Hamilton macht Boden gut

Sport / 11.06.2017 • 22:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Lewis Hamilton (vorne) kommt beim Start sehr gut weg, links überholt Max Verstappen im Red Bull mit einem Blitzmanöver Ferrari-Ass Sebastian Vettel. Foto: reuters
Lewis Hamilton (vorne) kommt beim Start sehr gut weg, links überholt Max Verstappen im Red Bull mit einem Blitzmanöver Ferrari-Ass Sebastian Vettel. Foto: reuters

Start-Ziel-Sieg für den Mercedes-Star in Montreal vor Kollege Bottas, Vettel auf Platz vier.

Montreal. Mit einem breiten Siegerlächeln lauschte Lewis Hamilton der britischen Hymne und genoss die Wiederauferstehung von Mercedes im Titelkampf der Formel 1. Zeitgleich musste der große Rivale Sebastian Vettel seinen ersten echten Rückschlag in diesem bislang so erfolgreichen Ferrari-Jahr verdauen. Hamilton gewann den Großen Preis von Kanada souverän vor seinem Teamkollegen Valtteri Bottas, es war der erste Mercedes-Doppelsieg der Saison. Vettel wurde nach einem frühen Unfallschaden nur Vierter.

Falsche Zeit, falscher Ort

„Ich war in der ersten Kurve zur falschen Zeit am falschen Ort“, sagte ein bedienter Vettel über die Kollision mit Max Verstappen: „Danach ging nichts mehr, ich musste an die Box. Der Sieg war damit weg, das war klar. Aber ich habe am Ende eigentlich noch auf das Podium gehofft.“

Hamilton sprach von „sehr wertvollen Punkten, ich bin dem Team sehr dankbar und freue mich riesig“, sagte er. Noch vor zwei Wochen in Monaco war der Brite nur Siebter geworden. Durch seinen 56. Grand-Prix-Sieg verkürzte Hamilton den Rückstand auf WM-Spitzenreiter Vettel nun auf zwölf Punkte. Der Engländer triumphierte zehn Jahre nach seinem ersten Karrieresieg erneut auf dem Hochgeschwindigkeitskurs – nirgendwo gewann er öfter, nirgendwo scheint er sich wohler zu fühlen.

Der viermalige Champion Vettel verpasste hingegen seinen vierten Saisonsieg und musste auf dem Weg zu seinem fünften Weltmeistertitel einen unverschuldeten Dämpfer hinnehmen. Vor ihm wurde Daniel Ricciardo (Australien) im Red Bull Dritter.

Alle hatten auf dem Circuit Gilles Villeneuve mit einer Show der Mehrfach-Weltmeister Hamilton und Vettel gerechnet. Allerdings funkte Verstappen gleich am Start dazwischen und beschädigte bei einem kompromisslosen Überholmanöver Vettels Frontflügel so stark, dass dieser nach einer Saftey-Car-Phase an der Box gewechselt werden musste. Verstappen hielt sich allerdings nur einige Runden an Position zwei und fiel anschließend mit einem Defekt aus.

Während Montréal-Experte Hamilton vor seinem Teamkollegen Valtteri Bottas an der Spitze einsam und kontrolliert seine Runden drehte, musste sich Vettel vom letzten Platz mühsam durch das Feld nach vorne arbeiten und konnte seine schwächste Platzierung in diesem Jahr nicht mehr verhindern. Zuvor hatte es drei Siege und drei zweite Plätze gegeben. Nach 20 von 70 Runden hatte es der 29-Jährige zwar schon wieder in die besten Zehn geschafft, lag aber noch mehr als 45 Sekunden hinter Hamilton, der seinen siebten Platz aus Monaco vergessen machen wollte.

Souverän auf Supersoft

Hamilton gab seine Führung im Rennen auch nach seinem ersten Boxenstopp nicht ab. Der 32-Jährige wechselte von Ultrasoft auf Supersoft und fuhr Bottas und Co. erneut uneinholbar davon. Unterdessen fuhr Vettel, der bislang nur einmal in Montreal siegen konnte, weiter starke Zeiten und lag nach 42 Runden bereits auf Platz sechs.

20 Runden vor Schluss entschied die Scuderia, den viermaligen Weltmeister ein zweites Mal an die Box zu holen, um doch noch mit allen Mitteln die Podestplätze anzugreifen. „Du bist der Schnellste auf der Strecke, mach weiter so“, funkten die Ingenieure Vettel ins Cockpit. Für das Treppchen reichte es dennoch nicht mehr ganz. Auch, weil die beiden Force India mit Sergio Perez und Esteban Ocon lange mithielten und den Deutschen in seiner Aufholjagd blockierten.

Das waren sehr wertvolle Punkte, ich bin dem Team sehr dankbar.

Lewis Hamilton