Stolz auf Strolz und Ortlieb

Sport / 16.03.2018 • 21:43 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Drei erfolgreiche Skigenerationen: Europacupsieger Johannes Strolz, Olympiasieger Hubert Strolz und Ewald Strolz, einer der ersten staatlich geprüften Skilehrer Vorarlbergs.Übelher
Drei erfolgreiche Skigenerationen: Europacupsieger Johannes Strolz, Olympiasieger Hubert Strolz und Ewald Strolz, einer der ersten staatlich geprüften Skilehrer Vorarlbergs.Übelher

Warth empfing den neuen Ski-Europacupsieger, auch die Lecherin machte den Gesamtsieg perfekt.

Schwarzach Die Gemeinde Warth hat wieder allen Grund, auf einen Skisohn stolz zu sein. Es ist jedenfalls alles aufmarschiert, um Europacupsieger Johannes Strolz zu empfangen. Die Skischule Warth stand Spalier, Alphornbläser spielten auf, als Gratulanten stellten sich u. a. Bürgermeister Stefan Strolz und Skiverbandpräsident Patrick Ortlieb ein. In Soldeu hatte der Rennfahrer des SC Warth am Vortag den Europacup-Gesamtsieg in trockene Tücher gebracht, nach einem spannenden Duell mit seinem Zimmerkollegen Dominik Raschner: „Wir hatten die ganze Saison über einen fairen Zweikampf, da war nichts Unangenehmes in der Luft“, erzählt der 25-Jährige. „Er hat mir nach seinem Ausfall im Slalom auch sofort gratuliert.“ Strolz selbst habe vom Missgeschick des Tirolers nichts mitbekommen. „Das Gelände war schwer, der Lauf auch, ich musste mich auf meine Sachen konzentrieren.“

Freude am Skisport

Dass sich zum ersten Mal Vater und Sohn in der Liste der Europacup-Gesamtsieger eingetragen haben, mache es speziell, lacht der Junior. Papa Hubert Strolz, der Kombinations-Olympiasieger von 1988 in Calgary, hatte vor 36 Jahren dasselbe Kunststück geschafft. „Er hat natürlich eine Riesengaude“, erzählt der Filius über die Reaktion des Vaters. „Für ihn ist es allerdings viel wichtiger, dass ich den Skisport mit Freude betreibe.“ Tipps vom Senior gibt es auf Anfrage. „Er hilft mir, wenn es darum geht, mit der Energie oder dem Körper hauszuhalten.“

Die österreichischen Meisterschaften, Training und Skitests stehen in den nächsten Wochen auf dem Terminplan. Der große Vorteil eines frischgebackenen Europacupsiegers? „Ich kann mich jetzt in Ruhe weiterentwickeln und vorbereiten, muss im Training nicht mehr Wahnsinnszeiten für eine Qualifikation abliefern.“

Auch ein paar Kilometer weiter südlich darf man stolz sein, gefeiert wird dort allerdings erst später. Die Lecherin Nina Ortlieb sicherte sich mit einem elften Platz im Riesentorlauf ebenfalls den Gesamtsieg in der Europacupwertung. „Ich bin schon erleichtert“, freute sich die 21-Jährige nach Vollbrachtem. Kristina Haugen Gjelsten, ihre schärfste Konkurrentin um den Gesamtsieg, gewann zwar das Rennen, kann aber auch bei einem Sieg im abschließenden Slalom die 949 Punkte von Ortlieb nicht mehr übertreffen. Sie habe zu Saisonbeginn eigentlich keinen Gedanken an den Europacup verschwendet, sagt die Stams-Maturantin. „Ich habe mich auf die Abfahrten und Super-G konzentriert. Da ist es sehr gut gelaufen, hatte dann genug Punkte, um auch im Riesentorlauf mit der Nummer 16 eine gute Startnummer zu bekomme.“ Wo es auf Anhieb mit Spitzenplatzierungen klappte, „obwohl ich nur fünf gefahren bin“. Der Sieg im Riesentorlauf in La Molina war das Tüpfelchen auf dem i.

Akribische Vorbereitung

Ortlieb nennt eine akribische Saisonvorbereitung mit gezielter Einsatzplanung als Erfolgsrezept. „Ich war außerdem gegenüber den vergangenen Saisonen gesund und verletzungsfrei. Das hat mir Ruhe und Sicherheit gegeben, die Formkurve war gleich stabiler.“ Papa – und Abfahrts-Olympiasieger – Patrick hat am Liveticker mitgefiebert. „Er hat mir gleich nach der Fahrt gratuliert. Aber“, beeilt sich Ortlieb gleich anzuhängen, „der Europacup ist im Endeffekt nicht das Karriereziel. Ich will im Weltcup etwas erreichen.“

Dafür werde sie im Sommer an der Kondition arbeiten und körperlich zulegen müssen, weiß die Doppel-Juniorenweltmeisterin. „Für zwei, drei Monate werde ich keine Ski sehen. In der Abfahrt brauche ich auf den Gleitstücken mehr Masse.“ Der Fokus liegt weiter auf den schnellen Disziplinen, „aber auch das Training im Riesentorlauf wird forciert. Das ist die Kerndisziplin, eine gute Technik ist die Basis für gute Resultate im Super-G und in der Abfahrt.“

„Ich kann mich in Ruhe weiterentwickeln und muss nicht mehr Wahnsinnszeiten abliefen.“

Nina Ortlieb (hinten Mitte) in Feierlaune. Die Lecherin setzte sich mit dem Gesamtsieg die Krone im Europacup auf.ösv
Nina Ortlieb (hinten Mitte) in Feierlaune. Die Lecherin setzte sich mit dem Gesamtsieg die Krone im Europacup auf.ösv

Ski alpin

Europacup-Damen-Riesentorlauf, Soldeu

1. K. Haugen Gjelsten (NOR/92) 2:20,71

6. Stephanie Resch (AUT/95) 2:21,54

11. Nina Ortlieb (AUT/V/96) 2:22,90

Ausgeschieden: Ariane Rädler (AUT/V)

Europacup, gesamt: 1. Nina Ortlieb (AUT/V/96) 949, 2. Kristina Haugen Gjelsten (NOR/92) 839, 3. Lisa Hörnblad (SWE/96) 798, 4. Aline Danioth (SUI/98) 743, 5. Ariane Rädler (AUT/V/95) 719, 10. Katharina Liensberger (AUT/V/97) 500, 62. Elisabeth Kappaurer (AUT/V/94) 105, 77. Christine Scheyer (AUT/V/94) 80, 160. Vanessa Nussbaumer (AUT/V/98) 5.

Europacup, Damen Riesentorlauf, Endstand:
1. Kristina Haugen Gjelsten (NOR/92) und Thea Louise Stjernesund (NOR/96) 446, 3. Katharina Liensberger (AUT/V/) 380, 8. Nina Ortlieb (AUT/V/96) 218, 32. Ariane Rädler (AUT/V/95) 65, 46. Elisabeth Kappaurer (AUT/V/94) 29