem alten Sportkonzept und der neuen Sportstrategie?

Zangerl: Zum Beispiel in der Leistungsoptimierung. Die Strategie ist der logische nächste Schritt, der vieles vereinfacht und sich auf wesentliche Dinge fokussiert. Auch Kooperationen spielen eine große Rolle, etwa bundesländerübergreifend. Die Olympiazentren wachsen zum Beispiel zusammen. Bernadette Mennel hat deshalb einen Brief an den Sportminister zum neuen Sportförderungsgesetz initiiert.

Worum geht es darin?

Mennel: Darum, dass die Olympiazentren die Unterstützung des Bundes wollen. Vieles im neuen Gesetz ist gut, einige Bereiche sehen wir aber kritisch. Das Land bezahlt das Olympiazentrum. Da erwarten wir, dass der Bund mitzahlt. Sportreferenten aus sechs Ländern haben unterschrieben. Kärntens Landeshauptmann Kaiser ist dabei, Tirol, Salzburg, Niederösterreich und Oberösterreich auch.

Das Gesetz soll bald beschlossen werden. Haben Sie eine Antwort bekommen?

Mennel: Nein. Aber am Mittwoch ist der Begutachtungsentwurf offiziell bei uns eingegangen, wir werden eine Stellungnahme abgeben. Das Gesetz stellt nicht den großen Wurf dar, den wir uns nach Gesprächen mit dem Minister erwartet haben.

Zurück nach Vorarlberg, Sportförderung beginnt ja in den Schulen …

Mennel: … wir haben 13 zertifizierte Bewegungskindergärten. Wir wollen Lehre und Spitzensport verbinden und haben zwei Stellen im Land geschaffen. Im Herbst beginnt in der Berufsschule in Bregenz ein entsprechender Jahrgang. Außerdem startet im Juni das Modell „Spitzensport und Studium“ und beim Sportgymnasium haben wir einen Entwicklungsprozess eingeläutet.

Wann fahren die Bagger auf?

Mennel: Das Sportgymnasium ist eine Bundesschule. Aber ein entsprechender Wettbewerb für den Bau soll noch vor den Sommerferien starten. Damit beginnt die konkrete Planungsphase.

Apropos Bagger. Altach und Lustenau brauchen Änderungen im Stadion. In St. Pölten wurde einfach ein neues gebaut. Geht das hier nicht?

Zangerl: Dort hat der Bund massiv Geld beigesteuert.

Mennel: Ins Altacher Stadion zahlt Wien keinen Euro. Für die neue Tribüne haben wir bereits Geld zugesagt. Aber Förderungen konkurrenzieren sich, es gibt nicht nur Altach, es gibt nicht nur Fußball. Wir unterstützen viele Sportstätten.

Auch eine Wälderhalle?

Mennel: Da spielen viele Faktoren mit. Es braucht die Raumplanung, es braucht Gemeindebeschlüsse. Wir kommen wieder ins Spiel, wenn die Widmungen und Beschlüsse erfolgt sind. Dann helfen wir natürlich.

Wie sieht es mit der Rodelbahn in Bludenz aus?

Mennel: Wir gehen davon aus, dass die Bahn 6,6 Millionen Euro kostet. Der Bund hat ein Drittel zugesagt, wir auch. Das sind 2,2 Millionen. Wir betreiben sie nicht, wir fördern nur.

Zangerl: Der österreichische Rodelverband steckt zu 90 Prozent in der Betreibergesellschaft. Die sucht nun Sponsoren. Übrigens, Finanzierungsentscheidungen können sehr schnell fallen. Denken Sie an die Schießhalle im Olympiazentrum.

Das Olympiazentrum platzt dennoch aus allen Nähten, die Verantwortlichen schielen ja auf die Wiese über der Straße.

Zangerl: Dieser Ort wird ein Wunsch bleiben, es gibt zu viele Eigentümer. Aber wir haben drei Varianten im Kopf. Den Rhythmischen ist die Turnhalle zum Beispiel zu niedrig. Der Kraftraum wird neu und groß, um ihn herum platziert sich die Sportmedizin. Da wird massiv umgebaut und aufgestockt, das gibt eine wirklich tolle Sache.

Können Sie uns die Pläne mitgeben?

Mennel: Nein, das können wir leider noch nicht. Es ist alles noch zu vage.

Welche aktuellen Wünsche haben die Verbände?

Mennel: Die Schwimmer haben zu wenig Wasserflächen.

Zangerl: Der Ball liegt beim Verband. Braucht es eine Traglufthalle, wenn am Ende ein paar Triathleten und fünf Schwimmer darin trainieren, aber kein Nachwuchstraining möglich ist? Der Verband liefert uns ein Konzept, dann schauen wir.

Der Skiverband hätte gerne eine Trainingsstrecke.

Mennel: Eine Strecke gibt‘s schon, und eine zweite kommt fix. Zunächst war Mellau im Gespräch, Riefensberg war auch schon Thema, momentan ist Alberschwende aktuell. Wir sind da offen, es liegt nicht an uns.

Es gibt nicht nur Altach, es gibt nicht nur Fußball. Wir unterstützen viele Sportstätten.

Bernadette Mennel