Ein Lächeln gegen die Springer-Krise

16.02.2018 • 20:28 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Michael Hayböck sprang gestern in der Qualifkikation für den Normalschanzen-Einzelbewerb auf den fünften Platz. AP
Michael Hayböck sprang gestern in der Qualifkikation für den Normalschanzen-Einzelbewerb auf den fünften Platz. AP

Michael Hayböck freundete sich mit der Großschanze an.

Skispringen „Man darf nicht alles auf den Sport reduzieren, ich habe ein schönes Leben“, hatte Michael Hayböck die Krisenstimmung im rot-weiß-roten „Adler-Horst“ weggelächelt.

In der gestrigen Quali für den heutigen olympischen Einzelbewerb (13.30 Uhr) auf der Großschanze war dieser Zugang von Erfolg gekrönt. Der 26-jährige Kirchberg-Theninger belegte Rang fünf: „Ich habe einen Plan, bin zuversichtlich.“ Aus dem Lächeln wurde ein Strahlen im Flutlicht.

Richtige Richtung

Favoriten bleiben trotzdem andere: Normalschanzen-Champion Andreas Wellinger, Richard Freitag (beide D), Kamil Stoch (Pol) sowie die Norweger Robert Johansson, Johann Andre Forfang, Daniel Andre Tande. Und was ist mit Stefan Kraft? Der Salzburger war Elfter – nicht schlecht, aber auch nicht grandios. „Es geht in die richtige Richtung, das Gefühl baut sich auf“, sagte er.

Weniger berauschend präsentierte sich Manuel Fettner (40.), der sich sogar hinter Clemens Aigner (27.) einreihen musste. Der Olympia-Debütant aus Steinach am Brenner erfüllte damit die Pflicht. In dieser Weltcupsaison hat Aigner als Gesamt-29. gerade einmal 83 Punkte zu Buche stehen. Im Donnerstag-Training im Alpensia Jumping Park genügten dem Tiroler die Ränge 30, 24, 23, um Gregor Schlierenzauer aus der Mannschaft zu springen.

Der unerfüllte Traum

Allein dieses Szenario ist symptomatisch für die aktuelle Misere, der interne Konkurrenzkampf ist überschaubar, die Kadertiefe bescheiden. Schlierenzauer, der ehemalige „Überflieger“ und Gewinner von 53 Weltcup-Konkurrenzen, will und will nicht in Fahrt kommen. Dass sein Traum vom letzten fehlenden Mosaiksteinchen, dem Olympia-Einzel-Gold, auch im dritten Anlauf bei den Winterspielen nicht Wirklichkeit werden wird, war absehbar. Dass es aber durch eine Ausbootung passiert, hat den 28-Jährigen bestimmt schwer getroffen. Schlierenzauer schließt nicht aus, bis zu den Winterspielen 2022 in Peking weiterzumachen, doch das ist im Moment ganz weit weg.

Leistung muss her

Der angezählte Cheftrainer Heinz Kuttin, der – wenn nicht ein Wunder geschieht – nach dieser Saison abdanken muss, schreckt vor un­populären Maßnahmen nicht zurück: „Clemens war dreimal besser, also springt er“, sagt der Kärntner über die interne Ausscheidung. Heute will er Leistung sehen. Von allen. A. Zambarloukos