Der „Akt Toni Sailer“ sorgt für Empörung

Sport / 17.01.2018 • 19:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Toni Sailer, verstorbene Skilegende, sorgt für Schlagzeilen. vn
Toni Sailer, verstorbene Skilegende, sorgt für Schlagzeilen. vn

Verdacht der Vergewaltigung und Polit-Intervention.

Schwarzach Ein brisanter Akt, von einer Rechercheplattform der Tageszeitung „Standard“, des Portals dossier.at und des Radiosenders Ö1 ausgegraben, sorgt für Aufsehen. Im Mittelpunkt: Ski-Held Toni Sailer, der sich im März 1974 einen schweren Fehltritt erlaubt haben soll. Ein Fall, der schon damals bekannt wurde und als abgehandelt galt.

Der Vorfall: Der im August 2009 verstorbene Jahrhundertsportler Toni Sailer wurde im März 1974 im damals noch kommunistischen Polen vor einem Weltcuprennen festgenommen. Der damals 38-jährige ÖSV-Sportdirektor soll von einer polnischen Prostituierten der Vergewaltigung bezichtigt worden und von der Polizei festgenommen worden sein. Zwei für eine italienische Skischuhmarke arbeitende Jugoslawen hätten den bereits alkoholisierten Sailer zuvor auf ihr Zimmer im Hotel eingeladen, wo sich der Vorfall ereignet haben soll.

Die Intervention: Nach einer Meldung bei der Botschaft in Warschau nahm sich die österreichische Regierung der Sache an. Bundesminister Rudolf Kirchschläger soll eine telefonische Weisung erteilt und die prinzipielle Bereitschaft zur Übernahme einer Kaution zum Ausdruck gebracht haben. Die Kaution sei in der Folge von 15.000 auf 5000 US-Dollar gesenkt worden, Sailer verließ Polen am 7. März. Der von der Rechercheplattform zutage geförderte Akt des Justizministeriums enthält die entsprechende Korrespondenz mit der Botschaft und dem Außenministerium.

Die Konsequenz: Die Polin brachte nie eine Privatanklage ein. Das Bezirksgericht in Zakopane beendete das Verfahren am 9. Juli 1975 „mit Rücksicht auf Mangel an gesellschaftlichem Interesse“. Damit war auch für Österreichs Behörden das Verfahren beendet.

Die Reaktion Sailers: Der
Kitzbüheler bestritt den Vorfall, ihm sei eine „Falle“ gestellt worden.

Reaktion von Sportkollegen: Mit Unverständnis reagierten Olympiasiegerin Olga Pall und Dreifachweltmeister Karl Schranz: „Eine Frechheit, dass man das nach 40 Jahren ausgräbt, Tote soll man ruhen lassen“, meint der Arlberger. Die Absamerin Pall reagierte auf den Bericht erschrocken: „Es hieß, es sei eine gedrehte Sache
gewesen. Schade, dass Toni das nicht mehr klarstellen kann.“ Ihr tue es weh, wenn man Tote beschuldige. FLO