Dopingschatten und frühes Aus

Sport / 25.06.2017 • 21:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Sportlich gescheitert, gibt es für Russlands Fußball beim Confed weitere negative Schlagzeilen.

Kasan. In Russland löst das frühe Ende der Confed-Cup-Party keine Stimmungskrise aus, doch gleich nach dem Scheitern der Sbornaja fällt wieder der große Dopingschatten auf den WM-Ausrichter. Anschuldigungen aus England sorgten für deutlich größere Aufregung als das 1:2 gegen Mexiko: Das ganze russische Team von der WM 2014, darunter auch fünf Spieler des aktuellen Confed-Cup-Kaders, soll der Zeitung „Mail on Sunday“ zufolge in den Skandal um Staatsdoping verstrickt sein.

So rückte das erste Scheitern eines Confed-Cup-Gastgebers in der Vorrunde seit 16 Jahren schnell in den Hintergrund. Die FIFA erklärte auf Anfrage, dass es Ermittlungen in Zusammenarbeit mit der Welt-Anti-Doping-Agentur gegen Fußballer aus Russland gebe. Namen nannte der Weltverband wegen seiner laufenden Untersuchungen im Zuge des McLaren-Reports um systematisches und staatlich gedecktes Doping allerdings keine.

Nach seinem aufmunternden Lob für die ausgeschiedene Sbornaja geriet Russlands Verbandspräsident Witali Mutko dadurch gleich wieder in den Verteidigungsmodus. Die englischen Medien würden „irgendwelchen Blödsinn“ schreiben und außerdem: „Im Fußball gab es nie Doping und wird es nie Doping geben.“ Eine faktenwidrige Behauptung des Regierungsvizes angesichts früherer und aktueller Fälle auf der ganzen Welt sowie des McLaren-Reports. Schon in seinem ersten Bericht hatte der WADA-Sonderermittler aufgedeckt, dass auch elf Dopingproben von Fußballern in Russland verschwunden seien.

Imagepolitur nicht gelungen

Das neue Zwielicht für den russischen Fußball kommt zur Unzeit im Versuch der Imagepolitur knapp ein Jahr vor der WM. So lief die erste Hälfte des Confed Cups organisatorisch zuvor nach Wunsch für Russland. Die befürchteten Hooliganprobleme waren bislang ebenso wie Pressebeschränkungen kein Thema. Auch sportlich verabschiedete Russland sich fair von der Mini-WM. Keine vernichtende Generalkritik, keine große Häme: Nachdem schon die Fans in der Kasan Arena ihr Team nur vereinzelt auspfiffen, wurde auch im Rest der Republik das Vorrundenaus eher gleichgültig registriert.

Vergleichsweise sachlich kommentierten die Zeitungen. „Wenn unsere Sbornaja so gut wäre wie das Land und seine Stadien, dann wären wir natürlich im Halbfinale“, spottete „Sport-Express“, räumte aber auch ein, dass es keine Alternativen gebe: „Wir müssen verstehen, dass wir keine andere Sbornaja haben.“

Misstöne kamen dagegen wieder einmal vom stellvertretenden Parlamentspräsidenten Igor Lebedew, der Schirkow für seinen Platzverweis wüst beschimpfte. „In der Kabine sollte man ihm auf die Schnauze geben, von Mann zu Mann!“, wütete Lebedew. Mit seinem ausgeprägtem Verständnis für Hooligans bei der EM 2016 hatte er bereits über Russlands Grenzen hinaus Bekanntheit erlangt.

Insgesamt blieben derartige Ausfälle allerdings die Ausnahme. Und Stanislaw Tschertschessow beschwichtigte: Er denke nicht, dass die Vorfreude auf die WM im Land nun groß getrübt sei, sagte der Coach. Wenn da nur der Dopingschatten nicht wäre.