Langsam steigt der Adrenalinspiegel

27.02.2018 • 21:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Heike Eder wird bei den Paralympics 2018 in Pyeongchang am 15. März im Slalom und drei Tage später am Abschlusstag im Riesentorlauf im Einsatz sein.Gepa
Heike Eder wird bei den Paralympics 2018 in Pyeongchang am 15. März im Slalom und drei Tage später am Abschlusstag im Riesentorlauf im Einsatz sein.Gepa

Monoskifahrerin Heike Eder zählt bei den Paralympics zum erweiterten Kreis der Medaillenkandidaten.

Götzis Sechs Tage noch, dann erfolgt der Abflug Richtung Südkorea. Bei Heike Eder, Vorarlbergs einziger Aktiver an den Paralympics 2018, den zwölften olympischen Winterspielen für Sportler mit einer körperlichen Beeinträchtigung vom 9. bis 18. März in Pyeongchang, steigt langsam der Adrenalinspiegel vor ihrem Debüt im Zeichen der olympischen Ringe. „Durch die Einkleidung, der Verabschiedung in Wien und die Gespräche mit den Teamkollegen bei den letzten Trainingseinheiten ist mir eigentlich erstmals so richtig bewusst geworden, was mich erwartet“, erklärt die 29-jährige Götznerin. „Nach der Qualifikation kurz vor Weihnachten ist es doch noch einige Tage gegangen, bis ich die Sache auch so richtig realisiert habe. Doch vielleicht war es auch die Konzentration auf die tägliche Arbeit, die mich auf andere Gedanken gebracht hat“, betont die Personalleiterin bei der Arbeiterkammer Vorarlberg.

Mit Freude und Respekt

Ihrem Debüt im Zeichen der fünf Ringe blickt die gebürtige Batschunserin mit viel Freude, aber auch mit einer gehörigen Portion Respekt entgegen: „Bei den Übertragungen der Olympischen Winterspiele ist mir dann aber bewusst geworden, was da auf mich zukommt. Zum Glück sind zwischen meiner Ankunft und dem ersten Wettkampf einige Tage, damit ich erst einmal die Eindrücke verarbeiten kann. Daneben bin ich auch gespannt darauf, wie ich die Zeitumstellung verarbeiten werde.“

Bezüglich der persönlichen Erwartungshaltung will sich Eder, die sich vor elf Jahren bei einem Trainingssturz in Obergurgl eine inkomplette Querschnittlähmung zuzog und seit damals auf den Rollstuhl angewiesen ist, den Ball flach halten: „Ich werde versuchen, die Sache so locker wie möglich anzugehen. Ziel ist es, alles zu geben, versuchen das Optimum abzurufen, und es wird sich heraustellen, ob es für meinen großen sportlichen Traum, den Gewinn einer Medaille, reicht.“ Dem Umstand, im Feld der Spitzenläuferinnen die einzige Amateurin unter Profis zu sein, misst Eder nur eine untergeordnete Bedeutung zu. „Dadurch habe ich auch etwas weniger Druck als andere Starterinnen. Allerdings soll dies nicht bedeuten, dass ich keine Erwartungshaltung habe und mich mit der Teilnahme bereits zufriedengebe. Für mich ist klar, dass ich nicht zu den absoluten Medaillenfavoriten zähle. Allerdings stufe ich mich in jenen Kreis der Läuferinnen ein, die sich bei optimaler Leistung berechtigte Außerseiterchancen einräumen dürfen.“

Die bislang letzte der 62 Medaillen umfassenden Ausbeute von Vorarlbergs Alpinen und Nordischen bei Paralympics geht auf das Konto von Philipp Bonadimann mit Slalom-Silber 2014 in Sotschi. Insgesamt stehen 23 Goldene, 18 Silberne und 21 Bronzene zu Buche, und die Sterne stehen nicht schlecht, dass die Ländle-Erfolgsgeschichte im südkoreanischen Pyeongchang eine Fortsetzung findet.