Monisha Kaltenborn muss bei Sauber wohl die Koffer packen

Sport / 21.06.2017 • 19:58 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
MonishaKaltenborn. Foto: gepa
Monisha

Kaltenborn.
Foto: gepa

Erste Teamchefin der Formel 1 fehlt in Baku, Zander und Zehnder führen den Rennstall.

Baku.. Der Formel-1-Rennstall Sauber und Teamchefin Monisha Kaltenborn (46) gehen offenbar künftig getrennte Wege. Wie mehrere internationale Medien übereinstimmend berichten, endete die rund 20-jährige Zusammenarbeit – eingerechnet das Engagement bei der Fritz Kaiser Gruppe in Liechtenstein – mit sofortiger Wirkung. „Der technische Direktor Jörg Zander und ich wurden vom Eigentümer des Teams damit beauftragt, die operative Führung beim Grand Prix hier in Baku zu übernehmen“, sagte Teammanager Jörg Zehnder der Tageszeitung „Blick“.

Seit 2012 an der Spitze

Kaltenborn leitete die Geschäfte von Sauber seit 2012 und war damals die erste Frau an der Spitze eines Formel-1-Teams. Nicht immer hatte die Österreicherin mit indischen Wurzeln in ihrem Job ein glückliches Händchen. Einer der Tiefpunkte unter Kaltenborns Leitung war das Theater um den irrtümlich verpflichteten Fahrer Giedo van der Garde. Sauber hatte 2014 seinem damaligen Testpiloten vertraglich ein Cockpit für die WM 2015 zugesichert, dann jedoch die finanzstarken Felipe Nasr und Marcus Ericsson als Stammpiloten nominiert.

Die beiden sogenannten Paydriver garantierten dem klammen Rennstall über Sponsoren Einnahmen im zweistelligen Millionenbereich – die man dann teilweise direkt wieder für van der Garde ausgeben musste. Der Niederländer erhielt angeblich 15 Millionen Euro für die entgangene Möglichkeit, sich als Formel-1-Fahrer bei Sauber einen Namen zu machen. Schon damals war die gelernte Juristin Monisha Kaltenborn erheblich unter Druck geraten.

Wenige Tage vor dem Großen Preis von Aserbaidschan am Sonntag war der Rennstall für eine offizielle Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Unklar ist, wie eine Nachfolgeregelung nach Baku aussehen könnte. Vor ihrer Berufung zur Teamchefin als Nachfolgerin von Gründer Peter Sauber war Kaltenborn seit 1998 in verschiedenen Funktionen für die Schweizer tätig.

Erst vier Punkte eingefahren

Sauber hat seit Jahren mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen und geht in der laufenden Saison mit den günstigeren Vorjahresmotoren von Ferrari an den Start. Pascal Wehrlein holte durch seinen achten Platz beim Großen Preis von Spanien in Barcelona bisher die einzigen vier WM-Punkte in den ersten sieben Rennen. Ob sich daran in der kommenden Saison etwas ändern wird, scheint angesichts der Motorenproblematik bei Sauber zumindest fraglich. Fährt das Team in diesem Jahr noch mit alten Ferrari-Motoren, so wird es 2018 von Honda-Power angetrieben. Die hoffnungslos unterlegenen Aggregate aus Japan im Heck der McLaren frustrieren seit Monaten unter anderem den zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso.