Auftakt ein Reinfall für Froome

04.05.2018 • 16:54 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Titelverteidiger und Zeitfahrweltmeister Tom Dumoulin triumphierte beim Auftakt des 101. Giro d‘Italia in Jerusalem.AFP
Titelverteidiger und Zeitfahrweltmeister Tom Dumoulin triumphierte beim Auftakt des
101. Giro d‘Italia in Jerusalem.AFP

Titelverteidiger Dumoulin mit Sieg bei Giro-Auftakt in Jerusalem.

Jerusalem Vorjahrssieger Tom Dumoulin hat beim 101. Giro d‘Italia das erste Rosa Trikot übernommen. Der 27-jährige Niederländer gewann das 9,7 Kilometer lange Einzelzeitfahren der ersten Etappe in Jerusalem zwei Sekunden vor dem Australier Rohan Dennis und führt damit die Gesamtwertung vor den zwei weiteren Abschnitten in Israel an.

Der britische Tour-de-France-Gewinner Christopher Froome, der beim Einfahren gestürzt war, wurde nur 21. Der vierfache Tour-de-France-Gewinner aus dem Team Sky, dem wegen eines überhöhten Salbutamol-Grenzwerts bei der Spanien-Rundfahrt 2017 nachträglich Sanktionen drohen, büßte 37 Sekunden ein. Wird Froome in dem schwebenden Verfahren entlastet, wäre er bei einem Sieg in Italien erst der dritte Fahrer der Geschichte, der Champion aller drei großen Rundfahrten in Folge ist. Beim Auftakt brachte der 32-Jährige seine Zeitfahr-Qualitäten aber nicht wie von ihm erhofft zur Geltung. Der Sturz vor dem Rennen – Froomes Rad rutschte beim Anbremsen einer Kurve weg – habe keine negativen Folgen für den weiteren Verlauf, versicherte das Team Sky. Es gebe keinen Grund zur Beunruhigung, teilte der Rennstall mit.

ÖRV-Trio vor Froome klassiert

Die drei Österreicher klassierten sich alle vor Froome. Felix Großschartner, im Bora-Team als Helfer vorgesehen, landete mit 31 Sekunden Rückstand an der 14. Stelle, Bora-Co-Kapitän Patrick Konrad und Staatsmeister Georg Preidler (Groupama) belegten je 34 Sekunden zurück die Ränge 18 bzw. 19. Christian Pömer, Sportlicher Leiter bei Bora, war mit den Leistungen seiner Fahrer sehr zufrieden. „Unsere Bergfahrer schlugen sich beim Zeitfahren großartig. Für Felix Großschartner ist auf den nächsten Etappen sogar das Weiße Trikot des besten Jungprofis in Reichweite.“ Der 24-jährige Großschartner rangiert in dieser Wertung vorerst an vierter Stelle. Im Vorjahr hatte sein engerer Landsmann Lukas Pöstlberger sensationell die 1. Etappe gewonnen. Er fehlt diesmal nach einer Erkrankung. Dumoulin gelang als erstem Titelverteidiger seit Paolo Savoldelli 2005/06 der Sieg auf der ersten Etappe der folgenden Italien-Radrundfahrt. Der Sieg des Weltmeisters bedeutete keine Überraschung. „Das ist perfekt, das habe ich mir gewünscht. Zu gewinnen und Zeit auf die anderen Mitfavoriten zu holen ist ein perfekter Start für mich und das Team“, sagte Dumoulin laut einer Mitteilung seines Teams Sunweb auf Twitter.

Von den übrigen Anwärtern auf den Gesamtsieg am 27. Mai nach der 21. Etappe in Rom schlugen sich auf dem welligen Kurs im Westen Jerusalems der Brite Simon Yates (7./+20 Sek.), der Italiener Domenico Pozzovivo (10./+27), der Kolumbianer Carlos Betancur (11./+28) und der Franzose Thibaut Pinot (16./-33) beachtlich. Der starke Bergfahrer Fabio Aru büßte 50 Sekunden ein (47.), nahm den Zeitverlust aber locker. „Wir haben noch 20 sehr harte Tage vor uns, ich wollte auf diesem Kurs kein unnötiges Risiko eingehen“, meinte der Sarde.

4000 Sicherheitskräfte

Trotz des Großaufgebots an Sicherheitskräften – für die dreitägige Stippvisite in Israel stehen insgesamt 4000 Personen zur Verfügung – war die Stimmung in der religiös bedeutsamen und stark vom Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern geprägten Hauptstadt ausgelassen. Der kanadische Immobilien-Milliardär Sylvan Adams, der seit zwei Jahren in Israel lebt, finanziert die bisher größte Sportveranstaltung im Heiligen Land.

Allerdings ringt der Giro, der zum ersten Mal außerhalb Europas begann, nicht zuletzt wegen der drohenden Dopingsperre für Froome, um seine sportliche Bedeutung.

„Das war ein idealer Kurs für mich und natürlich ein perfekter Auftakt.“

Rad

101. Giro d‘Italia 2018

1. Etappe, Einzelzeitfahren in Jerusalem (9,7 km)

1. Tom Dumoulin (NED) Sunweb 12:02 Min., 2. Rohan Dennis (AUS) BMC +0:02 Min., 3. Victor Campenaerts (BEL) Lotto gleiche Zeit, 4. Jose Goncalves (POR) Katjuscha 0:12, 5. Alex Dowsett (GBR) Katjuscha 0:16, 6. Pello Bilbao (ESP) Astana 0:18, 7. Simon Yates (GBR) Mitchelton 0:20, 8. Maximilian Schachmann (GER) Quick-Step 0:21, 9. Tony Martin GER) Katjuscha 0:27, 10. Domenico Pozzovivo (ITA) Bahrain gleiche Zeit, 14. Felix Großschartner (AUT) Bora 0:31, 18. Patrick Konrad (AUT) Bora 0:34, 19. Georg Preidler (AUT) Groupama gleiche Zeit, 21. Christopher Froome (GBR) Sky 0:37

2. Etappe (Samstag): Haifa – Tel Aviv (167 km)

3. Etappe (Sonntag): Be‘er Sheva – Eilat (229 km)