Chloe Kim ist jetzt ein Drache

13.02.2018 • 19:25 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Welt steht plötzlich Kopf. Vor vier Jahren war Chloe Kim noch zu jung, um an den Spielen teilzunehmen. Jetzt ist sie Olympiasiegerin.AP
Die Welt steht plötzlich Kopf. Vor vier Jahren war Chloe Kim noch zu jung, um an den Spielen teilzunehmen. Jetzt ist sie Olympiasiegerin.AP

Die 17-jährige US-Amerikanerin mit koreanischen Wurzeln ist die jüngste Olympiasiegerin aller Zeiten.

Snowboard Vor vier Jahren durfte Chloe Kim noch nicht. Selbst da hatte das „Wunderkind“ alle Qualifikationskriterien für die Teilnahme an den Spielen in Sotschi erfüllt, aber die USA dürfen keine Sportlerin zu Olympia entsenden, die noch nicht 14 Jahre alt sind. Und Kim war erst 13.

Vier Jahre später gewann die Snowboarderin am Dienstag ein wahrlich historisches Olympia-Gold in der Halfpipe: Mit 17 Jahren und 296 Tagen ist sie die jüngste Olympiasiegerin auf Schnee aller Zeiten und zugleich die erste Frau, die in diesem Jahrtausend geboren ist und Gold gewinnt. Dass die USA damit nach Red Gerrard zwei 17-Jährige hat, die in der Halfpipe Gold gewonnen haben, setzt dem Ganzen noch die Krone auf.

Ihre Jugend ist aber nicht die einzige Besonderheit des Teenagers, der im Vorjahr mit nur 16 Jahren vom „Time Magazine“ unter die 30 einflussreichsten Teenager dieses Planeten gewählt wurde. Im Snowboardbereich ist sie eine Ikone: Schon mit 14 gewann sie die X-Games, in der Zwischenzeit hält sie da bei drei Goldenen, 2016 siegte sie als Flaggenträgerin der USA auch bei den Youth Games in Lillehammer. Und: Wie man unschwer am Namen erkennen kann, hat Kim koreanische Wurzeln. Ihr Vater Jong emigrierte 1982 in die USA, lebt heute mit seiner zweiten Frau, Chloes Mutter, in Los Angeles. Und er brachte seine Tochter zum Snowboard-Sport.

Dieser Sport ist eine Erfolgsgeschichte. Und er fand hier bei Olympia seinen Höhepunkt, denn das war das große Ziel der gesamten Familie.

Besondere Geschichte

Mit Gold in Südkorea ist Chloe Kim ein echter Drache. Und das ist eine besondere Geschichte, die ihr Vater ihr immer erzählte. „In Korea wird ein Drache nicht als Drache geboren. Sondern als große Schlange, die nach 1000 Jahren in einer stürmischen Nacht in den Himmel steigen und als große Drachen zurückkehren.“ Seine Tochter werde nicht 1000, sondern nur vier Jahre warten müssen, erzählte der Papa vor einem Jahr. Und als es am Tag vor dem Finale im Phoenix Sport Park stürmte, schrieb er seiner Tochter, die daheim den Spitznamen Imugi trägt, eine SMS mit den Worten: „Morgen ist der Tag, an dem der Baby-Drachen Imugi zum Drachen wird.“ Die Tochter, die einst auch die erste Snowboarderin war, die mit einer perfekten 100 benotet wurde, nahm sich das SMS zu Herzen. Schon ihr erster Lauf hätte mit einer Note von 93,75 Punkten zum Sieg gereicht, im dritten legte Chloe, die im koreanischen Namen Kim Sun heißt, nach.

Alles gegeben

Mit ihrem Paradetrick, sie ist die einzige Frau, die in der Halfpipe zwei 1080s (drei Drehungen) in Serie springt, machte sie den Erfolg mit 98,25 Punkten noch eindrucksvoller. „Der dritte Lauf war für mich selbst. Um mir zu beweisen, dass ich es besser kann und Gold verdiene – also habe ich alles gegeben. Und jetzt bin ich einfach nur glücklich.“

Und dann ging es ans Feiern, auch mit dem koreanischen Teil ihrer Familie – ihrer Großmutter hatte sie schon bei der Eröffnung ein paar wärmende Teile gegeben. „Hier zu gewinnen“, sagte Kim, die auch koreanisch spricht, „bedeutet mir sehr viel. Auch wenn es ein großer Druck war, der auf mir lastete. Aber ich habe es geschafft und es war richtig spaßig für alle.“ Jetzt, sagen Experten, kommt für Chloe Kim, die auch privat gerne K-Pop hört und Fan des koreanischen Sänger „CL“ ist, der Zahltag: Experten schätzen ihr Werbepotenzial auch in Korea riesig ein, den „Heimmarkt“ in den USA hat sie ohnehin schon lange erobert. Der Baby-Drachen ist zum Drachen geworden. M. Schuen