Heimische Trainer als rare Spezies

24.04.2017 • 20:53 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Reinhard Divis geht nicht nur die Arbeit mit Torhüter Bernhard Starkbaum akribisch an, er arbeitet auch an einem Trainingsbuch.  Foto: gepA
Reinhard Divis geht nicht nur die Arbeit mit Torhüter Bernhard Starkbaum akribisch an, er arbeitet auch an einem Trainingsbuch. Foto: gepA

Seit zwölf Jahren weder einheimische Teamchefs noch Club-Cheftrainer.

Kiew. Österreichische Trainer im Eishockey sind auf höchstem Niveau schon lange nicht mehr zu finden. In den vergangenen 37 Jahren gab es mit Herbert Pöck (2002 bis 2005) nur einen einzigen einheimischen Teamchef, vor zwölf Jahren hat mit Kurt Harand (Linz) das bis dato letzte Mal ein heimischer Trainer einen EBEL-Verein in die Saison geführt.

Nach dem Ende der Amtszeit von Walter Znenahlik als ÖEHV-Teamchef 1980 haben neben Pöck (2002 bis 2005) vier Kanadier, zwei Schweizer und jeweils ein Tscheche, Schwede, Amerikaner, Austro-Kanadier und nun ein Finne das rot-weiß-rote Nationalteam geführt.

Neuer Weg vor vier Jahren

Ähnlich trist aus heimischer Trainersicht ist die Bilanz bei den Clubcoaches. Seit nunmehr zwölf Jahren hat kein Verein mehr auf einen in Österreich aufgewachsenen Trainer gesetzt. „Nur fordern ist für mich zu wenig. Wir müssen zuerst die Qualität mitbringen, die richtige Ausbildung haben“, zeigte Teamchef-Assistent Markus Peintner im Gespräch mit der Austria Presse Agentur Verständnis und sprach indirekt Versäumnisse der Vergangenheit an. Der Verband sieht das mittlerweile ähnlich und hat sich vor vier Jahren zum Ziel gesetzt, das zu ändern. Sportdirektor Alpo Suhonen und der Ausbildungsleiter und nunmehrigen Teamchef Roger Bader erklärten die Ausbildung österreichischer Trainer zu einem Hauptziel.

Mittels Coaches Clinic wurden ab der Saison 2015/16 Trainer bei Vereinen und Landesverbänden instruiert, im Vorjahr wurde die Trainer­ausbildung neu aufgestellt. Am 1. Mai 2016 startete die neue Trainerausbildung mit 20 Ex-Teamspielern in den 14-monatigen Kurs, der heuer abgeschlossen wird. Die Ausbildung wird von der Bundessportakademie Wien in Kooperation mit dem finnischen Sportinstitut in Vierumäki und der Haaga-Helia Universität für angewandte Wissenschaft durchgeführt.

U. a. absolvieren die aktuellen Teamchef-Assistenten Reinhard Divis und Peintner, Rekordteamspieler Gerhard Unterluggauer, Herbert Hohenberger und Christoph Brandner, wie Divis Mitglieder des ÖEHV-Jahrhundertteams, den Kurs. „Wir müssen die Manager und Präsidenten überzeugen, dass wir gut genug sind. Ich will gar nicht so die Verantwortlichen bei den Vereinen kritisieren, die wollen erfolgreich sein. Wenn einer der Meinung ist, dass der Ausländer besser ist, wird er ihn verpflichten“, betonte Divis.

Eishockey

Die Nationaltrainer des Österreichischen Eishockeyverbands

Bis 1977 Walter Znenahlik

1980 bis 1986 Rudi Kilias (SUI)

1986 bis 1991 Ludek Bukac (CZE)

1991 bis 1996 Ken Tyler (CAN)

1996 bis 2002 Ron Kennedy (CAN)

2002 bis 2005 Herbert Pöck

2005 bis 2007 Jim Boni (CAN)

2007 bis 2009 Lars Bergström (SWE)

2009 bis 2011 Bill Gilligan (USA)

2011 bis 2014 Manny Viveiros (CAN/AUT)

2014 bis 2016 Dan Ratushny (CAN)

2016 Alpo Suhonen (FIN)

seit Oktober 2016 Roger Bader (SUI)