Vom Medical Officer bis zum Übersetzer

18.02.2018 • 19:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der schwer verletzte Markus Schairer wurde am Samstag nach Vorarlberg überstellt. Er kam gegen 21 Uhr per Intensivtransport im Landeskrankenhaus Feldkirch an.VOL.AT/Rauch
Der schwer verletzte Markus Schairer wurde am Samstag nach Vorarlberg überstellt. Er kam gegen 21 Uhr per Intensivtransport im Landeskrankenhaus Feldkirch an.VOL.AT/Rauch

Medizin Was, wenn sich ein österreichischer Sportler bei einem Wettbewerb mehr als nur ein bisschen in einen Finger schneidet? Was, wenn er/sie sich schwer verletzt? Was, wenn sogar Lebensgefahr besteht, Angehörige und Öffentlichkeit informiert werden müssen? Auf diese Herausforderungen muss das österreichische olympische Komitee reagieren können. Der Unfall des Snowboarders Markus Schairer war diesbezüglich ein Härtetest.

„Wir sind für solche Fälle gerüstet“, sagt ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel. Es existiere ein klarer Aktionsplan mit einer Checkliste der zu setzenden Maßnahmen in der entsprechenden Reihenfolge. Die Fäden laufen dabei bei Organisationschef Christoph Sieber zusammen.

Sieber erklärt, wie das ÖOC reagiert, wenn sich ein österreichischer Athlet auf einer der olympischen Wettkampfstätten schwer verletzt: „Wir haben bei jedem Wettkampf mit österreichischer Beteiligung einen Arzt dort, den das ÖOC stellt. Nach der Erstinformation setze ich mich augenblicklich mit unserem Chief Medical Officer in Verbindung. Das ist Dr. Jürgen Barthofer. Er erkundigt sich dann selber über den Vorfall beim ÖOC-Arzt vor Ort und veranlasst die nächsten Schritte.“ Das ÖOC stellt insgesamt 15 Ärzte, die während der Spiele für die österreichischen Sportler zur Verfügung stehen.

Auf nach Wonju

Bei Markus Schairer hatten sich Sieber und Dr. Barthofer ins Auto gesetzt und sich beim Arzt vor Ort noch einmal über alle Details informieren lassen. Mit im Auto auch eine koreanische Voluntärin, die vor Ort als Übersetzerin diente. Gemeinsam fuhren sie ins Krankenhaus von Wonju, das vom Unglücks­ort Bogwang circa eine Stunde Richtung Seoul liegt. Fast zeitgleich traf Markus Schairer gemeinsam mit Dr. Pribitzer im Krankenhaus ein. In Begleitung der beiden österreichischen Ärzte und der Übersetzerin nahmen sich die koreanischen Spezialisten vor Ort des Montafoners an. Dort wurden die notwendigen Maßnahmen abgesprochen und gesetzt.

Lob für Spital

Großes Lob gibt es vom ÖOC für die koreanischen Ärzte vor Ort. Dort waren fünf Spezialisten sofort zur Stelle, alle notwendigen Untersuchungen wurden unverzüglich durchgeführt. Wenn die Diagnose feststeht, geht es darum, die Modalitäten des Rücktransports mit der europäischen Reiseversicherung in Wien abzuklären.

Die Frage ist dann zum Beispiel: Braucht es ein privates Ambulanzflugzeug oder kann der Patient mit einem Linienflugzeug nach Hause fliegen. „Bei Markus war bald klar: Er ist stabil genug, dass wir ihn in Begleitung eines Arztes erste Klasse liegend mit einem Linienflugzeug nach Hause bringen können“, erläutert Sieber.

Patientenwunsch zählt

Sehr wichtig ist in diesen sensiblen Situationen natürlich auch die Kommunikation nach außen. „Bei solchen Verletzungen sind gleich einmal Spekulationen im Gang, denen wir vorbeugen wollen“, erklärt Sieber. Im Fall Schairer wurde der Patient gefragt, wie er die Kommunikation wünsche. Sieber:„Markus sagte dann, er wolle, dass zuerst seine Familie informiert wird, bevor irgendetwas nach draußen dringt. Das haben wir dann auch so gemacht.“ VN-HK