Ein irrer Rennverlauf in Le Mans

Sport / 18.06.2017 • 21:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Brendon Hartley, Earl Bamber und Timo Bernhard fuhren ihren Porsche 919 in Le Mans zum Sieg. Foto: ap
Brendon Hartley, Earl Bamber und Timo Bernhard fuhren ihren Porsche 919 in Le Mans zum Sieg. Foto: ap

Hattrick für Porsche nach packendem Finish. Fluch für Toyota geht weiter.

Le Mans. (dg) Beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans werden unglaubliche Geschichten geschrieben, so auch heuer wieder. Zuerst gab es ein erneutes Drama um Toyota! Wieder zerschlugen sich für die Japaner alle Hoffnungen, den Langstrecken-Klassiker endlich zu gewinnen. Ein Auto von Gegner Porsche war bereits mit technischen Problemen weit zurückgefallen und gleich zwei „Nippon-Bomber“ lieferten sich an der Spitze einen heißen Kampf mit dem zweiten Porsche. Doch dann lief für Toyota innerhalb von zweieinhalb Stunden das Rennen völlig aus dem Ruder: Zuerst musste das Auto von Davidson/Buemi/Nakajima außerplanmäßig an die Box. Den Toyota-TS050-Hybrid-Renner ereilte genau derselbe Defekt, der zuvor schon den Porsche von Bernhard/Bamber/Hartley für fast eine Stunde lahmgelegt hatte: Der Elektroantrieb musste getauscht werden. Kurze Zeit später erwischte es das zweite Auto der Japaner, das schon mit über einer Minute führte. Beim Re-Start nach einer Safety-Car-Phase ging es für Kamui Kobayashi plötzlich nicht mehr richtig vorwärts. Drei Tage, nachdem er im Training den Streckenrekord regelrecht pulverisiert hatte, musste er wegen Kupplungsdefekt mit 60 km/h um den Kurs fahren, schaffte es nicht bis zur Box.

Toyota ohne Glück

Dann die Steigerung: Nicolas Lapierre wurde im dritten Toyota von einem sich verbremsenden LMP2-Gegner von hinten schwer getroffen. Was sich dann abspielte, war filmreif: Lapierre schleppte das kaputte Auto qualmend um den Kurs. Karosserieteile entzündeten sich. Das Auto schleppte sich weiter, zuckte, blieb stehen. Doch Lapierre setzte sich noch einmal in Bewegung. Er hatte die Boxeneinfahrt schon in Sichtweite, ehe der schwer beschädigte TS050-Hybrid dann endgültig den Geist aufgab.

Anfangs der 20. Rennstunde führte der Porsche mit der Startnummer eins von Neel Jani/André Lotterer/Nicholas Tandy nach dem Toyota-Desaster mit zwölf Runden Vorsprung vor dem schnellsten Auto aus der LMP2-Klasse mit Jarvis/Laurent/Tung.Dann entsetzte Gesichter auch in der Porsche-Box: Leader André Lotterer zuckelte im Schneckentempo die Hunaudières-Gerade entlang und stellte den 919-Hybrid-Boliden mit Öldruckproblemen ab. Damit waren schon vier der sechs Fahrzeuge aus der Königsklasse LMP1 gestrandet. Zwei LMP2-Autos lagen an der Spitze, doch weil der zweitplatzierte Rebellion eine Strafe absitzen musste, tauchte der anfangs reparierte Porsche mit der Nummer zwei plötzlich als Zweiter auf der Rangliste auf. Der Rückstand betrug drei Runden. Brendon Hartley startete die Aufholjagd, machte pro Runde zehn Sekunden gut.

Ein Finale furioso

Schlussfahrer Timo Bernhard führte die Attacke auf das LMP2-Team von Jackie-Chan-Racing weiter. Er schloss die Lücke Runde für Runde. 65 Minuten vor der Zielflagge passierte der Führungswechsel: Bernhard hatte sich nach einer mehr als einstündigen Reparatur vom Ende des Feldes bis an die Spitze gekämpft. Im Ziel betrug dann der Vorsprung auf Jarvis/Laurent/Tung schon eine Runde. Dritte wurden Nelson Piquet Jr./David Hansson/Mathias Beche vom Rebellion-Team, ebenfalls auf einem Oreca-LMP2-Auto ohne Hybrid-Zusatzantrieb. Bernhard (Ger), Brendon Hartley und Earl Bamber (Nzl) kassierten für den Sieg doppelte WM-Punkte.

Motorsport

85. 24-Stunden-Rennens von Le Mans (Auto-Langstrecken-WM)

1. Porsche LMP Team – Timo Bernhard, Earl Bamber, Brendon Hartley (GER/NZL/NZL) 367 Runden

2. Oreca/Jackie Chan DC Racing – Tung, Laurent, Jarvis (Chi/FRA/GBR) 366

3. Oreca/Vaillante Rebellion – Piquet Junior, Heinemeier Hansson, Beche (BRA/DEN/SUI) 364

4. Oreca/Jackie Chan DC Racing – Cheng, Gommendy, Brundle (CHI/FRA/GBR) 363

5. Alpine/Signatech Alpine Matmut – Panciatici, Ragues, Negrao (FRA/FRA/BRA) 362

6. Ligier/United Autosports – Owen, De Sadeleer, Albuquerque (USA, SUI, POR) 362

18. (1. GTE Pro) Aston Martin Vantage – Turner/Adam/Serra (GBR/GBR/BRA) 394

21. (4. GTE Pro) Porsche 911 RSR – Richard Lietz/Frederic Makowiecki/Patrick Pilet (AUT/FRA/FRA) +395

37. (8. GTE Amateur) Aston Martin – Mathias Lauda/Pedro Lamy/Paul Dalla Lana (AUT/POR/CAN) +405