Nur im Kleinen funktioniert es

21.02.2018 • 18:11 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Im Lager der österreichischen Nordischen greift derzeit nicht jedes Rad ins andere.

Ski Nordisch, Biathlon Das Gros des Skispringer-Teams ist gestern heim nach Österreich gereist. In Pyeongchang hatte die Mannschaft keine nennenswerten Spuren hinterlassen, einzig einen Offenbarungseid: Die noch bei der Vierschanzentournee gelebte Idylle war „gespielt“, wie selbst Cheftrainer Heinz Kuttin angemerkt hatte. Und die angekündigte Ursachenforschung im April muss längst über Indiviualanalysen hinausgehen. Auch bei Kombinierern (Staffel heute) und Biathleten (morgen) geht es um Justierungen.

Teamgedanke: Neben dem Cheftrainer geben bei den Skispringern vier Co-, Stützpunkt- oder Individualtrainer Tipps, sogar Kuttins Landsmann Günther Stranner durfte einmal die Reise antreten (Nischni Tagil/RUS). Eine flache Hierarchie, in der keine Rollenverteilung ersichtlich scheint. Doch auch das Biathlon-Lager ist gespalten, neben der ÖSV-Gruppe fungieren die meisten Damen und zudem Simon Eder in der „Biathlon-Schmiede“. Bei ihm geht es vorrangig darum, dass sein Vater Alfred Eder Teil der Gruppierung ist, Sportdirektor Markus Gandler erteilte bis Olympia seine Zusage: „Ideal ist es bei harten Schlüsseltrainings aber nicht“, meinte Eders ehemaliger Teamkollege Christoph Sumann. Während bei den Langlauf-Damen mit Teresa Stadlober eine Ausnahmekönnerin Fixbestandteil der Mannschaft ist, ortet Olympiasieger Mario Stecher im Kombinierer-Lager fehlendes Miteinander unterhalb der Nationalmannschaft: „Da wäre es wichtig, besser zusammenzuarbeiten.“

Trainerdiskussion: Bei den Biathleten sitzt Reinhard Gösweiner fest im Sattel, wie auch sein Sportdirektor Markus Gandler meint. Bei den Langläufern bleibt der ausgewiesene Experte Trond Nystad (NOR) in der Rolle des Koordinators und an Christoph Eugen (Kombination) scheint im Jahr vor der Heim-WM in Seefeld/Innsbruck auch keiner zu rütteln. Aus dem Springer-Lager vernimmt man unterschiedliche Töne, auf Kritik oder Anfrage reagiert man dort mit Verweisen auf die Saisonanalyse im Frühjahr: „Was die Springer betrifft, haben wir alles gesagt“, meinte Sportdirektor Ernst Vettori. Nachsatz: „Es ist noch keine Entscheidung gefallen, alles ist offen.“

Leistungsgefälle: Bei den Winterspielen blieben die Langläufer im Rahmen der Erwartungen: Bei Teresa Stadlober waren die hoch, bei den Herren nicht. Die Kombinierer holten sich zumindest ihre Medaille, Leute wie David Pommer, Philipp Orter, Paul Gerstgraser oder Lukas Greiderer schieben nach. Bei den Biathlon-Herren passt die Struktur, Simon Eders Zukunft (Karriereende?) ist offen. Anders die Situation bei den Biathlon-Damen, wo ein Neuanfang bevorstehen muss. Weniger die Schussleistung als die Zeitrückstände stimmen bedenklich. Im Sprint lag die Kärntnerin Dunja Zdouc über zehn Prozent hinter der Siegerzeit von Laura Dahlmeier (GER) – eine andere Liga. „Sie müssen schauen, ob der Weg der richtige ist. Es gibt extremen Aufholbedarf“, beurteilte Sumann das Abschneiden. Bei Lisa Theresa Hauser, der Besten im Team, fehle derzeit indes die Selbstverständlichkeit. Sumann: „Bei der Heim-WM 2017 in Hochfilzen klappte es nicht, aber jetzt hat sie schon das zweite Großereignis hintereinander nicht ihre Leistung gebracht.“

Bei den Skispringern liegt vieles im Ungewissen: Die Qualität ist bei Michael Hayböck und Stefan Kraft da, Gregor Schlierenzauer hat die genauso – steht sich mit seiner Materialtüftelei und dem selbstauferlegten Druck bisweilen selbst im Weg. Manuel Fettner und Manuel Poppinger rufen ihr Potenzial hingegen zu selten ab. Die zweite Garde erhob zuletzt nicht den Anspruch, eine Liga weiter oben (Weltcup) dabeisein zu wollen. Aufarbeitung ist gefragt – diesmal ohne Kompromisse. F. Madl