Lasst den Giro beginnen

03.05.2018 • 19:20 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Ja, es schmerzt. Damit meine ich aber nicht meine Schulter – die OP ist gut verlaufen – sondern vielmehr meine Absenz beim heute beginnenden Giro. So sehr hatte ich mich auf das Auftaktzeitfahren gefreut. Die Reha nach dem Schlüsselbeinbruch verläuft super und ich kann auch schon wieder erste Runden auf dem Rad drehen. Mit dem „Critérium du Dauphiné“ Anfang Juni und einer möglichen Tour-de-France-Selektion habe ich mir schon die nächsten Ziele gesteckt. Frei nach dem Motto: Alles im Leben hat seinen Sinn. Es heißt nur richtig damit umzugehen und nach vorne zu schauen.

Finanzielle Interessen, aber auch der Glaube der Veranstalter in Israel an die Marke Radsport haben dafür gesorgt, dass der 101. Giro d‘Italia in der geschichtsträchtigen Stadt Jerusalem gestartet wird. Für mich ist es der Auftakt zu einer spannenden Rundfahrt. Zwei Zeitfahren, viele Berg-, einige Flachetappen für die Sprinter sowie maßgeschneiderte Etappen für Ausreißer versprechen einen heißen Kampf um das Rosa Trikot des Gesamtführenden. Das Auftaktzeitfahren ist ein technischer Kurs mit 18 Kurven, wo auf die Fahrer ein ständiges Rauf und Runter wartet. Für ein erfolgreiches Abschneiden sind aus meiner Sicht eine gute Pacing-Strategie, ein kalkuliertes Risiko in den Kurven und die nötige Power notwendig. Meine Favoriten sind Tom Dumoulin, Dennis Rohan und ein starker Victor Campenaerts.

Die ersten Etappen werden für alle Fahrer „sehr nervös“. Jedes Team will sich vorne im Feld behaupten. Für die Spitzenteams geht es um Etappensiege. Für jene um Chris Froome, Thibault Pinot, Dumoulin, Fabio Aru oder Miguel Angel Lopez, die um den Gesamtsieg mitfahren, wird es wichtig sein, ihre Fahrer in die sicherste Zone, an die Spitze des Feldes zu chauffieren. Das ist zu Beginn einer Rundfahrt, wenn die Hierarchie noch nicht geklärt ist, mit das Schwierigste. An der Spitze sind die Plätze begrenzt, deshalb passieren auch die meisten Stürze schon in der ersten Woche. Danach kristallisiert sich mehr Klarheit über die Form der einzelnen Spitzenfahrer heraus. Spannung ist also garantiert, darauf dürfen wir uns freuen und darauf werde ich in den nächsten Wochen ein Auge werfen.

Matthias Brändle (28), Radprofi, steht beim Team Trek-Segafredo unter Vertrag.