Ronaldo droht lange Haftstrafe

Sport / 22.06.2017 • 22:14 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ronaldo droht lange Haftstrafe

Weltfußballer gerät in der Steueraffäre zunehmend unter Druck. Ronaldo schweigt aber.

madrid. Der des Steuerbetrugs verdächtigte Weltfußballer Cristiano Ronaldo will spanischen Medienberichten zufolge bei einem Gericht in Madrid 14,7 Millionen Euro hinterlegen. Dies entspricht der Summe, die er nach Angaben der zuständigen Staatsanwaltschaft am Fiskus vorbeigeschleust haben soll. Damit wolle Ronaldo erreichen, dass das Gericht ihm mildernde Umstände zugesteht.

Bereit für Zusammenarbeit

Gleichzeitig wurde ein Sprecher Ronaldos mit den Worten zitiert: „Das bedeutet nicht, dass Cristiano eine Schuld eingesteht, sondern es ist nur ein Zeichen dafür, dass er zur Zusammenarbeit bereit ist.“ Laut einer Anzeige der Staatsanwaltschaft soll der Portugiese das Geld von 2011 bis 2014 dem Fiskus vorenthalten haben. Am 31. Juli muss Ronaldo vor einem Richter zu den Vorwürfen Stellung beziehen. Ohne mildernde Umstände drohen dem 32-Jährigen bis zu sieben Jahre Haft sowie eine Geldstrafe von 28 Millionen Euro.

Erst unlängst wurde bekannt, dass sich der frühere Real-Spieler Angel Di Maria mit den spanischen Behörden auf eine Zahlung von zwei Millionen Euro und eine einjährige Haftstrafe auf Bewährung geeinigt hat. Er soll fast 1,3 Millionen Euro hinterzogen haben.

Ronaldo trifft und schweigt

Ungeachtet des Wirbels bringt der Superstar auf dem Platz seine Leistungen – nur das Reden fällt ihm schwer. Die Auszeichnung zum „Man of the Match“ hielt Cristiano Ronaldo wie ein lästiges Wichtelgeschenk in den Händen, er lächelte kurz für die Kameras, beantwortete ein paar Alibi-Fragen – und weg war er. Kein Wort zu den neuesten Enthüllungen in seiner Steueraffäre, kein Wort zu seiner offenen Zukunft bei Real Madrid. Ronaldo schweigt, und das scheint angesichts der immer heikleren Vorwürfe abseits des Rasens auch ratsam.

Auf dem Platz aber, da spielt der portugiesische Superstar, als würde es die Probleme mit dem Finanzamt nicht geben. Beim 1:0 (1:0)-Sieg des Europameisters beim Confed Cup in Moskau gegen Gastgeber Russland köpfte Ronaldo nicht nur den Siegtreffer (8.), er war auch stets anspielbar und torgefährlich.

Küsschen für Polina

Vor dem Anpfiff punktete der Ausnahmekönner bei den Fans, als er mit einem Mädchen im Rollstuhl ins Stadion einlief und der Zehnjährigen danach einen Kuss gab. „Cristiano Ronaldo war überragend. Er hat mir seine Jacke gegeben und mich zum Abschied geküsst“, sagte die kleine Polina Haeredinowa aufgeregt. Auch Ronaldo war „sehr glücklich“, er und sein Team hätten es „gegen eine starke Mannschaft sehr gut gemacht“, sagte der Offensivstar hinterher. Mehr als ein paar nichtssagende Sätze zum Spiel ließ sich Ronaldo auch am Mittwochabend nicht entlocken. „Ich denke, er hat es gut gemacht, auf die anderen Fragen nicht zu antworten“, sagte Portugals Nationaltrainer Fernando Santos an die wenig begeisterten Journalisten gerichtet: „Sie werden eine andere Gelegenheit bekommen, Cristiano nach seinem Privatleben zu befragen.“

Postkastenfirma

Wahrscheinlich wird sich Ronaldo erst am 31. Juli zu seiner Steueraffäre äußern, wenn er vor der ersten Kammer seines Wohnortes Pozuela de Alarcon, 15 Kilometer westlich von Madrid, erscheinen muss. Ronaldo bestreitet bislang die Anschuldigungen, die ihn aber immer stärker unter Druck setzen. Wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in seiner neuesten Ausgabe berichtet, hat Ronaldo möglicherweise einen Vertrag zwischen ihm und der auf den British Virgin Islands registrierten Briefkastenfirma Tollin rückdatiert, bevor er den ermittelnden Behörden offengelegt wurde.

Der Spiegel habe den Vertragsentwurf von der Enthüllungsplattform Football Leaks erhalten. Darin sollte laut einem Vermerk ein Bankkonto eingetragen werden, „das 2008 existierte“. Zudem sollen Mailkorrespondenzen zwischen Beratern auf den Fakt der Rückdatierung hindeuten. Tollin soll Werbeeinnahmen Ronaldos im Steuerparadies im Atlantik geparkt haben. Inwieweit Ronaldo darüber hinaus noch in Spanien arbeiten will, ist offen. Auch zu seiner Vereinszukunft verliert er in Russland kein Wort.

Er hat es gut gemacht, nichts zu den anderen Fragen zu sagen.

Fernando santos