Das Duell der beiden Giganten

Sport / 13.06.2017 • 20:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein enger Tanz um den Sieg: Porsche (l.) und Toyota sind ungefähr gleichauf.  Foto: apa
Ein enger Tanz um den Sieg: Porsche (l.) und Toyota sind ungefähr gleichauf. Foto: apa

Schafft Porsche in Le Mans den Hattrick oder Toyota endlich den ersehnten Sieg?

Le MAns. (dg) Die 24 Stunden von Le Mans sind ein ewig junger Klassiker. Am Wochenende wird das größte Langstrecken-Rennen der Welt zum 85. Mal ausgetragen. Insgesamt 60 Autos und 180 Fahrer starten am Samstag um 15 Uhr zur prestigeträchtigen Jagd. Der „Circuit des 24 Heures“ in Frankreich mit legendären Kurven wie Mulsanne und Tertre Rouge sowie der fast fünf Kilometer langen Hunaudières-Geraden weist eine seltene Mischung aus Rennstrecke und normalen Landstraßen auf.

Ende der Pechsträhne?

Der härteste Gegner in Le Mans ist und bleibt das Rennen. Den Respekt vor diesen über 5000 Kilometern bei Tag und Nacht mit oft wechselnden Wetterbedingungen und Geschwindigkeiten von über 330 km/h im permanenten Überrundungsverkehr darf man nie verlieren. Das Rennen um den Sieg wird – nach dem Rückzug von Audi – ein Zweikampf werden, doch der wird es zweifelsfrei in sich haben: Toyota und Porsche präsentierten sich bei den ersten beiden Läufen zur Sportwagen-WM ähnlich stark. Die große Frage lautet: Schafft Porsche den dritten Sieg in Folge, oder kann Toyota seine seit 1985 anhaltende Pechsträhne endlich mit dem lang ersehnten Sieg beenden? Das Drama aus dem Vorjahr ist noch in guter Erinnerung: Toyota fuhr dem Sieg entgegen, als drei Minuten vor der Zielflagge (!) der Motor einging. Ganz Japan weinte. Toyota will es noch einmal wissen, wirft alles in die Schlacht. Im Gegensatz zu Porsche, die nur mit zwei LMP1-Boliden antreten, wird man drei Autos einsetzen, um die Siegchancen zu erhöhen. Beim Vortest waren alle drei Toyota-TS050-Hybrid-Renner vorne. Dem bestplatzierten Porsche-919-Hybrid auf Platz vier fehlten doch schon 3,380 Sekunden auf dem fast 14 Kilometer langen Kurs. Toyota blieb zwar dem 2,4-Liter-V6-Biturbokonzept treu, hat aber sonst am Auto so ziemlich alles umgekrempelt, wodurch es mitunter zu Haltbarkeitsdefiziten kommen könnte, während Porsche das ausgereifte Antriebskonzept mit dem Zweiliter-V8-Turbobenziner (500 PS) in Kombination mit zwei verschiedenen Rückgewinnungssystemen aus Brems- und Abgasenergie mit zusätzlichen 400 PS beibehalten hat und möglicherweise weniger defektanfällig ist.

Generell muss man festhalten, dass beide Hersteller trotz unterschiedlicher Aerodynamik-Pakete in Silverstone und Spa auf Augenhöhe miteinander kämpften. Mit Neel Jani/André Lotterer/Nick Tandy und Timo Bernhard/Earl Bamber/Brendon Hartley hat Porsche zwei unglaublich starke Fahrer-Trios, während bei Toyota eine Besetzung mit Yuji Kunimoto und Jose-Maria Lopez (mit dem Routinier Nicolas Lapierre) zwei Le-Mans-unerfahrene Frischlinge an Bord hat. Die TS-050-Schwesternautos werden wie gehabt von Sébastien Buemi/Anthony Davidson/Kazuki Nakajima sowie von Mike Conway/Kamui Kobayashi und Stéphane Sarrazin pilotiert.

Wahl-Höchster in der GTE-Pro

Mit dem Salzburger Dominik Kraihammer (in der LMP2-Klasse), dem Niederösterreicher Richard Lietz (GTE Pro), sowie dem Steirer Klaus Bachler und dem Salzburger Mathias Lauda (beide in der GTE Am-Kategorie) sind heuer auch vier Österreicher mit von der Partie. Aus Ländle-Sicht gilt besonderes Augenmerk dem Wahl-Höchster Kévin Estre. Der gebürtige Franzose startet mit seinen Kollegen Michael Christensen (Dän) und Dirk Werner (Ger) als Porsche-Werksfahrer mit einem 911-RSR in der GTE-Pro-Klasse. Estre: „Wir haben im Vorfeld extrem hart gearbeitet und uns gut vorbereitet. Als Franzose stehst du in Le Mans ganz besonders im Blickpunkt. Ich werde alles geben, um die Fans nicht zu enttäuschen.“