Zurück auf dem Fußballplatz

Sport / 27.02.2018 • 22:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Erinnerung an besondere Momente: Leandro Jäger mit einer Medaille, die er einst bei einem Nachwuchsturnier in Deutschland erhalten hat.Paulitsch
Erinnerung an besondere Momente: Leandro Jäger mit einer Medaille, die er einst bei einem Nachwuchsturnier in Deutschland erhalten hat.Paulitsch

FIFA genehmigt Wechsel von Leandro Jäger dank Hilfe der VN und des ÖFB.

Hard Eisige Temperaturen, doch bei Leandro Jäger ist das Lächeln zurückgekehrt. Dass er derzeit bei den Blue Devils in Hohenems dem Football nachjagt, tut dies keinen Abbruch, auch wenn inzwischen ein paar Zweifel vorhanden sind. Zumal die Zeit seit der Aufhebung des Fußballverbots durch den Fußball-Weltverband FIFA noch eine kurze ist. Erst vor ein paar Tagen, noch vor seinem 15. Geburtstag (23. Februar), war das Schreiben der FIFA – es liegt den VN vor – eingetrudelt war. Darin wurde der internationale Transfer des gebürtigen Harders und einige Zeit im deutschen Großbettlingen lebenden Buben zurück nach Österreich, zum FC Hard, bestätigt. Damit sind die anfangs, nach FIFA-Recht illegalen Versuche, im Klub Fuß zu fassen, nun auch vom Weltverband abgesegnet worden.

Die Zeit heilt die Wunden

„Ich möchte mich bei den VN bedanken“, sagte Leandros Großvater, nachdem die Akte „Leandro Jäger“ geschlossen wurde. Mit seiner hartnäckigen Art, für das Recht seines Enkels zu kämpfen, hatte Heinz Jäger den Stein ins Rollen gebracht. Lange ließ er sich nicht entmutigen, führte einen unermüdlichen Kampf gegen die Fußball-Spitzenfunktionäre. Dabei schwand auch zusehends sein Vertrauen in die Verbandsverantwortlichen. „Natürlich, weil ich fühlte mich nicht nur unverstanden, sondern vielmehr alleingelassen“, bilanziert er heute. Sein letzter Ausweg war der Gang in die Öffentlichkeit. Die VN veröffentlichten die Geschichte am 27. Jänner. Gut einen Monat später ist der Schüler wieder spielberechtigt. Heinz Jäger jedenfalls hofft, dass sein Enkel bald wieder ins Tor zurückkehrt, auch wenn er sich zuletzt beim heimischen American-Football-Club gut aufgehoben fühlte. „Er soll sich jetzt erst einmal Zeit lassen“, so Jäger. Seitens des FC Hard ist jedenfalls schon die Einladung zum Training an den gelernten Torhüter ergangen.

ÖFB wurde nochmals aktiv

Beim Österreichischen Fußball-Bund hatte sich Generalsekretär Thomas Hollerer nach dem Erscheinen des VN-Artikels noch einmal persönlich der Sache angenommen. „Uns ist es wichtig, dass Dinge passieren“, sagte Hollerer gegenüber den VN und in Bezug auf den Fall „Leandro Jäger“ ergänzte er: „Alle Dinge beginnen im Kleinen.“ Er sei jedenfalls glücklich darüber, dass es doch noch geklappt und der Sport gesiegt habe. Anfangs hatte der Weltverband dem Wechsel zurück von Deutschland nach Österreich aufgrund einer privaten Veränderung – Leandro lebt seit der Scheidung seiner Eltern nun bei seinen Großeltern in Hard – verhindert und berief sich dabei auf den Artitel 19 des Regelments. Dieser regelt den Schutz minderjähriger Fußballer. Deshalb war der Harder vom Weltverband vorerst bis zu seinem 18. Lebensjahr gesperrt worden.

Ein fader Beigeschmack bleibt bei Heinz Jäger dennoch: „Es wäre doch schön gewesen, wenn es eine Entschuldigung gegenüber dem Buben gegeben hätte. Ich habe nie verheimlicht, dass uns Fehler unterlaufen sind. Aber das ist mir damals nicht bewusst gewesen. Was mich noch immer enttäuscht, ist aber, dass nie wirklich mit uns gesprochen, sondern nur von oben herab entschieden wurde.“ Die jetzige Entscheidung aber sei dennoch eine freudige Überraschung, erzählt Jäger. Zugleich bedankte er sich für die mediale Berichterstattung, die die Tür zum Fußball früher als erwartet öffnete.

„Leandro kann sich noch gar nicht freuen, ich freue mich aber sehr für den Jungen.“

VN-C008VN2701_5137152.pdf
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