Neue Wege oder doch wieder altbekannte Verbindungen

Sport / 21.09.2017 • 22:46 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Andreas Lipa (im Bild links mit Hubert Nagel) ist in Lustenau an der „Mission Meistertitel“ zerbrochen.Hartinger
Andreas Lipa (im Bild links mit Hubert Nagel) ist in Lustenau an der „Mission Meistertitel“ zerbrochen.Hartinger

Austria trennt sich von Lipa, Ernemann als Feuerwehrmann, Trainersuche läuft.

Lustenau Ein kurzes Telefonat des Präsidenten kurz nach acht Uhr morgens, dann war die Trainer-Ära von Andreas Lipa bei der Lustenauer Austria auch schon Vergangenheit. Nach gerade einmal 20 Bewerbspielen (inklusive Cup) trennten sich die Grün-Weißen vom 46-jährigen Wiener, dessen Bilanz mit sieben Siegen, vier Remis und neun Niederlagen doch sehr bescheiden ist. Nach dem Cup-Aus und dem drohenden Verpassen des Minimalziels „Aufstieg“ hat der Klub nun reagiert und Lipa mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Der Trainer selbst hat sich dann persönlich von den Spielern und seinem Trainerstab, die in Lindabrunn stationiert sind, mit den Worten verabschiedet: „Ich wünsche euch alles Gute und bedanke mich für die schöne Zusammenarbeit.“

Sportliche Talfahrt ausschlaggend

Auf die Frage, ob er sich nach der vorzeitigen Trennung etwas vorzuwerfen habe, hatte Lipa spontan eine Antwort parat: „Dass ich es nicht geschafft habe, der Mannschaft meine Mentalität zu vermitteln.“ Schließlich, so Austria-Präsident Hubert Nagel, genüge ihm der „Blick auf die Tabelle“ und die breite Unterstützung im Vorstand, um mit der vorzeitigen Trainerentlassung noch vor dem heutigen Spiel bei Tabellenführer Wr. Neustadt ein Zeichen zu setzen. Damit hat für ihn zugleich die Suche nach dem Nachfolger begonnen. Dabei sei es für ihn nach eigener Aussage nicht „zwingend“, dass der Neue nun ein Deutscher ist, auch könne er sich, im Gegensatz zu Vorstandsmitgliedern, durchaus wieder einen Coach mit „grünweißer Vergangenheit“ vorstellen. Am Ende, so Nagel, sei es allerdings auch eine Geldfrage, denn Lipas Vertrag läuft noch bis Juni 2018. Als „Part of the job“ bezeichnet Lipa selbst die Trennung. Deshalb sei er niemandem böse und vielmehr verspüre er Dankbarkeit für die Chance, die ihm die Austria gegeben habe. Jetzt wartet auf ihn in der kommenden Woche der letzte Dreitagesblock im Rahmen der UEFA-Pro-Lizenz-Ausbildung, danach, so Lipa, „habe ich nun mehr Zeit für die Familie“.

Nagels Aufgabe hingegen ist es nun, zeitnah den Neuen zu präsentieren, wobei heute (18.30 Uhr) wohl Kotrainer Daniel Ernemann, nicht zum ersten Mal, als Chef einspringen wird. Der 41-Jährige stimmte sich jedenfalls noch vor dem Abschlusstraining per Videostudium auf den Gegner ein. Gut für ihn, dass die wieder fitten Christopher Drazan und Jodel Dossou für das Match bei Wr. Neustadt nachgereist sind.

Nagel selbst nennt auf die Frage nach möglichen Nachfolgern konkret die Zahl zwei, wenngleich die Zahl der Bewerbungen eine weit höhere ist. Es soll sich dabei um zwei „interessante Kandidaten“ aus Deutschland handeln, die aktuell beide noch unter Vertrag stehen. Deshalb wollte der Austria-Boss diesbezüglich auch keine „Wasserstandsmeldung“ abgeben. Richtig sei jedoch, dass für beide Trainer die Möglichkeit gegeben ist, bei einem entsprechenden Angebot aus einer höheren Liga vorzeitig wechseln zu können. Vom Vorstand hat Nagel grünes Licht für Verhandlungen erhalten. Laufen diese nach Plan, dann könnte Austrias Neuer schon zu Wochenbeginn präsentiert werden und würde dann im Heimspiel gegen Wacker Innsbruck (29. September) seine Premiere auf der Austria-Bank feiern.

Was das Anforderungsprofil für den neuen Trainer betrifft, so steht für Nagel fest: „Er muss auf die Spieler eingehen und die verschiedenen Mentalitäten bzw. Spielauffassungen unter einen Hut bringen.“ Das Wort „Aufstieg“ hingegen hat er für den Moment aus seinem Wortschatz gestrichen, vielmehr behilft er sich bewusst mit einer Floskel, wie er gerne zugibt: „Ich schaue einfach von Spiel zu Spiel. Möglich ist ja noch sehr viel. Aber wir müssen halt einmal anfangen zu gewinnen.“

Lipa mit Negativrekord

Seit dem Abstieg aus der Bundesliga (Mai 2000) haben die Lustenauer bislang nicht weniger als elf Trainer beschäftigt, wobei Edi Stöhr mit 1505 Tagen die längste Amtszeit aufzuweisen hat – allerdings in zwei verschiedenen Perioden. Am Stück hält noch immer Helgi Kolvidsson (1194 Tage) den Rekord, kürzer als Lipa (155 Tage) war keiner im Amt.

„Es gibt nicht den Richtigen oder den Falschen, für die Austria muss es der Passende sein.“

Teamnews

SC Austria Lustenau

AUFSTELLUNG (4-2-3-1): Mohr; Lang, Grasegger, Kobleder, Dorn; Ashimeru, Marco Krainz; Dossou, Ronivaldo, Drazan; Lucas Barbosa

Ersatz: Zivanovic; Sobkova, Joppich, Güclü, Lovric, Avramovic, Pavlovic

Es fehlen: Sandro Djuric, Joao Pedro (beide rekonvaleszent), Alexander Sebald (Ausländerregelung/Fingerbruch), Marcel Canadi (Ödem im Knochen), Paulo Victor (MR-Untersuchung)

STATISTIK: 12 Erste-Liga-Duelle gegen Wr. Neustadt – 5 Siege, 3 Remis, 4 Niederlagen – Torverhältnis: 19:16. Heim: 3-1-3 – 8:8. Auswärts: 2-2-1 – 11:8