„Kaum jemand erkennt meinen Ehrgeiz“

Sport / 16.02.2018 • 20:23 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Für den erfolgreichen Doppelsitzer-Rodler soll’s ein vierter Platz noch lange nicht gewesen sein.

Rodeln Thomas Steu bot die mit Abstand stärkste Leistung aller Vorarlberger Olympioniken im bisherigen Verlauf der Winterspiele in Südkorea. Der Bludenzer wurde bei den Doppelsitzern mit seinem Partner Lorenz Koller hervorragender Vierter. Jetzt ist sein Ehrgeiz so richtig angestachelt.

Wie geht’s Ihnen zwei Tage nach Ihrer großartigen Leistung im olympischen Eiskanal?

Steu Grundsätzlich geht’s mir gut. Ich habe die Saison positiv ausklingen lassen. Jetzt werde ich erst einmal alles sacken lassen. Wir wissen allerdings, dass wir noch viel zu tun haben. Wir wollen uns mit einem vierten Platz nicht zufrieden geben. Wir wurden ja schon bei der WM und bei der EM Vierte. Das reicht uns nicht.

Das klingt nach voller Motivation.

Steu Ja, so ist es. Penz/Fischler hören nun auf. Das gefällt mir zwar nicht, es bedeutet andererseits: Lorenz und ich sollen die neue Nummer eins werden. Peter Penz hat schon gesagt, er will uns nun beim Schlittenbauen helfen.

Die bauen selber auch Schlitten?

Steu Ja. Das tun wir teilweise auch.

Es soll bei Ihnen beiden im Materialbereich also bald einen Quantensprung geben?

Steu Wir haben bisher ein eher altes Gerät gefahren, obwohl wir heuer einen neuen Schlitten gebaut haben. Aber der war um fünfzehn Hundertstel langsamer als der alte. Also griffen wir weiter auf den alten zu. Jetzt gilt es, im kommenden Sommer ein neues Set-up zu finden, das schneller ist. Damit wir näher an die Deutschen herankommen. Das geht nur so.

Wie wichtig war dieses olympische Rennen für Ihre Ambitionen?

Steu Es gab mir Schwung. Aber ich bin nicht zufrieden mit vierten Plätzen. Das reicht mir nicht.

Rein äußerlich machen Sie mit Ihrer Ruhe nicht den Eindruck, solch großen Ehrgeiz zu haben.

Steu Kaum jemand erkennt meinen Ehrgeiz. Das bin ich gewohnt. Ich bin selten mit etwas wirklich zufrieden.

Werden Sie jetzt die volle Aufmerksamkeit der Rodlerfamilie erhalten?

Steu Ja, bisher hat man voll auf Penz/Fischler gesetzt. Man wusste zwar, dass wir auch schnell sind. Aber nicht ganz so schnell wie die beiden. Ich habe verstanden, dass sie forciert wurden. Doch jetzt sind wir da, obwohl wir in große Fußstapfen treten. Das tust du in Österreich speziell bei den Doppelsitzern immer. Vor Penz/Fischer gab es die Brüder Linger und davor gab es Tobias und Markus Schiegl. Die Lingers sind übrigens derzeit unsere Manager.

Die Tage nach eurem Superlauf werden Sie wohl aber einmal andere Dinge gemacht haben, als sich mit Rodeln zu beschäftigen.

Steu Ich habe es einmal richtig krachen lassen. Nach unserem Rennen waren wir zuerst im Österreich-Haus. Um halb zwei gingen wir noch ins Deutsche Haus. Da herrschte auch eine tolle Stimmung. Nach den vielen Entbehrungen der letzten Wochen und Monate hat das alles sehr gut getan.

Bleiben Sie noch in Pyeongchang?

Steu Ja, das tu‘ ich. Ich werde mir noch einige Bewerbe anschauen. Ein akkreditierter Kollege von mir hat ein Auto und damit fahren wir dann noch zu ein paar Wett­kämpfen. Ich war zum Beispiel am Donnerstag bei den Snowboardern und habe Markus und Izzi die Daumen gedrückt. Leider ist es ihnen nicht gut gegangen. Ich fühle vor allem mit dem verletzten Markus. Ich werde jetzt allen anderen Vorarlbergern vor Ort die Daumen drücken.

Wie sieht Ihr Fahrplan für die nächsten Wochen aus?

Steu Ich werde im März ein Fernstudium beginnen. Entweder Sportmanagement oder Wirtschaftsmanagement. Aber der Sport wird auf alle Fälle in den nächsten Jahren im Mittelpunkt stehen.

Letzte, private, Frage. Sind Sie Single, also noch zu haben?

Steu Ich bin noch zu haben.

Olympia-Reporter Klaus Hämmerle hat Rodler Thomas Steu getroffen. VN
Olympia-Reporter Klaus Hämmerle hat Rodler Thomas Steu getroffen. VN