Der Skiverband schweigt

09.02.2018 • 19:38 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Durch seine Erfolge als Abfahrtstrainer wird Charly Kahr auch „Downhill Charly“ genannt. apa
Durch seine Erfolge als Abfahrtstrainer wird Charly Kahr auch „Downhill Charly“ genannt. apa

ÖSV-Trainerlegende Charly Kahr weist Missbrauchsvorwürfe zurück.

wien Der einstige Cheftrainer des österreichischen Skiverbandes, Charly Kahr, hat die Missbrauchsvorwürfe ehemaliger Rennläuferinnen zurückgewiesen. „Mein Mandant bestreitet entschieden, dass es diese Vorfälle gegeben hat“, sagte sein Anwalt Manfred Ainedter in Wien. Kahr habe vor 14 Tagen Anzeige wegen „übler Nachrede“ gegen eine Sportlerin erstattet, die ihm Misshandlung von Mädchen vorgeworfen hatte. Bei der Beklagten handle es sich nicht um Nicola Werdenigg, die unter ihrem Mädchennamen Spieß 1976 an den Olympischen Spielen in Innsbruck teilgenommen hatte, sagte der Anwalt. Sie hatte im vergangenen November zuerst allgemein über ein Klima des Missbrauchs in ihrer aktiven Zeit berichtet.

In der Süddeutschen Zeitung erhoben jetzt mehrere Sportlerinnen konkrete Vorwürfe gegen den 85-jährigen Schladminger, von Nötigung bis zur Vergewaltigung. Die Namen der Frauen nannte die Zeitung nicht. Vonseiten des Österreichischen Skiverbandes gibt es derzeit keine direkte Stellungnahme. Das erklärte ÖSV-Pressechef Josef Schmid in Pyeongchang. Bis die Staatsanwaltschaft Innsbruck neue Erkenntnisse habe, würden zu dieser Causa nur PR-Beraterin Heidi Glück bzw. Opferschutzanwältin Waltraud Klasnic sprechen.

Prominente Fürsprecher

Dafür äußerte sich die österreichische Ski-legende Franz Klammer zu den Missbrauchs-Vorwürfen gegen seinen langjährigen Trainer und Weggefährten: „Ich weiß nur das, was ich in der Zeitung gelesen habe. Ob in seiner Zeit als Damentrainer etwas passiert ist, kann ich nicht sagen, weil ich keine Ahnung davon habe. Als er bei uns Trainer war, gab es sicher keine Vorkommnisse. Mehr gibt es aus meiner Sicht dazu nicht zu sagen.“

Neben Klammer sprach sich auch Olga Pall, Abfahrts-Olympasiegerin 1968 aus Tirol, für Kahr aus: „Charly war mein Co-, Jugend- und Nationaltrainer. Als ich das im Teletext gelesen habe, bin ich erschrocken. Überrascht bin ich auch, denn es wurde über so etwas in der Mannschaft nicht einmal gemunkelt. Ich kenne keinen derartigen Vorfall und muss Charly vielmehr loben, denn ohne ihn wären wir im Skisport nie so gut geworden.“

Der Steirer war von 1967 bis 1970 Cheftrainer des ÖSV-Damenteams, dann verließ er den ÖSV und trainierte die englische Damennationalmannschaft. 1972 holte ihn der ÖSV als Abfahrtstrainer der Herren zurück nach Österreich, wo er durch die vielen Erfolge der Abfahrer bekannt wurde und im Jahr 1976 zum Herren-Cheftrainer aufstieg. Diese Position behielt er bis 1985. Heute hat Kahr keine Funktion mehr beim Verband.