Leichtgewicht zittert vor Wetter

09.02.2018 • 19:03 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Snowboarderin und ÖSV-Medaillenhoffnung Anna Gasser hat sich im Slopestyle-Bewerb einen Platz unter den ersten drei zum Ziel gesetzt.GEPA
Snowboarderin und ÖSV-Medaillenhoffnung Anna Gasser hat sich im Slopestyle-Bewerb einen Platz unter den ersten drei zum Ziel gesetzt.GEPA

Medaillenhoffnung Anna Gasser hofft auf wenig Gegenwind im Slopestyle.

Snowboard Mit großem Respekt geht Anna Gasser am Sonntag in die Qualifikation für den olympischen Slopestyle-Bewerb. Der Star der Freestyle-Snowboardszene aus Kärnten hat aus den Erfahrungen von Sotschi gelernt, „zittert“ aber, weil stürmische Zeiten angesagt sind. Denn Wind von vorne kommt dem Leichtgewicht bei den Kickern alles andere als entgegen, weil ihr dann der Speed für die Tricks abgeht.

Im Big Air in der letzten Olympiawoche gilt die seit einem Jahr dominierende Gasser als Top-Favoritin auf Gold. Im Slopestyle war die 26-Jährige in diesem Winter noch nicht wettkampfmäßig auf Rails und Schanzen unterwegs. Beim Weltcup in Laax machte ihr das Wetter einen Strich durch die Rechnung, bei den X-Games in Aspen verzichtete sie nach Neuschnee aus Sicherheitsgründen auf ein Antreten, wollte vor Olympia nichts riskieren. Der olympische Kurs in Bokwang zeigte sich nicht so mächtig wie jener vor vier Jahren in Sotschi, aber mit einem schiefen Kicker, der für Gasser Neuland ist, und hohen Rails. „Relativ schwer und zum Gewöhnen. Das größte Problem ist der Wind, dann habe ich Speedprobleme. Ich hoffe auf ein gutes Wachs und ein bisschen Wetterglück.“

Der „Flow“ ist entscheidend

Die Geländer bieten mehrere verschiedene Varianten. In den Trainings ging es nun darum zu schauen, was die besten Tricks erlauben, wo man den besten Flow bekommt. „Bei viel Wind wären auch kleinere Varianten möglich, aber wir hoffen, dass es ein Wettkampf auf hohem Niveau ist, wo jeder seine besten Tricks zeigen kann. Und nicht wer hat das beste Board oder die beste Figur, um über die Kicker zu kommen“, sagte die doch eher zierliche Boarderin.

Sie hoffe, dass sie trotz der wenigen Erfahrung in dieser Saison ein gutes Ergebnis erzielen könne. „Ich weiß, wenn ich im Slopestyle meinen Run lande, kann ich ganz vorne mit dabei sein. Aber im Slopestyle kann so viel mehr schiefgehen als im Big Air, weil es viel wetterabhängiger ist. Und ich weiß, dass meine Konkurrentinnen bei schlechtem Wetter stärker sind als ich. Die Top drei sind mein Ziel.“

Aus ihrer Erfahrung von den Russland-Spielen hat die Millstätterin gelernt. Damals kam sie als Qualifikations-Beste ins Finale, legte aber einen Frühstart hin. Mühsam kletterte sie wieder hoch, die Konzentration war weg, sie patzte in beiden Runs und wurde Zehnte. Seitdem sichert sie sich mehrfach ab, wann sie raus darf.

Keine Ablenkungen

„Ich werde mein Handy vor dem Bewerb sicher nicht mehr einschalten oder mich von den Medien zu sehr ablenken lassen. Ich werde nicht alle Nachrichten lesen. Wenn man sieht, dass die Leute sich auf einen verlassen und davon ausgehen, dass eine Medaille hundertprozentig sicher ist, erhöht das nur den Druck. Ich versuche es zu sehen wie jeden anderen Bewerb, hoffentlich gelingt es mir besser als in Sotschi“, hat sie sich zudem vorgenommen. Und schließlich ist sie sich auch sicher: „Die Leute wissen, dass man auch menschlich ist und dass Fehler passieren können.“

In Bokwang sieht man vom Lift aus den Kurs. Trotzdem wisse sie nicht, was zum Beispiel Jamie Anderson im Training gemacht habe; die US-Amerikanerin ist Sotschi-Olympiasiegerin. „Was ich so alles gesehen habe, sollte ein Sicherheitslauf für den Einzug ins Finale reichen. Aber man weiß ja nie, vielleicht setzen alle alles auf eine Karte in der Quali. Es ist ein bisserl eine Spekulation, das ist in der Quali das Gefährliche.“ Gasser will spätestens im Finale den „Cab Double Cork 900“ (Doppelsalto mit halber Schraube) und mit einer halben Drehung mehr den „Cab Double Cork 1080“ zeigen. Den hat sie dank Lande-Airbag am Kreischberg an die 50 Mal geübt. Der sitzt.