Die wahre Siegesfahrt

Sport / 16.02.2018 • 20:26 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Ich bin in Gedanken immer noch beim Snowboardcross-Drama im Phoenix Snowpark von Bogwang am Donnerstag. Bei Markus Schairer. Als der Montafoner nach seinem Sturz noch ins Ziel fuhr und Applaus aufbrandete, dachte ich noch: Das, lieber Markus, ist genau der Applaus, auf den du gerne verzichtet hättest. Nicht ahnend, was mit ihm los war und dass diese Fahrt ins Ziel die eigentliche Siegesfahrt des Tages war. Im Nachhinein betrachtet hat dieser Applaus gar nicht stark genug ausfallen können.

Ich hab’ auf Markus in der Mixed Zone gewartet und mich gewundert: Warum kommt er nicht? Er ist doch sonst immer so verlässlich. Er weiß doch, dass ich hier stehe und ein paar Eindrücke von ihm haben möchte. Wie lächerlich sind diese Gedanken nun, im Wissen um die Dramatik der Ereignisse.

Im Rückblick ist klar: Markus Schairer hat an diesem Tag Wichtigeres gewonnen als Gold. Sein robuster Körper hat gesiegt über die Bedrohung durch eine lebenslang schwere Beeinträchtigung. Glück im Unglück nannte es ÖOC-Arzt Dr. Westermeier.

Der gedankliche Schwenk zum Sport fällt angesichts solcher Vorfälle nicht leicht. Wie gut tut dann ein Tag wie der gestrige. Mit einer Goldmedaille bei den Herren und einer völlig unerwarteten Bronzemedaille bei den Damen im Slalom. Wo eine Göfnerin mit Namen Katharina Liensberger bei ihrer Olympiapremiere den achten Platz belegt und für zwei Minuten diesen wichtigsten Torlauf der letzten vier Jahre sogar anführte.

VN-Redakteur Klaus Hämmerle berichtet aus Pyeongchang.